Berlin-Derby

Babbel – "Viel Kredit bei den Fans verspielt"

Das schmachvolle 1:2 gegen den Lokalrivalen 1. FC Union war vor allem für Hertha-Trainer Babbel eine Pleite. Er gerät nun unter Erklärungsdruck. Bei den Spielern geht die Angst um: Sie fürchten sich vor einem neuen Negativlauf.

Einen Moment lang scheint auf einmal auch Markus Babbel ergriffen von der Tatsache des Scheiterns im Derby gegen den 1. FC Union. Er nennt es „die für mich bitterste Niederlage dieser Saison“, nanu, doch prompt stellt der Trainer von Hertha BSC seine Gedankenwelt klar. „Unnötig und ärgerlich“ war dieses 1:2, befindet Babbel am Vormittag danach, ja.

Doch das unerquickliche Ergebnis wurmt den Münchner Fußballlehrer nicht emotional und deshalb, weil der siegreiche Gegner aus der unmittelbaren Nachbarschaft aus Köpenick kam, was allen in Charlottenburg und den westlichen Bezirken solche Pein bereitet. Sondern rein faktisch, weil seine Mannschaft nach gutem Start mit früher Führung (13. Minute/Hubnik) erst nur mangelhaft auf das zweite Tor und damit so etwas wie eine Vorentscheidung gegen hypernervöse Unioner drängte, um dann, nach zwei eher zufälligen Gegentoren, ganz und gar ungenügend um wenigstens einen Punkt zu fighten.

Dieser eklatante Verfall der Seinen während der 90 Minuten sei ihm „unerklärlich“, sagt Babbel. Doch wer, wenn nicht der Trainer, soll ihn erklären können? Und so ist Herthas Niederlage im Derby vor allem eine Pleite für Babbel. Natürlich, Berlins etablierte Größe ist auch danach noch Tabellenführer in Liga zwei. Die Mission Wiederaufstieg bleibt auf Kurs. Und damit auch Babbel. Denn nur auf eines richtet sich intern der Blick: auf die Tabelle.

"Es lag an uns"

„Unsere Ausgangsposition ist nach wie vor glänzend“, sagt Babbel, doch der Grund, auf dem er steht, ist bröckelig. Droht die Rückkehr in die Bundesliga zu scheitern, wird das zuallererst ihm zum Verhängnis werden. Unerhörter Druck lastet auf dem Trainer. Doch Babbel hat sich ihm aus freien Stücken ausgesetzt. Am Tag danach hat er zur Mannschaft gesprochen und sehr deutlich mitgeteilt: „Wir haben viel Kredit bei den Fans verspielt, die uns besonders in diesem Spiel siegen sehen wollten.“

Reichlich viele Defizite ließen es anders kommen. „Dass wir das Spiel verloren haben, lag nur an uns, nicht am Gegner“, behauptet Babbel selbstbewusst. Auf eine mit Tempo und Technik anfangs so sehr dominierte Partie, dass der überstrapazierte Begriff vom „Klassenunterschied“ berechtigt zur Anwendung kam, fand seine Mannschaft nach dem Ausgleich (37./Mosquera) urplötzlich keinen Zugriff mehr. Bis zur Pause war das angesichts der Kürze der Zeit noch entschuldbar.

Doch was ist mit den 45 Minuten nach dem Seitenwechsel, die nicht mehr als zwei aussichtsreiche Angriffe der Blau-Weißen zeitigten? Mit Entschlossenheit habe das zu tun, urteilt Babbel. Entschlossenheit, die erlernbar sei. Nur, warum lernen es die Ramos und Kollegen dann nicht? „Warum schießen sie auf Teufel komm raus, wo ein Pass her muss, aber passen, wo sie es mit Gewalt versuchen müssen?“ Diese Frage stellt sich nicht nur dem Trainer. Im speziellen Fall begründet er sie mit „Respekt vor dem Publikum“, der eben längst nicht nur die Unioner befallen habe. „Schon beim Aufwärmen“, das er für „grausam“ befand, habe er auch in Reihen der Hertha-Profis weiche Beine festgestellt.

Eine Mauer, die keine war

Als ob das nicht verblüffend genug wäre, hielt das so bedeutsame Match noch eine weitere Absonderlichkeit bereit: eine Mauer, die keine war. Eher schon „Schweizer Käse“, ätzt der frühere Toreverhinderer Babbel anderntags und meint jenes löchrige Gebilde, das in Person der Herren Lell und Friend nur allzu eilfertig auseinanderklaffte, als Torsten Mattuschkas Freistoß heranrauschte. Lell und Friend, „ein paar Bäume“, umschreibt sie Babbel, doch solche, „die sich wegdrehen, weil sie Angst vor dem Ball haben“. In solchen Momenten der individuellen Kritik wird spürbar, wie tief der Frust bei Babbel wirklich sitzt. Sich selbst macht er den Vorwurf, sich vielleicht doch nicht im rechten Moment und dem rechten Maße des dreimal pro Partie verfügbaren Stilmittels der Auswechslung bedient zu haben. Wie auch immer Babbel sein Handeln während der 90 Minuten erklärt – so recht erschließt es sich nicht als der Weisheit letzter Schluss. „Hinterher ist man immer schlauer“, sagt er.

Und jetzt? Mitte der Woche soll Pierre-Michel Lasogga nach überstandener Kreuzbanddehnung ins Mannschaftstraining zurückkehren. Ein Stürmer, der Tore garantiert – anders als Friend, der im Derby vielleicht zum letzten Mal für lange Zeit in Herthas Startelf stand. Ein Typ auch, der als einer der wenigen in Herthas Kader verkörpert, was in Liga zwei gefragt ist: Wille und Leidenschaft. Schon in Karlsruhe werden diese Attribute am Sonntag gefragt sein, erst recht danach im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Cottbus. Schon graut es ersten Spielern. „Wir dürfen uns jetzt keine Negativserie erlauben“, warnt Kapitän Andre Mijatovic.

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