Zweite Liga

Rob Friend grätscht Hertha zum Sieg

Hertha BSC baut durch das 1:0 bei Energie Cottbus die Tabellenführung in der Zweiten Liga aus. Mit dem fünften Sieg und nun 16 Punkten führt der Hauptstadt-Klub die Tabelle an.

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Claus-Dieter Wollitz saß auf dem Podium und grummelte. „Wir hatten genügend Chancen, um auszugleichen. Aber gegen Hertha zu verlieren ist keine Schande.“ Das ist eine Form der Anerkennung, die man sich erarbeiten muss. Nach sechs Runden in der Zweiten Liga ist es soweit: Mit dem fünften Sieg und nun 16 Punkten führt der Hauptstadt-Klub die Tabelle an. Im zweiten Derby binnen einer Woche ließ sich der Favorit diesmal nicht überraschen, bei Energie Cottbus setzte sich Hertha BSC dank eines Tores von Rob Friend mit 1:0 (0:0) durch.

Anders als beim schmeichelhaften 1:1 beim 1. FC Union zeigten sich die Gäste im ausverkauften Stadion der Freundschaft von Beginn auf Höhe der Aufgabe. Vor 21.350 Zuschauern hatte Rob Friend per Kopf die erste Chance, Energie-Torwart Thorsten Kirschbaum lenkte den Ball zur Ecke (12.). Dann fasste sich der erstmals in der Startformation aufgebotene Nico Schulz ein Herz, der 17-Jährige dribbelte durch den Cottbusser Strafraum und zog ab, erneut bewahrte Kirschbaum die Hausherren vor einem Rückstand. Auch wenn die Kulisse Berlin-Brandenburgische-Derbystimmung verbreitete, ließen die Gäste den FC Energie zunächst nicht zur Entfaltung kommen. Nicht nur Raffael und Adrian Ramos präsentierten sich ballsicher, auf der rechten Seite funktionierte das Duo mit Christian Lell und Schulz besser als in den Vorwochen die Kombination Lell/Rukavytsya, der in Berlin bleiben musste.

Cottbus kam erst unmittelbar zu zwei, allerdings hochkarätigen Möglichkeiten. Emil Jula war von Herthas Innenverteidigung nicht zu stoppen. Glück für die Gäste, dass der Schuss knapp am rechten Pfosten vorbeiging (41). Torwart Maikel Aerts, der zuvor wenig zu tun hatte, fischte wenig später bei einem 16-m-Schuss von Jula den Ball aus dem Eck rechts unten, eine spektakuläre Parade (45.). „Ich mache meinen Job, dafür bin ich da“, lehnte er später Lob ab.

Nach der Pause nutzten die Gäste eiskalt ihre erste Chance. Lell flankte auf den zweiten Pfosten, Ramos schob den Ball Richtung Tor, Friend spitzelte das Spielgerät über die Linie, 1:0 (60.). Nun nahm das Derby Fahrt auf, es wurde hektisch. Energie-Profi Brzenska trat Schulz an der Seitenlinie böse um und war mit der Gelben Karte gut bedient (61.), auch Soma (68.) und Herthas Domovchiyski (64.) wurden verwarnt.

Trotz der hektischen Atmosphäre vertraute Trainer Markus Babbel auf weitere Youngster. Pierre-Michel Lasogga (18) gab sein Profi-Debüt (74.) und vergab kurz darauf freistehend das mögliche 2:0 (84.). Auch Marco Djuricin (17) sammelte noch zehn Minuten Spielpraxis. Die wichtigste Aktion indessen kam auf Adrian Ramos zu. In der Schlussphase warf Energie alles nach vorn. Ein weiter Ball nach dem nächsten segelte auf das Hertha-Tor zu, die Berliner stemmten sich vehement gegen die Angriffe. Doch in der dritten Minute der Nachspielzeit genehmigten sich die Gäste das, was Manager Michael Preetz als „die einzige Auszeit in der Defensive“ beschrieb. Im Anschluss nach einem Cottbusser Freistoß stand Sergiu Radu völlig frei, konnte den Ball annehmen und am herausstürzenden Torwart Aerts vorbeischießen. Doch Ramos hatte das Unheil kommen sehen und schlug den Ball, der mitten ins Tor gegangen wäre, mit einer gewaltigen Grätsche zur Ecke. „Es ist so laut gewesen, dass die Jungs meine Anweisungen nicht gehört haben“, beschrieb Aerts die Schrecksekunde samt der Rettungstag des Kolumbianers. „Ich bin rausgelaufen, um Druck auf den Spieler zu machen, damit er schnell schießen muss und habe aus dem Augenwinkel gesehen, dass hinter mir Adrian den Raum zugemacht.“

Damit war die letzte Chance für Cottbus dahin, die Herthaner feierten den zweiten Auswärtssieg mit den mitgereisten 3000 Anhängern. Hektisch wurde es noch einmal, als die Berliner Profis auf den Spielertunnel inmitten der Energie-Fans zugingen. Ein Hagel an Feuerzeugen, Bierbechern und Sprechchören ging auf die Gäste nieder. Lell wurde wütend und schrie die Fans an, doch ein Ordner schob den Herthaner in den Gang. Dort präsentierten sich die Hauptstadt-Kicker nach dem Erfolg im Topspiel des Ersten beim Zweiten sehr selbstbewusst. Während von Energie-Torjäger Nils Petersen wenig zu sehen war, sagte Rob Friend nach seinem Saisontreffer stolz: „Ich habe nicht viele Chancen bekommen, aber man muss immer wachsam bleiben. Der Sieg ist verdient.“ Mittelfeld-Abräumer Peter Niemeyer meinte: „Der Sieg ist absolut verdient. Wenn wir kapieren, dass zu Fußball auch Arbeit und Kampf gehört, sind wir das Maß aller Dinge, auch hier in Cottbus.“ Nach der englischen Woche, die Hertha mit sieben Punkten abgeschlossen hat, kann die Mannschaft nun regenerieren, die nächste Partie wird am 4. Oktober daheim gegen Aachen gespielt.

>>> Wann und warum der damalige Hertha-Manager Dieter Hoeneß beim Angstgegner tanzte, lesen Sie bei www.immerhertha.de, dem Hertha BSC Blog von Morgenpost Online