Hertha BSC

Ramos muss auf ein "Wahnsinnsangebot" hoffen

Obwohl sich Stürmer Adrian Ramos bei Hertha BSC wohl fühlt, kämpft sein Berater um einen Wechsel. Doch der Zweitligist plant mit dem Kolumbianer. Es sei denn, ein anderer Klub nimmt viel Geld in die Hand.

Foto: Bongarts/Getty Images

Irgendwann in diesen Tagen muss Post kommen, darauf jedenfalls hofft Adrian Ramos. Absender soll sein der Fußballverband Kolumbiens und der Betreff eine Einladung zur Teilnahme am Länderspiel Anfang September in Mexiko. Erfüllt sich der Wunsch, wäre das eine gute Nachricht für den Stürmer. Erst recht aber für Hertha BSC. Zwar stünden dem kickenden Kapital Ramos dann wieder einmal die Strapazen einer Reise von Europa nach Südamerika und zurück bevor. Doch würde die Pflicht dazu den Spieler vielleicht davon überzeugen, dieser Tage womöglich doch am rechten Ort zu sein.

Noch zweifelt Ramos. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga fürchtet der 24-Jährige um seinen Status als Nationalspieler – und will Hertha zum Erhalt desselbigen lieber heute als morgen verlassen. „Es ist so“, bestätigt Ramos die kolportierte Meldung, wonach Kolumbiens Verband ausschließlich in ersten Ligen tätige Spieler berufe. Zwar war das in der Weltrangliste auf Position 39 notierte Land nicht für die WM in Südafrika qualifiziert. In Hugo Rodallega (vergangene Saison zehn Premier-League-Tore für Wigan Athletic), Falcao Garcia (25 Saisontore für FC Porto) und dem in Mexiko tätigen Jackson Martinez kann Kolumbien immerhin aber doch samt und sonders erstklassig spielende Stürmer aufbieten.

„Warum sollte der Nationaltrainer angesichts dieser hervorragenden Spieler jemand nominieren, der in der Zweiten Liga spielt – selbst wenn der dort 50 Tore geschossen hat?“, stellt Helmuth Wennin eine Frage von aus seiner Sicht nur rhetorischer Natur. Der Kolumbianer mit dem deutsch klingenden Namen ist der Berater des medienscheuen Ramos – und sein Ziel scheint, seinen Klienten so unzufrieden wie möglich darzustellen. „Natürlich ist Adrian enttäuscht, dass ein Wechsel bislang nicht geklappt hat“, sagte Wennin. Er behauptet, Ramos sei weniger darüber erfreut, dass Hertha manchen Leistungsträger zum Verbleib hat bewegen können: „Ihn beunruhigen viel mehr die Spieler, die den Verein verlassen haben.“ Außerdem zeichnet Wennin das Bild eines Profis, den selbst gutes Zureden von Gefährten wie Raffael nicht beeindrucken könne: „Adrian ist niemand, der sich zu etwas überreden lässt. Er weiß, was er will, und er weiß auch, dass Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist und er jede Gelegenheit zu einer Verbesserung wahrnehmen muss, um seine und die Zukunft seiner Familie zu sichern.“

Der Betroffene reagiert einigermaßen verblüfft, wird er auf seinen angeblich so miserablen Gemütszustand angesprochen. „Nein“, sagt Ramos: „Ich fühle mich wohl, ich bin bei Hertha zufrieden, ich trainiere mit Freude.“ Ein Bekenntnis zu seinem aktuellen Arbeitgeber ist das trotzdem nicht, denn auch dieser Nachsatz fällt: „Ich weiß nicht, was passiert. Aber wie jeder Spieler würde ich gern in einer ersten Liga spielen.“ Für dieses Ziel bringt Ramos Geduld auf. Er kennt das ja. Vergangenes Jahr vollzog sich sein Wechsel nach Berlin sogar erst am letztmöglichen Tag, dem 31. August. Für 1,4 Millionen Euro erwarb Hertha 80 Prozent der Transferrechte an Ramos, der Rest verblieb beim abgebenden Klub America de Cali. Diesen Besitzverhältnissen entsprechend, wäre auch eine mögliche Ablösesumme aufzuteilen – und das ist einer der Gründe, weswegen Hertha Ramos nur im Falle eines „Wahnsinnsangebotes” ziehen ließe.

Hertha fordert 10 Millionen Euro

Hertha-Manager Michael Preetz zeichnet für diese Formulierung verantwortlich. Ihn quält die sich in die Länge ziehende Personaldebatte: „Ich bin müde, mich zu diesem Thema zu äußern. Adrian hat einen Vertrag bei uns, wir planen mit ihm. Das ist der Stand der Dinge. Ansonsten gelten die üblichen Marktgesetze: Falls ein lukratives Angebot kommt, muss man miteinander reden.“ An der Größenordnung der Forderung hat sich nichts verändert. Um die zehn Millionen Euro müsste ein interessierter Verein als Ablöse bezahlen.

Trainer Markus Babbel sagt, er hoffe, „dass kein Wahnsinnsangebot für Adrian reinkommt“. Er plant mit Ramos, sieht ihn derzeit links in der offensiven Dreierreihe hinter Stoßstürmer Rob Friend. Immerhin: „Die Position gefällt mir genauso wie die ganz vorne, ich habe dort schon im Nationalteam und auch bei Cali gespielt“, sagt Ramos. Wie der Stürmer in der täglichen Arbeit ohnehin nicht den Eindruck erweckt, als schone er sich für einen anstehenden Wechsel. Kein Vergleich jedenfalls ist seine Körpersprache in den Trainingseinheiten zu jener des gleichfalls wechselwilligen Gojko Kacar in den letzten Tagen vor seinem Transfer zum Hamburger SV. An Ramos, sagt Babbel, „gibt es diesbezüglich von meiner Seite nichts auszusetzen. Adrian wirkt sehr spielfreudig, für mich sieht es nicht danach aus, dass er unbedingt weg will. Er wirkt zufrieden, er engagiert sich und ist auch in der Gruppe voll akzeptiert.“

Auf diesen Wohlfühlfaktor setzt auch Preetz. „Adrian gefällt es sehr in Berlin. Und er möchte gern Bundesliga spielen. Da ist es doch am besten, wenn er mit Hertha zusammen wieder in die Bundesliga aufsteigt.“

Mitarbeit: Uwe Bremer