Hertha BSC

Friend steht gegen Bielefeld wieder auf dem Platz

Rob Friend hat eine lange Durststrecke hinter sich: Nach vier Monaten ohne Tor will der Kanadier am Sonntag beim Ligaletzten Bielefeld endlich wieder treffen. Trainer Babbel sorgt sich hingegen, ob der Kanadier übermotiviert ist.

Foto: ZB / ZB/DPA

Die Entscheidung kam sofort: „Elfmeter“, sagte Hertha-Trainer Markus Babbel. Der Gefoulte legte sich den Ball zurecht und versenkte ihn im Tor. Rob Friend zeigte seinem Vorgesetzten, dass er bereit ist. Ob im internen Trainingsspiel auf dem Platz oder später außerhalb – der Kanadier will die Chance ergreifen, die sich bietet. „An sich will ich nie spielen, nur weil ein Kollege verletzt ist. Aber manchmal geht es im Fußball schnell.“

So schnell wie für Pierre-Michel Lasogga. Nach dem kometenhaften Aufstieg des 19-Jährigen (sechs Tore, zwei Vorlagen in den vergangenen sieben Partien) folgt nun die Zwangspause. Eine Untersuchung von Lasogga bei Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher ergab diesen Befund: Die Schwellung im linken Knie des Torjägers ist am Abklingen. „Die Verletzung hat sich gebessert, allerdings müssen wir Pierre schonen“, erklärte Schleicher. 14 Tage muss Lasogga aussetzen, dann soll die Zerrung des vorderen Kreuzbandes auskuriert sein. Das heißt, dass der Stürmer am Sonntag bei Arminia Bielefeld und eine Woche später gegen den 1. FC Union (5. Februar) fehlen wird. „Ich hoffe, dass Pierre8 uns gegen den KSC zur Verfügung steht“, sagte Trainer Babbel.

Somit ergibt sich die Frage, wie der Tabellenführer der Zweiten Liga die Vakanz im Sturm füllt. Es gibt diverse Kandidaten. Da ist Adrian Ramos, der kompletteste Angreifer beim Zweitliga-Tabellenführers. Der ist schnell, technisch gut und hat mit sechs Toren und sechs Vorlagen eine noch bessere Saisonbilanz als Lasogga.

Babbel hat mehrere Optionen

Auch Valeri Domovchiyski (fünf Saisontreffer) ist eine Option. Youngster Marco Djuricin (17) hofft ebenfalls auf mehr Einsätze. Der Trainer indessen wird keine dieser Möglichkeiten wählen. Er hat sich auf Friend festgelegt. Den Stoßstürmer, den er im vergangenen Sommer aus Gladbach geholt hat (1,9 Millionen Euro Ablöse). Zweifel, dass der 1,95 Meter große und kopfballstarke Stürmer nicht recht zum offensiven Flachpass-Spiel passt, dass bei Hertha vor allem Spielmacher Raffael und Ramos pflegen, lässt Babbel nicht zu: „Rob hat die harte Entscheidung gegen ihn ertragen und in den letzten Wochen gezeigt, dass er unbedingt will.“

Der Coach hatte sich zum Rückrunden-Start gegen den 25fachen kanadischen Nationalspieler entschieden. Den Vorzug hatte Talent Lasogga erhalten, der das Vertrauen sowohl in Freundschafts- als auch Pflichtspielen mit einer Serie von Toren gerechtfertigt hatte. Nach dessen Verletzung bleibt Babbel nun keine andere Wahl, als Friend zu bringen. Vom Rampenlicht auf die Bank – und nun wieder zurück. Friend räumt ein: „Die letzten Wochen waren hart.“ Die grundsätzliche Herausforderung bleibt: Stürmer8 werden an Toren gemessen. Und so hart Friend arbeitet – sein letztes Erfolgserlebnis datiert vom 24. September, dem 1:0 Siegtreffer in Cottbus. Damals hatte die „Bild“ getitelt: „Alle verneigen8 sich vor Friend.“

Kaka an Braga ausgeliehen

Das ist lange her. Mittlerweile bauen alle Kollegen den Kanadier auf. Jede gelungene Aktion von Friend wird lautstark kommentiert. In der Vorwoche staunte Trainingsgast Stanislav Levy (52/ehemaliger Profi bei Blau-Weiß und TeBe): „Dem Langen wollen anscheinend alle helfen.“

Der Druck, unter den Friend sich setzt, hat auch der Trainer als Problem ausgemacht. Und Babbel will unbedingt vermeiden, dass die nächste Partie für Friend auf die Lesart hinausläuft: Wenn der teuerste Einkauf nicht mal gegen den Letzten ein Tor erzielt, gegen wen will er dann überhaupt treffen? Unterton: Friend ist zu schlecht für Hertha. Dann ginge die Diskussion erst richtig los: Haben Manager Preetz und Babbel den verkehrten Stürmertyp gekauft? Deshalb sagt der Trainer: „Ich werde mit Rob sprechen. Wir müssen es hinkriegen, dass er gegen Bielefeld nicht übermotiviert ist. Er muss nicht denken, dass er Sonntag alles zeigen muss.“

Friend schaut sich das Geschehen vor allem sportlich an. Jeder weiß, dass er kein Kombinationskünstler ist, seine Stärke liegt im gegnerischen Strafraum. Deshalb lobt Friend: „Zuletzt wurden viel mehr Flanken geschlagen. Ich hoffe natürlich, dass das so bleibt!” Dabei darf die Ansetzung durchaus als gutes Omen gelten. In der Hinrunde beim 3:1 gegen Bielefeld war Friend der beste Mann: zwei Tore, ein Assist. Das Fachmagazin „Kicker“ belohnte ihn mit der Note 1,5.