Verkauf

Kacars Wechsel zum HSV sichert Herthas Etat

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Daniel Stolpe

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Gojko Kacar, der einstige Star im Berliner Mittelfeld verlässt Hertha BSC. Für den Verein, der bereits fest mit dem Weggang plante, ist es ein finanziell wichtiges Geschäft. Aber können die Blau-Weißen diesen Verlust ohne Neuverpflichtung kompensieren?

Ihre Ahnung befiel die Kollegen früh am Morgen. Einer nach dem anderen trafen die Profis von Hertha BSC zur Trainingsvorbereitung in der Kabine ein, nur einer fehlte, der tags zuvor noch da gewesen war. Das war kein gutes Zeichen, und tatsächlich hatte Gojko Kacar nicht etwa verschlafen oder fehlte aus anderen Gründen unentschuldigt. Der Mittelfeldspieler war zu der Zeit unterwegs nach Hamburg, wo er, auf drei Etappen verteilt, den Medizincheck absolvierte und anschließend beim HSV einen Fünfjahresvertrag bis 2015 unterzeichnete.

Morgenpost Online sagte Kacar: "Ich bin froh, dass der Wechsel jetzt geklappt hat und freue mich auf den Hamburger SV. Mein Ziel war es, weiter in der Bundesliga zu spielen.“ Aber auch Hertha profitiert von dem Transfer des vormaligen Leistungsträgers, der sich nur schwer mit einem Gang in Liga zwei hatte anfreunden können. Doch erst beim passenden Angebot erhielt Kacar die Freigabe. Nachdem der HSV vor rund zwei Wochen ein erstes Angebot in Höhe von 3,5 Millionen Euro abgegeben hatte, das Berlins Manager Michael Preetz als ungenügend abgetan hatte, fließt nun deutlich mehr Geld für den serbischen Nationalspieler, der im Januar 2008 für damals drei Millionen Euro von FK Vojvodina Novi Sad zu Hertha gewechselt war.

Bei Weiterverkauf fließt nochmals Geld

Einen Mindesterlös von 7,5 Millionen Euro hatte sich Preetz zum Ziel gesetzt – und wird den mit einiger Sicherheit auch realisieren. Den Hauptanteil dieser Summe erhält Hertha sofort: 5,5 Millionen – eine Million mehr als die in Hamburg kolportierte Zahl. Eine weitere Million fließt erfolgsabhängig und wird etwa bei einer Qualifikation des HSV für einen internationalen Wettbewerb in der kommenden Bundesliga-Spielzeit fällig. Mit der letzten Million partizipiert Hertha an einem zukünftigen Weiterverkauf Kacars.

Die Einnahme dient Hertha zu weiten Teilen zur Sicherung des Etats für die kommende Zweitliga-Saison. Die insgesamt 13 Millionen, die Hertha sich nach dem Abstieg an Transfererlösen zum Ziel gesetzt hat, sind nach Kacars Weggang nahezu erreicht. Vom Verkauf von Arne Friedrich an den VfL Wolfsburg blieben unter dem Strich zwei Millionen übrig. 2,5 Millionen flossen durch den Weiterverkauf von Jerome Boateng vom HSV an Manchester City, ein halbe Million wurde fällig für die Kaufoption des 1. FC Kaiserslautern für Rodnei und in etwa noch einmal so viel Geld kassiert Hertha, wenn der FC Augsburg noch Ibrahima Traore an den VfB Stuttgart verkauft. Die zu den 13 Millionen noch fehlende Summe ließe sich durch die Ausgabe von Genussscheinen akquirieren.

Adrian Ramos unter Druck

In Konsequenz bedeutet das für den ebenfalls abwanderungswilligen Adrian Ramos: Nur wenn der Kolumbianer einen Klub findet, der wenigstens annähernd die von Hertha geforderten zehn Millionen Euro Ablöse zu bezahlen bereit ist, darf auch der Stürmer noch wechseln. Bis dahin gilt, was Trainer Markus Babbel beinahe tagtäglich wiederholt: "Wir planen voll und ganz mit ihm.“ So ist der Stand der Planung auch, dass Ramos – verletzt oder nicht – Ende kommender Woche mit ins Trainingslager nach Feldkirchen in Österreich fliegt.

Kacar trat sogar schon am Freitag die Reise ins Nachbarland an – aber nach Längenfeld, wo der HSV für die anstehende Bundesliga-Saison übt. Zu erwarten steht, dass der WM-Teilnehmer (ein Kurzeinsatz gegen Deutschland) dann eifriger bei der Sache sein wird als noch zuletzt beim Lauftrainingslager mit Hertha im Allgäu. Da hatte sich der 23-Jährige für das Spiel beim SSV Ulm wegen Kniebeschwerden abgemeldet und einen alles andere als amüsiert dreinblickenden Trainer Babbel zurückgelassen. Verständlich, schoss doch derselbe Kacar bei seinem letzten Training in Berlin am Donnerstag schon wieder beide Tore beim 2:0 im teaminternen Spielchen.

Längst nicht allein dadurch dokumentierten sich Kacars Qualitäten. Nahe der Weltklasse ist der serbische Nationalspieler, wenn er im Strafraum mit Anlauf zum Kopfball gehen kann. Zwei dieser wuchtigen Kopfstöße öffneten im August 2009 gegen Bröndby IF erst das Tor zur Europa League, in der Hertha bis ins Sechzehntelfinale vorstieß. Gleichzeitig war Kacar in seiner Zeit in Berlin niemals zu hundert Prozent fit; er machte nicht eine Vorbereitung komplett mit, war auch häufig verletzt oder angeschlagen. Dazu kamen häufige Reisen im vaterländischen Dienst, so zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking oder der U21-EM in Schweden im Jahr darauf.

Noch offen lässt Preetz, ob er Teile der Transfereinnahme auch dafür verwenden wird, Ersatz für Kacar zu beschaffen: "Es besteht keine Notwendigkeit, tätig werden zu müssen.“ Der intern fest eingeplante Abgang ließe sich "auch aus dem eigenen Kader heraus kompensieren“, sagt der Manager in Übereinstimmung mit Babbel. Neben Fabian Lustenberger (22) und Pal Dardai (34) kommen auch Levan Kobiashvili (33) und die Talente Fanol Perdedaj und Lennart Hartmann (beide 19) für die strategische Position vor der Viererabwehrkette infrage.

Preiswerte Tickets zum Geburtstag

Trotz des schmerzlichen Weggangs gibt es auch einen Grund zu Feiern. Am morgigen Sonntag, dem 25. Juli, wird Hertha BSC 118 Jahre alt. Der Verein feiert den Geburtstag genau dort, wo der Klub auch seine Wurzeln hat: im Wedding. Höhepunkt der Party am Hanne-Sobek-Platz ist eine Autogrammstunde mit allen Profis, sie beginnt um 16 Uhr.

Normalerweise wird das Geburtstagskind beschenkt, in diesem Fall ist es umgekehrt. Nur an diesem Sonntag und nur am Hanne-Sobek-Platz wird es Eintrittskarten für das erste Heimspiel (20. August) gegen Rot-Weiß Oberhausen zum Preis von fünf statt zehn Euro geben.