Fußball-Bundesliga

Friedhelm Funkel soll Hertha vor Abstieg retten

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Uwe Bremer

Foto: dpa

Hertha BSC schlägt einen radikalen Kurswechsel ein. Der neue Trainer Friedhelm Funkel hat in erster Linie eine Aufgabe: Er soll den in die Krise geratenen Fußball-Bundesligisten vor dem Abstieg bewahren. Schon am Sonntag hat er sein Debüt.

„Wir sind der Überzeugung, dass Friedhelm Funkel der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist“, sagte Michael Preetz (42), der Geschäftsführer Sport von Hertha BSC. Der eine oder andere Beobachter fühlte sich beim Pressegespräch des Berliner Bundesligisten wie in einer Zeitmaschine.

Wenn das Tabellenschlusslicht am Sonntag Heimrecht gegen den Hamburger SV genießt, wird erstmals Funkel auf der Hertha-Bank sitzen (17.30 Uhr, Olympiastadion). Nur, den identischen Satz hatte Preetz mehrfach benutzt, zuletzt vor einer Woche. Da jedoch hieß der Trainer Lucien Favre. Aber nach dem beispiellosen Absturz, vom Titelrennen vor vier Monaten auf den aktuell letzten Platz, zog Preetz die Reißleine.

Obwohl bekennender Anhänger der Philosophie von Favre entließ er den Trainer zu Beginn der vergangenen Woche. Dafür erntet Hertha scharfe Kritik von Ottmar Hitzfeld. „Ich habe wenig Verständnis für die Entscheidung, den Trainer so früh in der Saison zu wechseln“, sagte der Schweizer Nationaltrainer im „Blick“. Das Einzige, was man Favre vorwerfen könne: „Er ist das Opfer seines eigenen Erfolges. Favre hat in Berlin Sensationelles geleistet und die Messlatte mit Platz vier hoch gelegt. Zu hoch für Hertha. Das wurde ihm zum Verhängnis.“ Doch in Berlin wird weiter geträumt. Preetz wird sich auch für seine aktuelle Entscheidung, die Bestellung von Funkel, rechtfertigen müssen. Er habe keinen Mumm für eine innovative Lösung, sondern präsentiere einen Trainer, dessen einzige Fähigkeit es sei, Abstiege zu vermeiden. Damit kapituliere Hertha vor der Aufgabe, dort hinzugelangen, wo ein Hauptstadt-Klub hingehöre: ins internationale Geschäft.

Preetz sagt, die Situation erfordere Erfahrung. Die verkörpert Funkel (55) wie kein anderer der verfügbaren Kandidaten auf dem Trainer-Markt. Der Vertrag mit dem 55-Jährigen läuft neun Monate bis Saisonende. Hält Hertha die Klasse, verlängert er sich um ein weiteres Jahr. Am Sonntag gegen den Hamburger SV gibt es gleich ein Jubiläum. Funkel erlebt sein 750. Bundesliga-Spiel (320 als Spieler, 429 als Trainer). Und der Rheinländer präsentierte sich bei der Vorstellung so, wie man es von einem neuen Hoffnungsträger erwartet.

Funkel lobte: „Berlin ist eine tolle Stadt. Hertha ist einer der besten Vereine in Deutschland. Ich hatte Gänsehaut, als Michael Preetz mich das erste Mal angerufen hat. Ich bin stolz, hier zu arbeiten.“

Er lobte den Kader („Hertha ist nach wie vor ein Topverein“), ohne die Augen vor der desolaten Lage zu verschließen. „Es geht um Selbstvertrauen. Ich werde viel reden. Die Mannschaft muss stabilisiert werden.“ Funkel warb um die Unterstützung des Anhangs und gleichzeitig um Geduld. „Wir brauchen die Fans, wir kommen nur gemeinsam aus dieser Situation raus. Aber wir werden uns Stück für Stück da rausarbeiten, auch wenn es etwas Zeit braucht.“

Nun ist dieser Wechsel mehr als ein Trainer-Personalie, sie ist ein Kurswechsel. Hertha hatte über zwei Jahre auf Favre und dessen Projekt gesetzt: „Wir bauen eine Mannschaft, die 2010 um den Titel mitspielen soll.“

Funkel hat auf seinen vorangegangenen Stationen bei Bayer Uerdingen, MSV Duisburg, Hansa Rostock, dem 1. FC Köln oder Eintracht Frankfurt nie auch nur im oberen Drittel gespielt. Funkel ist kein Visionär vom One-touch-Fußball, wie Favre ihn liebt. Er ist ein Pragmatiker. „Es geht darum, die Mannschaft aus einer schwierigen Situation zu befreien“, sagt Preetz. Im Übrigen verwies er darauf, dass Funkel stets längerfristig für seine Klubs gearbeitet habe, zuletzt fünf Jahre in Frankfurt. „Er kann sowohl kurzfristig helfen wie auch perspektivisch arbeiten.“

Der neue Kurs, für den Funkel geholt wurde, besagt: Hertha wird auch in den nächsten zwei Saisons nur minimal investieren können. Träume von der Champions League und dem Meistertitel sind erlaubt. Realistisch indessen geht es für Hertha zunächst nur um den Klassenerhalt. Einen Sturz in die Zweite Liga kann sich der Klub nicht leisten. Nicht nur wegen der Schulden von 33,5 Millionen Euro.

Friedrich-Vertrag gilt nur in Bundesliga

Auch der Kader würde sich in alle Winde zerstreuen. Nach Informationen von Morgenpost Online soll etwa der Vertrag von Kapitän Arne Friedrich nicht für die Zweite Liga gelten. Doch Funkel war auf die Frage nach den Erwartungen in Berlin vorbereitet: „Es ist ein langer Weg bis dahin. Aber ich möchte Hertha nächstes Jahr endlich mal ins Pokalfinale führen.“ Davor steht sein Debüt heute gegen HSV. Funkel: „Manchmal reicht ein Spiel, ein Erfolgserlebnis – und es geht wieder aufwärts.“