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Lucien Favre attackiert Hertha-Spitze

Erstmals hat sich Lucien Favre zu seinem Rauswurf bei Hertha BSC geäußert. Der Ex-Trainer teilte dabei kräftig aus - auch in Richtung Mannschaft, Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Hertha-Manager Michael Preetz. Und sagte, dass er den Verein sehr wohl vom letzten Bundesliga-Platz wieder an die Spitze hätte bringen können.

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Erstmals hat sich Lucien Favre zu seinem Rauswurf bei Hertha BSC geäußert. Dass der Bundesligist in der Krise steckt, daran trage er eine Mitschuld, sagte der Ex-Trainer. Aber er kritisierte auch die Funktionäre wie Präsident Werner Gegenbauer.

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Ins Berliner Luxushotel Adlon am Pariser Platz hatte Lucien Favre (51) geladen, um so etwas wie eine Abschiedsrede zu halten – zum ersten Mal äußerte sich Herthas Ex-Trainer zu seinem Rauswurf. Dass Hertha BSC in der Krise steckt, daran trage er eine Mitschuld, sagte Favre. „Ich bin in der ganzen Zeit zu viele Kompromisse eingegangen. Kompromisse sind immer Fehler. Es war eine Frage der Zeit, bis ich gegen die Mauer fahre.“

Favre sagte weiter, er hätte sich durchaus zugetraut, die Mannschaft von Platz 18 der Bundesliga wieder nach oben zu bringen, so wie ihm das auch in der Schweiz beim FC Zürich gelungen war. Nur hätte man, so Favre indirekt, wohl in der Mannschaft einiges tun müssen: Die Investitionspläne von Hertha-Präsident Werner Gegenbauer seien richtig, sagte Favre – und ergänzte giftig: „Es ist bemerkenswert, dass er jetzt davon spricht, dass Hertha im Winter investieren muss. Man muss aber nicht eine halbe Million investieren, sondern zehn Millionen.“

Bislang hatte die Klub-Führung um Präsident Werner Gegenbauer einen strikten Sparkus vorgegeben. „Wir hatten wichtige Abgänge und haben zu wenige neue Spieler geholt“, meinte Favre. Erstmals ließ er durchblicken, dass er sich bei der Transferpolitik zu sehr hat reinreden lassen.

Zur Trennung Herthas von Ex-Manager Dieter Hoeneß sagte Favre. „Ich habe keine Clubpolitik gemacht. Dieter Hoeneß hat mich verpflichtet, und dafür bin ich ihm sehr dankbar.“ Hertha BSC habe "die Trennung von Hoeneß nicht verkraftet". Nachfolger von Hoeneß ist Michael Preetz. Dass Hoeneß ging und laut Favre eine Lücke hinterließ, habe seine "Arbeit erschwert“. Im Juni musste Hoeneß nach Machtkämpfen mit Favre seinen Hut nehmen.

Auch Kapitän Arne Friedrich wusch Favre von jeder Schuld an seinem Rauswurf rein. Der Nationalspieler war in den Verdacht geraten, in den letzten Spielen gegen Favre gespielt zu haben und so zum "Königsmörder" geworden zu sein. "Niemand hat gegen den Trainer gespielt, auch Arne Friedrich nicht", sagte der Schweizer.

Favre betonte, dass es seine Philosophie sei, Spieler mit Perspektive zu verpflichten, die man weiter verkaufen könne. Damit deutete er an, dass er womöglich gegen die Verpflichtung des bereits 32 Jahre alten Artur Wichniarek war. Der Neuzugang hat noch kein Pflichtspieltor erzielt. "Hertha wird aber trotzdem nicht absteigen, wenn alle Verletzten wieder gesund werden", sagte der frühere Meistermacher des FC Zürich.

Auftritt im Adlon geriet äußerst merkwürdig und steif

Über seine Zukunft hat Favre noch nicht entschieden. Er sagt nur: „Ich will in einer der großen Ligen bleiben und bei einem Club arbeiten, der Ambitionen hat und Titel gewinnen will.“

Der Auftritt im Adlon geriet äußerst merkwürdig und steif. Alle Fragesteller mussten aufstehen. Nachfragen blockte der eigenwillige Coach ab. Aussagen wie die über seine angebliche Abfindung von 1,3 Millionen Euro wollte er nicht kommentieren.

Es bleibt nicht bei der Pressekonferenz in Berlin: Um 16.30 Uhr berichtet Favre Schweizer Journalisten in Baar/Zug von seiner Zeit in der Bundesliga. Hertha BSC hatte sich Ende September nach sechs Niederlagen zum Saisonauftakt von dem Schweizer getrennt. Favre hatte mit Hertha aus 75 Bundesliga-Partien 110 Punkte (Schnitt: 1,47) geholt. Ende der vergangenen Saison stand Hertha sogar zwischenzeitlich ganz oben in der Bundesligatabelle.

Doch in der laufenden Saison konnte die Mannschaft da nicht anknüpfen. Neun Gegentore in den letzten beiden Ligaspielen gegen Freiburg (0:4) und in Hoffenheim (1:5) hätten in letzter Konsequenz nichtsdestotrotz keine andere Wahl gelassen, als zur Beurlaubung zu greifen, sagte Manager Michael Preetz auf der Pressekonferenz zur Trennung vor einige Tagen: "Es ist mir schwer gefallen, aber ich musste eine Entscheidung für Hertha BSC treffen. Das Präsidium trägt diesen Schritt mit."