Zweite Liga

Hertha BSC gewinnt in Bielefeld mit 3:1

Aufstiegsfavorit Hertha BSC hat in der 2. Fußball-Bundesliga seine Führungsposition ausgebaut. Die Berliner gewannen am Sonntag beim abgeschlagenen Tabellenletzten Arminia Bielefeld mit 3:1.

Als es geschafft war, blieb der Mann des Tages ganz ruhig. Gelassen wartete Raffael am Mittelkreis, dass seine Mitspieler zu ihm kämen, um mit ihm abzuklatschen. Ein paar Emotionen mehr wären erlaubt gewesen, schließlich hatte Hertha BSC gerade mit 3:1 (2:0) bei Arminia Bielefeld gewonnen und damit die Tabellenführung in der Zweiten Fußball-Bundesliga gefestigt. Raffael hatte mit zwei Toren und einem starken Spiel einen erheblichen Anteil daran. Doch ihm wie auch den anderen Spielern war wohl klar: Alles andere als ein deutlicher Sieg wäre eine Blamage gewesen.

So stapfte auch Manager Michael Preetz am Sonntag recht emotionslos durch die Katakomben der Bielefelder SchücoArena. „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, aber wir hätten mehr Tore schießen müssen.“ Eine Einschätzung, der sich Trainer Markus Babbel anschloss: „Wir hätten den Sack früher zumachen müssen“, sagte er.

Eine Aussage, die in den vergangenen Wochen häufig einen Adressaten hatte: Rob Friend, jenen glücklosen Stürmer aus Kanada, der jüngst seinen Stammplatz für Youngster Pierre-Michel Lasogga hatte räumen müssen. Die Partie in Bielefeld war seine Chance, um sich wieder in den Blickpunkt zu spielen. Und er nutzte sie. Zwar gelang Friend kein Treffer. Doch mit zwei Vorlagen für die Tore von Ronny zum 1:0 (19.) und zum 3:0 (77.) von Raffael konnte er zufrieden sein: „Ich bin glücklich mit dem Spiel, nur ein Tor hat gefehlt.“ Am dritten Treffer des Tages war Friend zwar nicht beteiligt – Raffael hatte bereits in der 39. Minute zum 2:0 getroffen – doch das änderte nichts daran, dass ihm auch sein Trainer Markus Babbel eine Leistung bescheinigte, die im positiven Sinne „auf sein Konto“ ginge.

Lustenberger ersetzt Niemeyer

Trotzdem sah sich Friend wie schon in den vergangenen Monaten genötigt, sich zu rechtfertigen, warum es wieder nicht geklappt hatte mit einem eigenen Erfolgserlebnis. „Der letzte Pass zu mir kommt nicht an, vielleicht lag das am schlechten Boden. Es war, wie wenn man auf Sand läuft.“ Tatsächlich schlichen sich in das Berliner Spiel einige Ungenauigkeiten. Nikita Rukavytsya etwa kämpfte um jeden Ball, häufig sprangen gute Gelegenheiten dabei heraus. Doch wenn die Flanke oder der letzte Pass gespielt werden sollte, fehlte es an Genauigkeit. Nein, ein schönes Spiel war es nicht, aber ein wichtiges.

Darum zeigte sich Babbel erleichtert, dass seine Mannschaft das umsetzte, was er unter der Woche gefordert hatte: Sie war von der ersten Minute an hellwach. Der Trainer hatte sich wegen des Ausfalls von Peter Niemeyer für eine doppelte Besetzung der Sechsers vor der Abwehr entschieden, neben Rückkehrer Fabian Lustenberger lief hier Raffael auf – ein kluger Schachzug.

Nicht nur, dass der Brasilianer in der Defensive nichts zuließ, auch sein Offensivspiel litt nicht unter dieser Umstellung. „Raffael hat ein überragendes Spiel gemacht und gezeigt, dass er auch von der Sechser-Position aus Tore machen kann“, urteilte Preetz. Raffael hätte durchaus noch öfter treffen können, in der 23. Minute hatte er freistehend übers Tor geschossen. Aber auch so dominierte Hertha die erschreckend schwachen Bielefelder zunächst nach Belieben. Das sah auch Bielefelds Trainer Ewald Lienen so: „Die erste Halbzeit war zum Abgewöhnen.“

Erst in der zweiten Hälfte wachte sein Team ein bisschen auf, nach rund einer Stunde konnte sich Hertha bei Torhüter Maikel Aerts bedanken, dass die Arminia kein zählbares Erfolgserlebnis hatte. „Wir haben die Bielefelder unnötig ins Spiel kommen lassen“, sagte Babbel. Wer ihn kennt, der weiß, dass ihn dieser Umstand in den nächsten Tagen noch beschäftigen wird. Und damit auch sein Team. Auch Kapitän Andre Mijatovic, der seine Rückkehr nach zwei Spielen Rotsperre an seiner alten Wirkungsstätte feierte, meinte: „Das darf uns nicht passieren, wenn wir oben stehen wollen.“

Dass der Arminia in der 85. Minute durch Tadic noch der Ehrentreffer gelang, hatte sich tatsächlich durch einige Unaufmerksamkeiten in der Hintermannschaft angedeutet. Die Minuten danach fasste Preetz so zusammen: „Wenn dann ein weiteres Tor fällt, sind noch fünf Minuten zu spielen, dann ist alles wieder drin.“ Am Ende aber reichte Hertha eine Durchschnittsleistung, um Bielefeld in Schach zu halten. Selbst Mijatovic musste eingestehen: „Ich hatte mir von der Arminia eigentlich mehr erwartet.“ Dann brach es doch noch aus ihm heraus: „Es tut mir Leid für Arminia. Ich hatte zwei schöne Jahre hier.“ Jetzt aber freue er sich auf das Derby gegen den 1. FC Union am kommenden Sonnabend.

Dann, so hoffen sie bei Hertha, wird auch Raffael wieder fit sein. Der Mann des Tages verließ das Stadion am Sonntag humpelnd, nachdem er einen Schlag auf den linken Fuß bekommen hatte. Am Montag soll eine genaue Untersuchung folgen. Allzu schlimm kann Raffaels Verletzung aber nicht sein: Er habe sich die Blessur nach zehn Minuten zugezogen, berichtete er nach dem Spiel. Seine starke Leistung konnte an diesem Tag nicht einmal das verhindern.