Zweite Liga

Hertha will sich auf der Alm nicht einlullen lassen

Es ist vollbracht: Endlich hat Hertha BSC die Spitzenposition der Tabelle einnehmen können. Gegen den Letzten - Bielefeld - könnten die Berliner ihren Vorsprung noch weiter ausbauen. In der Hinrunde wurden solche Chancen oft vergeben.

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Nichts ist trügerischer als die Papierform. Geht es danach, stellt sich bei der Partie von Hertha BSC bei Arminia Bielefeld nur die Frage, wie deutlich der Sieg ausfallen wird: 3:0? 4:0? Oder höher? Exakt diese Einstellung fürchten die Verantwortlichen beim Hauptstadt-Klub. Natürlich ist der Tabellenführer im heutigen Spiel auf der Alm (13.30 Uhr, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online) klarer Favorit beim Ligaletzten. Denn die Arminia hat bereits elf Punkte Rückstand auf das rettende Ufer.

Genau darauf verweist Hertha-Manager Michael Preetz. „Diese scheinbar klare Geschichte wird ein extrem schwieriges Spiel. Bielefeld helfen nur Siege, wenn sie die Klasse halten wollen.“ Die Berliner sind auf kampfbetonte, aggressive Gastgeber eingestellt. „Die große Hertha kommt, der Erste: Wenn Bielefeld es schafft, gegen uns zu gewinnen, ist das ein Weckruf für die ganze Region“, beschreibt Trainer Markus Babbel die Ausgangslage.

Bei den Arminen zeigt sich mittlerweile die Handschrift von Ewald Lienen. Der Trainer hat Anfang November den glücklosen Christian Ziege beerbt. In der Rückrunde spielte Bielefeld 1:1 gegen den FSV Frankfurt und verlor bei Aufstiegsaspirant Energie Cottbus unglücklich mit 1:2. „Das war jedes Mal eine gute Leistung“, urteilte Babbel nach dem DVD-Studium.

Trainer-Fuchs Lienen (57), der die schwächste Heimmannschaft der Liga anleitet, lobt die Gäste vorab über den grünen Klee: „Hertha ist Spitzenreiter der Zweiten Liga mit einem Bundesligakader.“ Die Berliner wollen sich aber nicht einlullen lassen. Und einer weiß genau, was Hertha auf der Alm erwartet. Andre Mijatovic ist im vergangenen Sommer von Bielefeld nach Berlin gewechselt. Rechtzeitig zur Partie gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber hat der Kapitän seine Rot-Sperre von der Partie in Augsburg (1:1) abgesessen. Zur Arminia sagt Mijatovic: „Wenn wir in der Bundesliga gegen Bayern oder Schalke gespielt haben, waren wir immer ein ähnlicher krasser Außenseiter wie Bielefeld jetzt gegen uns. Wir hatten damals nichts zu verlieren, und sie jetzt auch nicht. Sie werden uns einen großen Fight liefern. Falls sie am Ende 0:2 verlieren, wird ihnen keiner einen Vorwurf machen – aber bis es so weit ist, liegt viel Arbeit vor uns.“ Für Mijatovic wird Sebastian Neumann den Platz in der Innenverteidigung räumen.

Rob Friend als tragende Figur im Sturm

Im Sturm richten sich alle Augen auf Rob Friend. Der Kanadier hat zuletzt den Torjäger außer Dienst gegeben. Die Verletzung von Youngster Pierre-Michel Lasogga, der auch für das Derby gegen Union (5. Februar) ausfallen wird, ebnet Friend den Weg zurück in die Startelf. Der 30-Jährige weiß, dass nun Tore von ihm erwartet werden. Darüber will er nicht spekulieren. Friend geht davon aus, dass Hertha ein schweres Spiel erwartet: „Für Bielefeld ist es fast schon die letzte Chance, um überhaupt noch eine Chance auf Rettung zu haben.“ Der Trainer stellt sich, wie er das immer gemacht hat, hinter Friend: „Rob hat in all den Wochen gut trainiert, war hoch engagiert. Er ist ein erfahrener Spieler, den man unterstützen will, weil er als Typ und als Spieler wichtig für die Mannschaft ist.“

Nach dem Abschlusstraining nominierte Babbel das 18er-Aufgebot für die Auswärtspartie. Neu ins Kader gerutscht ist Fabian Lustenberger. Der Schweizer wird im defensiven Mittelfeld auf der Doppel-Sechs erwartet neben Fanol Perdedaj.

Nicht mit angetreten hat Peter Niemeyer die Reise nach Bielefeld. Der ausgeliehene Bremer hat zwar seinen Muskelfaserriss auskuriert. Doch der Trainer und Niemeyer besprachen, mit Blick auf das prestigeträchtige Duell in einer Woche gegen den 1. FC Union kein Risiko einzugehen: Niemeyer blieb in Berlin.

Die Konkurrenz an diesem 20. Spieltag tut einiges, um Hertha zu helfen. Der FSV Frankfurt blamierte sich in Düsseldorf (0:6), Aue unterlag Osnabrück (0:1). Duisburg spielte bei 1860 München nur remis (1:1), ebenso wie Fürth in Aachen (2:2). Eine Runde, wie gemalt, um das zu beginnen, was Hertha schon in der gesamten Saison versucht: sich abzusetzen von der Konkurrenz. Auch an der Unterstützung wird es nicht fehlen. Die Bahn setzt einen Sonderzug von Berlin nach Bielefeld ein. Insgesamt werden 1600 Hertha-Fans die Mannschaft begleiten.

Die Erfahrung indessen hat gezeigt: Nach fulminantem Start (acht Siege, zwei Remis) ist Hertha gerade gegen die vermeintlich kleinen Klubs schwer ins Schlingern geraten. Im zweiten Teil der Rückrunde genehmigte sich der Ligakrösus eine Bilanz von zwei Siegen, einem Remis und vier Niederlagen.

Deshalb lautet das Schlüsselwort für Manager Preetz: „Konstanz. Wir müssen in der Rückrunde regelmäßig punkten. Unser Ziel ist es, den ersten Platz zu verteidigen.“

Die jüngsten Auftritte machen Mut. Aus den letzten vier Partien holte Hertha zehn Punkte. Gelingt es, diesen Schnitt zu halten, wird das klappen mit dem Unternehmen Wiederaufstieg.