Bundesliga

Hertha verpflichtet drei neue Spieler für die Aufholjagd

Kurz vor Ende der Wechselfrist hat Fußball-Bundesligist Hertha drei neue Spieler unter Vertrag genommen. Mit Florian Kringe von Borussia Dortmund wechselt der erste gestandene Bundesliga-Profi seit vielen Jahren zu den Blau-Weißen. Die anderen beiden Neuen heißen Adrian Ramos und Clederson Cesar de Souza.

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Hertha stellt drei neue Spieler vor

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Raffael freute sich schon den ganzen Tag lang aufs Abendessen. Clederson Cesar de Souza, genannt Cesar, war in der Stadt; gemeinsam haben die beiden Brasilianer einst in Zürich Fußball gespielt und fortan werden sie es bei Hertha BSC tun.

Bei Rotwein und Pasta feierten sie in kleiner Runde ihr unerwartetes Wiedersehen. Cesar (30), ein lebensfroher Mann mit modischer Kleidung, hat zuletzt bei Al-Ahli Dubai in Arabien gekickt und sagt, dass er sich jetzt „noch einmal auf Europa freut“.

Trainer Lucien Favre, der Cesar ebenfalls aus gemeinsamen Zürcher Zeiten kennt, nannte diesen Transfer am Montag „einen Bonus“ – der Mittelfeldspieler ist der dritte neue Hoffnungsträger beim Berliner Bundesligisten.

Erstmals in der jüngeren Vereinsgeschichte stellte Hertha am Abend drei Neue auf einmal vor. Das Podium im Medienraum auf dem Vereinsgelände reichte gerade so aus, um allen Männern im Mittelpunkt Platz zu bieten. Inmitten von Geschäftsführer Michael Preetz und Trainer Lucien Favre saßen neben Cesar noch Mittelfeldspieler Florian Kringe (27) und Stürmer Adrian Ramos (23).

Noch mindestens 37 Spiele

„Wir sind sehr froh, dass wir den Kader am letzten Tag der Wechselfrist so aufstellen konnten, dass wir für ein langes Jahr gut gerüstet sind“, sagte Preetz. Er rechnete vor, dass Hertha von jetzt bis zum Saisonende am 8. Mai 2010 wenigstens 37 Spiele in Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League zu bestreiten hat – da braucht es einen qualitativ wie quantitativ gut bestückten Kader.

„Den haben wir jetzt auch in der Breite“, sagt Preetz, „aber ich betrachte die Spieler nicht als Last-Minute-Transfers, sondern als Spieler, die Hertha besser machen werden.“ Mit Blick auf den mit nur einem Sieg aus den ersten vier Spielen leidlich verpatzten Ligastart der Blau-Weißen: „Wir sind mit dem bisherigen Ergebnis nicht zufrieden. Aber jetzt sind wir komplett, jetzt wird Hertha angreifen.“

Die Aufholjagd startet von Tabellenplatz 16. Kringe, derjenige des Trios, der sich bei seiner Präsentation aufgrund von Kenntnissen über Liga und der deutschen Sprache am leichtesten tat, sagte: „Die Mannschaft hat das Zeug, sich wieder für die Europa League zu qualifizieren, ich will dazu beitragen.“ Der – ohne Kaufoption – für ein Jahr von Borussia Dortmund ausgeliehene Profi kann im Mittelfeld nahezu jede Position und besetzen und fühlt sich nach eigenem Bekunden auch „überall gleichermaßen wohl“. In Dortmund hatte sich Kringe mit Trainer Jürgen Klopp überworfen. In Berlin erwarten beide Seiten eine „Win-win-Situation“ (Preetz): Kringe soll den Spaß am Fußball zurückgewinnen – und Hertha auf Anhieb helfen. So ist die Erwartung von Trainer Favre.

Ramos bedrängt Wichniarek

Auch der schüchterne Ramos soll ohne große Vorlaufzeit zur Konkurrenz für Mittelstürmer Artur Wichniarek avancieren. Er kommt mitten aus dem Spielbetrieb der kolumbianischen Liga. „Er ist bereit“, sagt Favre. Allerdings steht zu befürchten, dass der Nationalspieler kurzfristig noch einmal zu WM-Qualifikationsspielen gegen Ekuador und Uruguay reisen muss und erst am Freitag kommender Woche, einen Tag vor dem nächsten Ligaspiel in Mainz (12. September), zurückerwartet wird. Spätestens dann, sagte Ramos artig, will er „mit harter Arbeit das Vertrauen zurückzahlen, das Hertha in mich setzt“. Favre sieht in ihm einen „Stürmer mit viel Charakter, der gut läuft und dahin geht, wo es auch mal weh tut“ – etwas, das Hertha zuletzt deutlich fehlte.

Während Kringe und Ramos Hertha kurzfristig besser machen sollen, ist das Projekt Cesar eher perspektivisch angelegt. Er gibt Favre in einer chronischen Problemzone – dem linken Mittelfeld – eine zusätzliche Option, aber, sagt der Trainer: „Er braucht Zeit.“ Zuletzt hatte sich Cesar in seiner Heimat fitgehalten und wird erst in einigen Wochen zum Aufgebot zählen. In Topform sieht Kollege Raffael in ihm aber nicht nur einen guten Freund, sondern auch „einen sehr guten Spieler. Er ist technisch stark und ein guter Passgeber.“

Cesar: Meister mit Raffael in Zürich

Beim FC Zürich waren der Stürmer Raffael und sein Zuspieler Cesar 2006 und 2007 jeweils Schweizer Meister geworden. Andere Quellen sind weniger euphorisch und bescheinigen dem Linksfuß zwar große Kreativität, beschreiben ihn aber gleichzeitig als lauffaul und nicht besonders schnell.

Mit seiner Stärke bei Elfmetern, Freistößen und Flanken passt Cesar hingegen bestens ins Anforderungsprofil. In diesen Bereichen hat Hertha einigen Steigerungsbedarf.

Cesar äußerte „große Freude“ darüber, bei einem so großen Klub in einer so großen Liga wie der Bundesliga zusammenarbeiten zu dürfen. Er unterschrieb einen stark leistungsbezogenen Jahresvertrag, der sich zwei Mal ab einer gewissen Anzahl von Einsätzen um jeweils ein weiteres Jahr verlängert. „Im Idealfall ist es also ein Drei-Jahres-Vertrag“, erklärte Preetz.

Beim Blick auf nun vollzogene Zusammenstellung des Kaders sagte der Geschäftsführer, Hertha habe es „nicht darauf angelegt, bis zuletzt zu warten, aber wir mussten gut überlegen, wie wir die uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel am besten einsetzen.“

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