Hertha BSC

Torschütze Ronny belohnt Vertrauen des Trainers

Hertha BSC zieht dank seines brasilianischen Brüder-Paares Ronny und Raffael der Aufstiegs-Konkurrenz langsam davon. Da störte es kaum, dass Ronny sein erstes Tor für die Berliner vor der falschen Fankurve bejubelte.

Ob es nun an den Farben lag oder einfach an der Freude über sein Tor: Als Ronny am Sonntag zur 1:0-Führung für Hertha BSC gegen Arminia Bielefeld getroffen hatte, jubelte er erst einmal vor der falschen Fankurve – die, das muss man dem Brasilianer schon zugestehen, in weiß und blau zumindest farblich jener der Hertha-Anhänger recht nahe kam. Nun stand er da und zeigte immer wieder auf seinen Oberarm, wo er den Schriftzug und ein Konterfrei seiner Tochter Isabelly hatte eintätowieren lassen. Ganz so, als wollte er sagen: Seht her, sie hat mir in den vergangenen Wochen Kraft gegeben. Das alles bekamen nun also die Bielfelder aus nächster Nähe präsentiert.

Aber wer wollte es Ronny in diesem Moment verdenken? Schließlich hat er eine harte Zeit hinter sich. Die vergangene Woche zum Beispiel. Da hatten die meisten Beobachter von Ronny ein insgesamt ordentliches Spiel gegen Düsseldorf (4:2) gesehen. Trainer Markus Babbel indessen erinnerte sich – und Ronny – vor allem an den einen folgenschweren Fehler des Brasilianers. Der Moment der Unaufmerksamkeit hatte zum zwischenzeitlichen Ausgleich geführt. Was den Coach besonders wurmte: Auf exakt diesen Fortunen-Spielzug hatte Babbel in der Video-Vorbesprechung hingewiesen. „Da muss Ronny dann auch mal hinhören“, murrte Babbel. Und überhaupt: Der sei erst bei 60, 70 Prozent von seinem Leistungsvermögen.

Interne Diskussionen

Die Personalie Ronny wird bei Hertha häufig diskutiert. Die einen schauen auf seine staunenswerte Ballsicherheit selbst in schwierigen Situationen. Andere, wie der Trainer, wünschen sich mehr Dynamik, mehr Laufarbeit und mehr Konzentration. Insofern war fraglich, ob der gestrenge Übungsleiter Ronny in Bielefeld überhaupt aufstellen würde.

Mit dem Treffer in Bielefeld – seinem ersten Tor für Hertha – hat Ronny das Vertrauen des Trainers eindrucksvoll zurückgezahlt. Die Art und Weise, wie er das Tor erzielte, zeigt, dass er in etwa verstanden hat, was der Trainer erwartet. Hartnäckig setzte er sich gegen seinen Gegenspieler durch, entkam mit einem schnellen Antritt. Eigenschaften, die ihm in seiner Anfangszeit fehlten, als er mit Übergewicht und teils spürbar angezogener Handbremse agierte. „Ich habe mit Ronny gesprochen und ihm gesagt: Da muss mehr kommen“, sagte Babbel. „Ich habe ihm klar gemacht, dass er einen Weg zwischen seiner Genialität und Einfachheit finden muss, das hat er heute gut gemacht.“

Es scheint, als habe sich der Brasilianer endlich richtig in das Gefüge der Mannschaft integriert, was auch seinem Bruder Raffael auffällt: „Es ist das erste Mal, dass wir beide in einem Spiel treffen“, freute der sich, und sprach von einem „fast perfekten Spiel“. Das wurde auf der Rückfahrt nach Berlin ausgiebig beschwatzt. Da saßen die Brüder mit dem Familiennamen de Araújo in der letzten Reihe des dunkelblauen Mannschaftsbusses und kicherten fröhlich vor sich hin.