Hertha vs. Düsseldorf

Für Preetz beginnt jetzt die Zweitliga-Realität

Für Hertha BSC geht es am Montag nach Düsseldorf. Manager Michael Preetz spricht mit Morgenpost Online über das Spiel, Trainer Markus Babbel, Adrian Ramos und die Rivalität mit dem 1. FC Union.

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Morgenpost Online: Für Trainer und Mannschaft ist die Partie in Düsseldorf ein normales Punktspiel. Und für Sie?

Michael Preetz: Für mich ist es ein besonderes Spiel. Es geht zurück in meine Geburtsstadt. Solange ich bei Hertha BSC bin, habe ich noch nie die Klingen gekreuzt mit Fortuna Düsseldorf. Ich freue mich für Fortuna, dass sie eine so tolle letzte Saison gespielt haben. Die Düsseldorfer Fans haben ihre Liebe zum Verein wiederentdeckt. Das ist anders als zu meiner Zeit. Neben dem Wiedersehen mit Weggefährten, die immer noch bei der Fortuna sind, wird es für uns ein schweres Auswärtsspiel. Fortuna war in der Vorsaison die heimstärkste Mannschaft, hat daheim kein Spiel verloren. Das wird für uns eine große Herausforderung.

Morgenpost Online: Worin besteht die Herausforderung in dieser Saison?

Preetz: Die besteht darin, sich mit der Realität zu befassen. Wir werden in Düsseldorf erfahren, was es heißt, sich auswärts in dieser Zweiten Liga zu behaupten. Die Mannschaft hat sich gegen Oberhausen ordentlich präsentiert. Sie hat den Zuschauern ihre Kampfbereitschaft gezeigt. Aber wir wissen, dass wir ein paar Spiele brauchen, bis sich alles aufeinandereingespielt hat.

Morgenpost Online: Es gab 14 Zu- und 13 Abgänge: Wie zufrieden sind Sie mit dem neuen Kader?

Preetz: Wir haben eine gute Mischung. Dieser Kader wird den hohen Ansprüchen, die wir haben, genügen.

Morgenpost Online: Hertha hat fast alle Positionen doppelt besetzt, nur rechts in der Außenverteidigung gibt es nach Christian Lell eine Lücke.

Preetz: Richtig, es gelingt nicht immer, zu 100 Prozent alle Positionen doppelt zu besetzen. Das hat auch wirtschaftliche Gründe. Christian ist der einzig gelernte rechte Verteidiger. Wir haben im Kader aber mit Christoph Janker, Kaka und einem jungen Spieler mehrere Möglichkeiten, diese Position zu besetzen.

Morgenpost Online: 2009 mussten Sie bis nach Paris fliegen, um einen Termin mit dem urlaubenden Lucien Favre zur Kaderplanung zu finden. Wie war das mit Trainer Markus Babbel?

Preetz: Die Zusammenarbeit war außergewöhnlich gut. In diesem Sommer habe ich zehn Tage lang morgens um neun Uhr mein Büro mit Markus Babbel aufgeschlossen und wir sind abends um neun oder zehn Uhr zusammen wieder raus gegangen. Wir konnten uns eng abstimmen. Das war eine tolle Situation, das habe ich noch nie erlebt. Außerdem hat es uns die Sache erleichtert, dass wir bei so gut wie jeder Entscheidung auf einer Wellenlänge lagen.

Morgenpost Online: Das erste Angebot aus Wolfsburg für Friedrich, das erste vom HSV für Kacar, das erste für Ramos aus Hoffenheim – alle waren extrem niedrig. Wie fühlt es sich an, wenn die Konkurrenz den Absteiger als Resterampe der Liga sieht?

Preetz: Für uns ging zum einen darum, die Spieler, die wir halten wollten, auch zu halten. Es steht uns nicht zu zu beurteilen, wie andere Vereine mit so einem Thema umgehen. Manchmal geht so ein Transfer schneller, hier hat es in beiden Fällen länger gedauert. Aber unter dem Strich sind wir den Ergebnissen, die wir auf dem Transfermarkt erzielt haben, sehr zufrieden.

Morgenpost Online: Wie sehr nervt Hertha das Gebaren vom Berater von Adrian Ramos?

Preetz: Grundsätzlich finde ich, dass es nicht hilft, wenn man sich permanent öffentlich einlässt. Das erwarte ich auch von Geschäftspartnern, mit denen wir zusammenarbeiten. Aber ich bin kein Phantast, manchmal ist die Realität anders. Deshalb müssen wir gelassen mit so einem Thema umgehen. Und wir vertrauen unseren Augen. Der Trainer, die Mannschaft, jeder sieht einen hochmotivierten Adrian Ramos. Sein professionelles Handeln auf dem Platz oder in der Kabine passt nicht zusammen mit den Behauptungen seines Beraters.

Morgenpost Online: Es ist die Rede von einem Vorvertrag Hoffenheim/Ramos. Erlaubt wäre der nicht. Was sind die Statuten der DFL wert?

Preetz: Ich weiß nicht, ob dem so ist. Aber ich kann sagen, dass es einen Vertrag zwischen Hertha BSC und Adrian Ramos gibt. Der dauert bis 2013. Bei allem Respekt vor dem Wunsch von Adrian, erste Liga spielen zu wollen: Hertha bestimmt, was passiert. Und Adrian wird alles dafür tun, dass wir wieder aufsteigen.

Morgenpost Online: Was ist, falls bis Dienstag, dem Ende der Transferfrist, noch ein unmoralisches Angebot aus Hoffenhein bei Hertha ankommt?

Preetz: Seit dem letzten Bundesliga-Spieltag Anfang Mai liegen die Karten auf dem Tisch. Es war also mehr als genug Zeit. Aber irgendwann ist das Zeitfenster so klein, dass man nicht mehr vernünftig reagieren kann. Weil wir uns um einen Ersatz anstelle von Adrian hätten bemühen müssen. Deshalb lege ich mich fest: Ramos bleibt zu 100 Prozent.

Morgenpost Online: Sind Sie verärgert über das Geschäftsgebahren aus Hoffenheim?

Preetz: Jeder bemüht sich um seinen eigenen Stil…

Morgenpost Online: Wie sehen Sie Herthas Kader im Vergleich zu den Mitbewerbern?

Preetz: Wir sind sehr dankbar, dass alle Partner und Sponsoren an Bord geblieben sind und uns die Treue halten. Das ermöglicht uns, dass wir in dieser Saison einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen konnten. Natürlich haben wir genau verfolgt, was unsere Konkurrenten machen . ..

Morgenpost Online: . . . wen sehen Sie als Hauptkonkurrenten?

Preetz: Düsseldorf, die wollen aufsteigen. Dann erwarte ich Bochum, Augsburg. Und ich erwarte, dass Energie Cottbus um den Aufstieg spielt.

Morgenpost Online: In Fan-Foren wurden Sie nach dem Abstieg als als schlechtester Manager im Profigeschäft abgekanzelt. Mittlerweile hat sich die Stimmung gedreht: Es gibt Zustimmung für die Kader-Politik. Wie sehr verfolgen Sie solche Debatten im Internet?

Preetz: Ich habe einen nüchternen Blick auf die Dinge. Ich weiß, wie etwa die letzte Saison einzuordnen ist, wie die Rahmenbedingungen waren, unter denen ich angetreten bin. Natürlich bin ich auch ein Mensch, der sich über Zuspruch freut. Als Verein verfolgen wir natürlich regelmäßig, wie die Stimmungen zum Beispiel in solchen Fan-Foren sind.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist diese Saison für Ihre noch junge Manager-Karriere?

Preetz: Im Zentrum aller Überlegungen steht, dass Hertha den Wiederaufstieg schafft und dass dieser phantastische Klub wieder Erstligist ist. Dem ordne ich alles unter.

Morgenpost Online: Da sollte diese Saison ein gutes Ende nehmen...

Preetz: Ich bin gleich zu Beginn meiner Laufbahn durch ein sehr tiefes Tal gegangen. Aber ich bin überzeugt, dass wir zusammen da wieder rauskommen. Und mit Negativszenarien befasse ich mich grundsätzlich nicht.

Morgenpost Online: Seit 15 Monate im Amt: Was haben Sie gelernt?

Preetz: Ich habe rasch lernen müssen, meinen Weg konsequent zu gehen. Kompromisse gehören im Leben manchmal dazu. Aber das mache ich nicht mehr.

Morgenpost Online: Welche Kompromisse meinen Sie?

Preetz: Etwa bei der Nachwuchsabteilung. Es war im vergangenen Somemr nicht möglich, meine Vorstellungen umzusetzen, weil bestimmte Vereinbarungen schon getroffen waren. Wie wir unseren Nachwuchs fördern wollen, dieser Weg war erst in diesem Sommer konsequent zu gehen.

Morgenpost Online: Es gibt Kritik, dass Sie sich vor den Mitgliedern und der Presse für das Konzept „Jugend für Hertha“ feiern lassen, gleichzeitig aber im Nachwuchsbereich kräftig sparen.

Preetz: Dass ein Abstieg Einschnitte in allen Bereich nach sich zieht, sollte nachvollziehbar sein. Es ist bekannt, dass wir in unseren Nachwuchs ordentlich investieren. Es gibt überall Einsparpotenziale, auch in diesem Bereich. Das haben wir realisiert. Ich glaube, dass es trotzdem gelungen ist, unsere Talente zu fördern. Wenn man schaut, welche Jungen bei den Profis dabei sind, geben schon die ersten Wochen dieser Saison, die Antwort darauf, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Morgenpost Online: Die Prügeleien von HSV-Chaoten gegen St. Pauli-Spieler am vergangenen Wochenende: Welche Auswirkungen hat das auf das Derby gegen Union?

Preetz: Wir sprechen uns in einem unaufgeregten, aber normalen Rahmen mit allen Seiten ab. Was ich sagen kann, auch im Namen der Union-Verantwortlichen: Die sportliche Auseinandersetzung wird von einer hohen Rivalität geprägt sein. Aber wir wünschen uns ein Derby für die Fußball-Fans in dieser Stadt. Und ich bin überzeugt, dass wir es hinbekommen, dass das ein Zeichen für Fairplay werden wird.

Morgenpost Online: Sie wirken seit der Verpflichtung von Babbel relativ entspannt. Was macht ihn, dass am Saisonende die Rückkehr in die Bundesliga steht?

Preetz: Garantien gibt es keine. Aber ich bin überzeugt, dass wir mit Markus Babbel den richtigen Trainer haben. Er kommt in Berlin sehr gut an. Er ist einer der wichtigen Gründe dafür, dass es uns gelungen ist, die Stimmung in der Stadt in eine positive Richtung zu drehen. Ich erlebe ihn als einen hochambitionierten, ehrgeizigen jungen Trainer. Für den ist Berlin gleichermaßen Chance und Risiko. Es kommt ja immer darauf an, wie man das betrachten will. Wir sehen beide in dieser Situation eine enorme Chance, gemeinsam all’ die Schwierigkeiten zu überwinden und Hertha zurückzuführen in die Bundesliga.