Torschütze

Hertha-Talent Marco Djuricin verzaubert Berlin

Er ist erst 17 Jahre alt, doch beim Zweitliga-Auftaktsieg von Hertha BSC gegen Rot-Weiß Oberhausen (3:2) am Freitag spielte er Aufsehen erregend: Marco Djuricin. Trainer Babbel vertraut dem Doppel-Torschützen - und weiteren jungen Spielern.

Foto: Bongarts/Getty Images

Dicht gedrängt parkten die Autos auf der Hanns-Braun-Straße bis hinunter zur Rominter Allee. Nanu, wollten um 9.30 Uhr bereits so viele Hertha-Fans Marco Djuricin sehen? Weit gefehlt. Zwar wuselten hunderte Leute durch den Olympiapark. Dutzende Sportverbände bauten ihre Stände für den Tag des Sportes auf, der am Sonnabend rund 40.000 Interessierte anlockte. Doch inmitten der vielen Helfer spulten die Profis von Hertha BSC unbeachtet eine ruhige Vormittagseinheit nach einem aufregenden Freitagabend ab. Natürlich wollten die Medienvertreter Marco Djuricin sprechen, den 17-Jährigen, der beim Zweitliga-Auftaktsieg gegen Rot-Weiß Oberhausen (3:2) am Freitag so Aufsehen erregend aufgespielt hatte.

Der Verein indessen bat um Verständnis: keine Interviews, keine Termine für Djuricin. „Es ist auch unsere Pflicht, den Jungen zu schützen“, erklärte Trainer Markus Babbel und verwies auf dessen Jahrgang: Djuricin wurde im Dezember 1992 geboren.

Schon Papa Djuricin war Profi

So ging das Talent, wie von seinen Vorgesetzten angeordnet, wortlos in Richtung Kabine. Intern hatte er bekannt: „Das ist ganz schön viel, was zu verarbeiten ist.“

In der Tat. An allen drei Toren war Djuricin bei seiner Premiere im Team der Profis beteiligt. Das erste, das Valeri Domovchiyski erzielte, bereitete er mit Adrian Ramos vor. Das 2:1 (49. Minute) und das 3:2 (81.) erzielte er selbst. Danach stand Djuricin allen TV- und Radio-Stationen sowie den Print-Medien Rede und Antwort. Und hatte eine Menge über sein Dasein bei Hertha BSC zu erzählen, als er am späten Abend mit Mutter Katharina und Schwester Alissa (12) Essen ging. Die Beiden waren aus Wien, der Heimat der Familie, angereist.

Fußball liegt bei den Djuricins im Blut. Papa Goran, der serbische Wurzeln hat, war diesmal zwar nicht dabei. Der einstige Profi von Rapid und Austria Wien leitete selbst ein Training. Dafür hatte der Vater in seiner Eigenschaft als Cotrainer der U19-Nationalmannschaft seinen Sohn vor vier Wochen hautnah erlebt. Da sicherte Marco Djuricin dem Nachwuchs von Österreich das Ticket zum U19-WM in Neuseeland. Djuricinjr. hatte sich in der entscheidenden Partie gegen die Niederlande den Ball geschnappt, Elfmeter (87.), Djuricin verwandelte, 1:0.

Am Sonnabend redeten andere über den Jungstar. Nico Schulz, der ebenfalls mit nur 17 Jahren gegen Oberhausen seinen Profi-Einstand gegeben hatte, erzählte über seinen Zimmerkollegen: „Privat ist Marco genauso cool wie auf dem Platz. Ich habe mich riesig für ihn gefreut.“

Das tat auch Rene Tretschok, Herthas A-Jugend-Trainer, obwohl er ihn künftig wohl öfters an die Profis abtreten muss. Tretschok, einst Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund, beschreibt, dass Djuricin etwas hat, was man nicht beschreiben kann. „Marco ist selbstbewusst. Er ist schnell, technisch gut und hat dieses Unerklärliche: Das Gefühl, dort aufzutauchen, wo du als Torjäger sein musst.“ Seit 2008 spielt der Wiener in Berlin. Er sei sehr ehrgeizig, beschreibt Tretschok den Stürmer, und „sehr impulsiv.“ Djuricin konnte sich über eigene Fehler oder die von Kollegen so aufregen, dass er anschließend Mühe hatte, sich wieder zu konzentrieren. „Da hat er Unterstützung gebraucht, aber das hat sich extrem gebessert.“

Ein Vierteljahr lang hat Tretschok bei Manager Michael Preetz darauf gedrängt, den Rohdiamanten langfristig an Hertha BSC zu binden.

Lob von Routinier Dardai

Die Entwicklung dieses Sommers hat Djuricin bestätigt, dass er in Berlin in guten Händen ist. Zwar malen bei vielen Klubs Manager und Trainer die Perspektive für den Nachwuchs in rosaroten Farben. Nur wird das nicht immer wird das eingehalten.

Bei Hertha wird nun unter der Leitung Preetz/Markus Babbel gehandelt. Dass Djuricin mit den Profis in das Trainingslager bei Linz mitkommen durfte, empfand der als eine große Bestätigung. Mit guten Trainingsleistungen und Toren in den Testspielen überzeugte der Österreicher den Trainer. Babbel hatte den Mut, die wichtige Auftaktpartie gegen Oberhausen mit Djuricin und Schulz (beide 17) sowie Fanol Perdedaj (19) zu beenden. Auf der Bank saßen mit Sebastian Neumann (beide 19) und Sascha Bigalke (20) weitere Youngster. Nico Schulz freute sich: „Toll, dass wir so einen Trainer haben.“ Babbel sagte: „Ich will hier nicht irgendeinen Jugendwahn verbreiten. Die Jungs spielen, weil sie es sich verdient haben.“

Djuricin ist sich mit Hertha über einen Vier-Jahres-Vertrag als Profi einig. Die erfahrenen Kollegen lassen durchblicken, was nun auf ihn zukommt. Pal Dardai (34) sagte: „Wenn er auf dem Teppich bleibt, hat Marco eine große Zukunft vor sich.“ Sein Rat an den Jüngeren: „Auf den Trainer und die älteren Spieler hören.“

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