Hertha BSC

Letzte Chance für Sorgenkind Patrick Ebert

Der 22-Jährige muss um einen Platz in der Mannschaft von Hertha BSC kämpfen. Zudem steht Ebert möglicherweise vor schweren Wochen. Die Staatsanwalt ermittel gegen ihn. Er soll mit dem Ex-Herthaner Kevin Boateng in Wilmersdorf an parkenden Fahrzeugen 13 Außenspiegel abgetreten haben.

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Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub hat seine Tücken. Das stellte Patrick Ebert gestern fest. In seiner ersten Einheit im Trainingslager mit Hertha lief nicht alles optimal. Beim Aufwärmen schloss er sich zunächst der Gruppe an, für die ihn das Trainerteam nicht eingeteilt hatte. Kurz danach blieb er beim Fußball-Tennis im Netz hängen und riss es zu Boden. Zum Ende wurde Ebert noch richtig nass: Es begann heftig zu regnen, und er hatte sich in der Kabine als Einziger für ein ärmelloses Shirt entschieden.

Der Mittelfeldspieler ist der letzte Herthaner, der das Training aufgenommen hat. Wegen seiner Teilnahme an der U?21-Europameisterschaft im Juni hatte die sportliche Führung ihm bis zum vergangenen Donnerstag Urlaub gegeben. Beim Turnier in Schweden hatte er mit Deutschland den Titel gewonnen. „Ein geiles Gefühl. Ich bin stolz“, sagt er. Während seine Hertha-Kollegen zuletzt an der Ausdauer arbeiteten, entspannte Ebert auf Mallorca. „Zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren war ich im Urlaub außerhalb Berlins.“

Jetzt ist das Sorgenkind der Berliner zurück. Und steht möglicherweise vor schweren Wochen. Seit vergangenem März ermittelt die Staatsanwalt gegen den 22-Jährigen. Ebert soll gemeinsam mit seinem Freund, dem ehemaligen Herthaner Kevin Boateng, in Wilmersdorf an parkenden Fahrzeugen 13 Außenspiegel abgetreten haben.

Talent mit Image-Problem

Beide bestreiten dies. Unstrittig hingegen ist, dass sie gegen 3.30 Uhr von der Polizei aufgegriffen wurden. Sie sollen angetrunken gewesen sein. Es war die Nacht nach Eberts Geburtstagsfeier. Gut sechs Stunden später war Training. Trainer Lucien Favre hatte ihn damals für zwölf Tage suspendiert und zu den Amateuren verbannt.

Kommende Woche will Eberts Anwalt Janusz Lerch eine Verlautbarung veröffentlichen. Michael Preetz, Geschäftsführer Sport sagt: „Wir glauben Patrick und helfen ihm.“ Sollte sich allerdings herausstellen, dass Ebert schuldig ist, hat er ein massives Problem. Trotz Vertrages bis 2011. In diesem Fall hätte er einen groben Vertrauensbruch begangenen. In Gesprächen mit Favre und dem damaligen Manager Dieter Hoeneß hatte Ebert stets seine Unschuld beteuert. Gestern wollte sich er zu der Angelegenheit nicht äußern.

Ebert hat ohne Frage sportliche Fähigkeiten. Allerdings hat er auch ein Imageproblem. Alkoholfahrt, Führerscheinentzug, öffentliche Kritik am Trainer. Eine erstaunliche Liste an Eskapaden für einen jungen Mann, der erst drei Jahren in der Bundesliga spielt.

Hätte Ebert bei der EM in der U?21 eine wichtige Rolle gespielt, wären vielleicht andere Klubs auf ihn aufmerksam geworden. Bei einer guten Offerte hätte Hertha ihn wohl abgegeben. Doch Ebert spielte in Schweden nur einmal von Beginn an.

In den vergangenen vier Monaten hatte er komplett geschwiegen. In Stegersbach spricht er erstmals über seine Situation bei Hertha – die schwieriger geworden ist. Mit Marko Pantelic und Josip Simunic haben zwei Vertraute von Ebert den Klub verlassen. Er hat oft bei diesen Routiniers Rat gesucht. „Ich bin mit ihnen menschlich sehr gut klar gekommen. Es ist schade, dass sie weg sind.“ Erst gestern hat er wieder mit Simunic telefoniert. Mit Hoeneß hat er einen weiteren Fürsprecher verloren. Der Ex-Manager hatte trotz seines Ärgers über die schlechte Außendarstellung des Vereins stets versucht, dem

Jungprofi bei dessen Suche nach Orientierung zu helfen. Unter Hoeneß-Nachfolger Michael Preetz muss Ebert zeigen, ob er begriffen hat, was man als Berufsfußballer darf – und was nicht.

Sportlich hat er sich viel vorgenommen. „Ich bin heiß auf Fußball, will gut spielen und verletzungsfrei bleiben.“ In der vergangenen Saison absolvierte er 19 Spiele von Beginn an, war mit acht Vorlagen zusammen mit Pantelic bester Vorbereiter seiner Mannschaft und schoss drei Tore. „Die Bilanz ist nicht so schlecht“, sagt Ebert selbstbewusst. Jetzt wolle er daran arbeiten, torgefährlicher zu werden. In 67 Bundesliga-Partien hat er bislang sechs Treffer erzielt. Eine bessere Quote würde im Wettstreit um einen Stammplatz helfen. Die Konkurrenz im rechten Mittelfeld ist groß. „Auch Lennart Hartmann, Amine Chermiti und Maximilian Nicu können auf dieser Position spielen“, sagt Trainer Favre. Ebert kann auch links eingesetzt werden. Dort konkurriert er je nach taktischer Ausrichtung mit Raffael, Cicero und Lucio.

Unabhängig von der Position fordert Favre, dass Ebert reift. Als Spieler, und vor allem als Mensch. Er erwartet die Entwicklung vom Talent mit gewisser Erfahrung zum gestandenen Profi: „Spielerisch kann er mehr machen.“

Ebert gibt sich noch gelassen. Jeder der Spieler gebe sein Bestes, auch er. „Der Trainer entscheidet dann, was wird.“