Testspiel

Hertha gewinnt das erste Derby

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Daniel Stolpe

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Zweite versus fünfte Liga - Herthas Kobiashvili, Beichler und Lasogga treffen im Testspiel gegen den BFC Dynamo. Trainer Markus Babbel zeigte sich zufrieden.

Es war kein Witz. Des großen Andrangs wegen, so die Durchsage via Stadionlautsprecher, sollte die Partie des BFC Dynamo gegen Hertha BSC zehn Minuten später beginnen. Zwar waren es letztlich doch nur 3230 Zuschauer im Jahn-Sportpark beim Spiel des Fünft- gegen den Zweitligisten - und doch erfüllte das Testspiel in Prenzlauer Berg gleich in mehrfacher Hinsicht seinen Zweck.

Zweimal in der anstehenden Saison (gegen den 1. FC Union) wird Hertha kennenlernen, was es bedeutet, ein Stadtderby bestreiten zu müssen. "Mit einer immerhin in Ansätzen hitzigen Atmosphäre und auch einem gewissen Prestigefaktor war das gegen eine robuste Mannschaft eine gute Erfahrung", sagte Trainer Markus Babbel.

Lell als Vorbereiter

Wobei die echte Derby-Stimmung am Sonnabend nur bedingt aufkam. Die Hertha-Fans standen hinter dem einen Tor, die BFC-Anhänger hinter dem anderen - die Distanz war zu weit, als dass sich da etwas hätte entzünden können. Zugleich, und auch das zählt, gelang im vierten Vorbereitungsspiel der vierte Sieg - und nur dem Ergebnis nach fiel das 3:0 (2:0) knapp aus. Levan Kobiashvili per Foulelfmeter (26. Minute), Daniel Beichler nach schönem Direktspiel im Strafraum über Christian Lell und Rob Friend (32.) sowie Pierre-Michel Lasogga mit einem Doppelschlag (87./90) sorgten für den Erfolg des Favoriten aus der Zweiten Liga, der viele weitere ansehnliche Kombinationen zeigte.

Nun mag das gegen einen Oberligisten standesgemäß sein. Selbstverständlich war es trotzdem nicht angesichts der Belastung der vergangenen drei Trainingswochen; auch Sonnabendvormittag dauerte die Trainingseinheit trotz des freundschaftlichen Vergleichs am Abend annähernd zwei Stunden. "Diese hohe Schlagzahl ist gewollt", sagte Trainer Markus Babbel. Seine Spieler sollten "auf Umfang kommen", wie er es nennt, also: sich an ein hohes Maß an Belastung gewöhnen und Widerstände überwinden. Gerade wenn es schwer fällt, will Babbel sehen, "dass die Jungs zusammenarbeiten - weil es dann für alle leichter wird".

Die Vorgabe die Mannschaft lautete: Gut in der Ordnung stehen, und: wenige Ballkontakte. Babbels Begründung: "Gerade wenn man müde ist, müssen wir schnell spielen." Dass seine Spieler in dieser Phase der Vorbereitung an ihre Grenzen gehen müssen, geschieht bewusst. "Wenn wir dafür in der Saison topfit sind, wird sich unsere Qualität erst recht durchsetzen", sagt Babbel. "Aber die Mentalität dafür müssen wir erst entwickeln." Gelingt es, prophezeit der Trainer seinem Ensemble zwar noch immer reichlich Spiele in der umkämpften Zweiten Liga, die nach 70, 80 Minuten noch nicht entschieden sein werden. "Aber in den letzten zehn Minuten werden wir uns durchsetzen."

Das ist noch Zukunftsmusik. Um in der Gegenwart die Belastung der 90 Minuten trotzdem in überschaubaren Dimensionen zu halten, setzte Babbel insgesamt 20 Mann ein - und veranstaltete so einen umfassenden Debütantenball in Prenzlauer Berg. Gleich acht Profis präsentierten sich zum ersten Mal in Berlin im Hertha-Trikot: Torwart Maikel Aerts, Christian Lell, Andre Mijatovic, Nikita Rukavytsya, Daniel Beichler, Rob Friend und, von der zweiten Halbzeit an, auch Ronny und Lasogga. Nimmt man Sebastian Neumann und Nico Schulz aus dem eigenen Nachwuchs hinzu, waren es sogar zehn Neue.

Nur zwei Spieler absolvierten die gesamten 90 Minuten: Beichler und Christoph Janker. Beichler hatte mit seinem ehemaligen Klub SK Sturm Graz schon eine komplette Vorbereitung auf die in Österreich bereits gestartete Saison hinter sich gebracht. "Und Janker macht einen sehr fitten Eindruck", lobte Babbel.

Das Spiel im Jahn-Sportpark war das Spiel eins nach dem Verkauf von Gojko Kacar an den Hamburger SV. Da auch Pal Dardai (Zerrung am Oberschenkel) ausfiel, nutzte Babbel die Partie zum Experiment, welcher der jungen Spieler im Kader eine Option für die sensible Position vor der Vierer-Abwehrkette ist.

Bigalke auf der Doppel-Sechs

Den Anfang im Casting machte - Sascha Bigalke. Das war eine Überraschung. Sonst spielt der Junioren-Nationalspieler, 1,67 Meter klein und 63 Kilo leicht, in der Offensive. Aber Babbel sagte: "Sascha versteht das Spiel und hat viel fußballerisches Talent. Ballsicher ist er auch. Er muss, aber das weiß er, nur noch robuster werden." Ergebnis: Das Experiment ist noch steigerungsfähig.

Nach der Pause waren Lennart Hartmann und Fanol Perdedaj an der Reihe. Auch diese Youngster machten es ordentlich, genauso wie der Jüngste im Kader, Schulz (17), im linken Mittelfeld.

Sie könnten einmal die Zukunft sein von Hertha BSC, doch am Sonntag feiert der Klub primär seine Historie. Anlässlich des 118. Geburtstages steigt von 15 Uhr an am Hanne-Sobek-Platz in Wedding eine große Party, deren Höhepunkt eine Autogrammstunde aller Profis samt Trainer Babbel sein wird.