Sieg gegen Düsseldorf

Hertha belohnt sich mit der Tabellenführung

Hertha BSC ist nach 69 Tagen wieder Erster der Zweiten Bundesliga. Die Berliner schossen ein Feuerwerk an Chancen ab, gerieten zwischenzeitlich aber auch in Bedrängnis. Doch mit hohem Aufwand gelang ein deutliches 4:2.

Gerade hatte sich alles entschieden, und jetzt waren zwei Männer rund 150 Meter voneinander entfernt. Gefühlt trennten sie Welten. Vor der Ostkurve jubelte Pierre-Michel Lasogga, euphorisiert drehte er dort in der 76. Minute des Heimspiels gegen Fortuna Düsseldorf den versammelten Fans von Hertha BSC den Rücken zu und deutete mit den Daumen beider Hände auf seinen Namen, der hinten auf seinem Trikot zu lesen steht. Genüsslich zelebrierte er den unter Fußballern weit verbreiteten Jubel, gerade hatte er im Stile eines Torjägers per Flachschuss humorlos zum 3:2 für die Blau-Weißen abgeschlossen.

Da blendete, Zufall oder nicht, die Stadionregie auf den Videoleinwänden für einen Moment Rob Friend ein, den zu Saisonbeginn als Königstransfer apostrophierten Stürmer, der sich mit dem roten Leibchen der Reservisten hinter dem gegenüber liegenden Tor warm machte. Friend zeigte keine Regung; sich mit dem Kollegen zu freuen, fiel ihm schwer. 30 Jahre alt ist der Kanadier am Sonntag geworden, aber an dessen Ehrentag kam Hertha auch ohne Friend, aber dank Lasogga und einer rundum guten Offensivleistung zu einem auch in dieser Höhe angemessenen 4:2 (1:1).

Die für den zwölften Sieg dieser Spielzeit verdienten Punkte 37, 38 und 39 befördern Hertha nach 69-tägiger Abwesenheit zugleich zurück auf Tabellenplatz eins, der auch nach 34 Spieltagen stehen soll, weil er in diesem Fall zur angestrebten direkten Rückkehr in die Bundesliga berechtigt. Zukunftsmusik. Den gegenwärtigen Stand nahm Manager Michael Preetz vor allem deshalb zufrieden zur Kenntnis, weil der eigene Sieg „nach den Ergebnissen der Konkurrenz ein Ausrufezeichen“ war.

Überraschend geht Düsseldorf in Führung

Ein wahres Feuerwerk an Chancen ging rund um den Strafraum der in neongelben Trikots spielenden Düsseldorfer nieder. Freistoß Ronny, Fußspitze Ramos – vorbei (2. Minute); Kopfball Lasogga nach Torwartfehler – gerettet auf der Linie (10.); Schuss Lasogga – Torwart Melka pariert (25.); Kopfball Hubnik auf die Latte (26.). Und so weiter, und so fort. Entsprechend verneigte sich Preetz‘ Düsseldorfer Kollege Wolf Werner vor der Leistung des Gegners: „Hertha“, sagte er, „war die Mannschaft, die unsere Abwehr in dieser Saison mit Abstand am meisten beschäftigt hat.“ Und zwar 90 Minuten lang plus Nachspielzeit, in der Adrian Ramos den Schlusspunkt unter ein richtig gut anzusehendes Fußballspiel setzte. Eines, das seine Würze vor 36.162 Zuschauern auch durch individuelle Fehler hier wie da bezog.

Etwa vor dem 0:1, der zu diesem Zeitpunkt doch leidlich überraschenden Düsseldorfer Führung nach 21 Minuten, nachdem Roman Hubnik den Ball ungenügend abgewehrt hatte. Vom grätschenden Raffael und dann auch Levan Kobiashvili noch abgefälscht, nahm Andreas Lambertz das Geschenk dankend an. Der Gäste-Kapitän – nach 84 Minuten per Gelb-Roter Karte des Platzes verwiesen – war es auch, der nach 68 Minuten zum zwischenzeitlichen 2:2 traf; diesmal, indem er aus kurzer Distanz eine schöne Kombination über Herthas rechte Verteidigungsseite abschloss.

Mit diesem Ausgleich war das Spiel an einer Kreuzung angekommen. „Danach“, nach diesem Ausgleich, klagte Fortuna-Trainer Norbert Meier, „waren wir drauf und dran, das Spiel zu drehen. Aber haben defensiv zu viel zugelassen, um tatsächlich den großen Coup landen zu können.“

Entscheidung hätte früher fallen können

„Danach“, gestand Hertha-Mittelfeldspieler Fanol Perdedaj „mussten wir uns zusammenreißen.“ „Danach“, frohlockte zuletzt Hertha-Trainer Markus Babbel, „brauchten wir das Quäntchen Glück, nicht das 2:3 zu kassieren, aber haben uns wieder gesammelt und Chancen erarbeitet. Und es freut mich, dass die Mannschaft sich schlussendlich für ihren hohen Aufwand belohnt hat.“

Dass sie es tat, war Lasoggas 3:2 zu verdanken. Und Nikita Rukavytsya, jenem Australo-Ukrainer, der Lasogga den Ball zu dessen sechstem Saisontreffer klug vorgelegt hatte. Wie Rukavytsya im Schatten von Lasogga und Ramos insgesamt eine exponiertere Würdigung seiner Leistung verdient hatte. Ein Tor, das 2:1 (51.), erzielte er selbst. Und vor Lasoggas Einschuss hatte er nach 29 Minuten auch schon jenes 1:1 von Adrian Ramos vorbereitet, mit dem Hertha nach dem Rückstand zurück ins Spiel fand.

Der eine einzige Vorwurf, der den Hertha-Profis zu machen war: Sie gingen rund um ihre Tore geradezu fahrlässig mit den weiteren sich ihnen eröffnenden Gelegenheiten um. Teilweise nutzten sie den Raum und die – gemessen an den gegenwärtigen Witterungsbedingungen – herausragende Qualität der Spielfläche und kombinierten mit dem technischen Vermögen eines Erstligisten, wie Lasogga, Ronny, Ramos und letztlich Raffael nach 35 Minuten, als des Brasilianers Fernschuss nur um Zentimeter am rechten Pfosten vorbeiflog. So sagte nach 90 plus drei aufregenden Minuten denn auch ein lachender Markus Babbel: „Der einzige Vorwurf, den ich meinen Jungs heute machen kann, ist der, dass sie nicht in der Lage waren, das Spiel frühzeitig zu killen – damit ich ruhiger draußen sitzen konnte.“

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