Kaderplanung

Herthas drei Problemzonen zum Rückrundenstart

Neben Ausfällen stellt auch die Rückkehr der Verletzten Hertha-Trainer Markus Babbel zum Rückrundenstart gegen Oberhausen vor neue Probleme. Morgenpost Online fasst die schwierigen Fälle zusammen.

Es war, fand Markus Babbel, an der Zeit, einen ausdrücklichen Dank auszusprechen. Und so flocht der Trainer von Hertha BSC zur Mittagszeit der medizinischen Abteilung des Zweitligisten ein kleines verbales Kränzchen. „Viel und intensiv, vor allem aber erfolgreich“, habe diese an den Verletzten und Angeschlagenen gearbeitet. Und so konnten Christian Lell, Ronny und Peter Niemeyer am Freitag wieder mit der Mannschaft trainieren. Gleichwohl ist Babbel allein deshalb nicht frei von Sorgen – wenn er selbst das auch anders bewerten mag.

Problemzone Abwehr: Es werde schon klappen mit ihm und Kaka, sagt der 19 Jahre alte Sebastian Neumann. Am Montagabend beim Rückrundenstart in Oberhausen (20.15 Uhr, Sport1 live) werden der Jungprofi und der Dauerreservist die Innenverteidigung bilden müssen, weil die Stammbesetzung Roman Hubnik/Andre Mijatovic gesperrt ist. Für Kaka, der bei der Mehrzahl seiner bisherigen Einsätze für Hertha durchschnittlich wenigstens einen gravierenden Schnitzer fabrizierte, gelte das Motto, das sie ihm zu seiner Zeit in England eingebläut hätten, sagt der frühere Abwehrspieler und Liverpool-Profi Babbel: „No risk in the back“, also hinten bloß kein Risiko eingehen. „Innenverteidiger werden an Gegentoren gemessen. Wenn er sich nicht sicher ist, soll er den Ball einfach weghauen. Notfalls drischt er ihn auf die Tribüne.“

•Problemzone Mittelfeld : Als Ronny vom Feld geht, ist weder seine Handbewegung noch sein Minenspiel typisch für einen Brasilianer. Wo Südamerikaner gewöhnlich selbst dann noch pure Zuversicht signalisieren, wenn die Lage doch erkennbar schwierig ist, deutet der Bruder von Raffael nun gehörige Zweifel an. Zwar hat Ronny nur zwei Tage nach einer im Test gegen Babelsberg erlittenen Kniestauchung (samt Sehnenzerrung) wieder mit den Kollegen trainiert. Aber die Schmerzen sind noch da. „Zum ersten Mal ist es von Vorteil, dass wir erst Montagabend spielen“, sagt Peter Niemeyer. Zeit seines Fußballerlebens, sagt er, habe er immer auf einen Spieltermin am Wochenende hin gearbeitet; nun bringe Liga zwei auch hier eine nicht unerhebliche Veränderung. Diesmal aber kommt der ungewohnte Termin auch Niemeyer gelegen. Am Mittwoch zu Tage getretene Oberschenkelprobleme strahlten nun auch auf den Rücken aus: „Aber es sind ja noch ein paar Tage bis zum Spiel.“

Dass sowohl Lell (Fersenprobleme) als auch Ronny und Niemeyer frühestmöglich wieder mit der Mannschaft trainierten, sieht Babbel nicht als Zufall an: „Das zeigt, dass jeder dabeibleiben will, weil er sonst keine Chance hat, seine Position zu halten, oder, im Falle von Reservisten, sie zu ergattern.“ Dass sich „niemand rausnimmt“, sagt Babbel, sei der positivste aller Fortschritte während der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte.

•Problemzone Angriff: Es lässt sich an diesem trüben Freitagmittag nicht so ganz feststellen, wer denn den undankbareren Job hat – Pierre-Michel Lasogga oder die vier gelben Plastikmännchen, die eine Abwehrmauer simulieren sollen und sich ein ums andere Mal den Schussversuchen des bulligen Angreifers in den Weg stellen. Mehr als einmal leisten sie Widerstand, aber Lasogga gibt nicht auf. Eine verbesserte Technik beim Abschluss ist sein Ziel. Als letzter Spieler geht er erst eine Viertelstunde nach allen anderen vom Platz, Kollege Rob Friend steht da wohl schon längst unter der Dusche. „Aber auch er ist mit viel Engagement bei der Sache“, sagt Babbel, dem sich folgende Problematik eröffnet: Belässt er den hierarchisch höher angesiedelten, aber durchweg glücklosen Friend in der Startelf und mahnt somit Lasogga zu Geduld? Oder lässt er den heißen Stürmer ran – Lasogga erzielte in jedem der drei Testspiele je ein Tor –, mit der Gefahr, das ohnehin angeknackste Selbstvertrauen von Friend weiter zu schädigen?

„Wir werden“, sagt Babbel zu alledem, „einen Kader nominieren, der in der Lage ist, Oberhausen zu schlagen.“ Na denn.

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