Vertrauensbeweis

Hertha verlängert Favres Vertrag bis 2013

Hertha hat Cheftrainer Lucien Favre die vorzeitige Verlängerung seines Vertrages um weitere zwei Jahre angeboten - in der schnelllebigen Fußball-Branche eine halbe Ewigkeit. Der Verein beweist dem Trainer damit sein Vertrauen, neue Kompetenzen soll Favre allerdings nicht bekommen.

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Im Quartier von Hertha BSC gab es zuletzt munteres Stühlerücken. Im Hotel „Resort Balance“ wurde in verschiedener Besetzung getagt: Cheftrainer Lucien Favre diskutierte mit Präsident Werner Gegenbauer. Dann trafen sich Favre, Gegenbauer und Michael Preetz, der neue Geschäftsführer Sport. Am Wochenende reiste Christoph Graf, Favres Schweizer Berater, nach Österreich. Das Thema war immer dasselbe: Hertha will den Vertrag mit Favre bis 2013 verlängern.

Auf den ersten Blick erstaunt dieses Vorhaben. Erst im Januar hatte der damalige Manager Dieter Hoeneß bekannt gegeben, dass Hertha sich mit Favre auf einen neuen Kontrakt bis 2011 geeinigt habe. Zwei Jahre – in der schnelllebigen Fußball-Branche eine halbe Ewigkeit.

Dass Hertha vorzeitig aktiv wird, ist ungewöhnlich – und hat mit dem langen Schatten der Hoeneß-Ära zu tun. Der Manager hat Hertha nach über zwölf Jahren in einem Zustand übergeben, der den handelnden Personen eher geringe Spielräume lässt. Die Schulden liegen bei 33,5 Millionen Euro, der Personal-Etat muss von 33,6 auf 28 Millionen gesenkt werden. Der Vierte der Vorsaison kann bis auf weiteres keine Stars verpflichten.

Nun haben die Hertha-Verantwortlichen durchaus registriert, dass die Liga-Konkurrenz etwa von Bayer Leverkusen im Juni um „Baumeister“ Favre gebuhlt hatte.

Probleme mit Hoeneß

Zudem ist nun intern bekannt, was lange niemand wusste: Favre war – auch wenn er das offiziell nie bestätigen wird – im Januar enttäuscht von der Art, wie Hoeneß verhandelt hatte. Das, was der Trainer im Winter erhofft hatte, liefern nun Präsident Gegenbauer und Preetz: einen echten Vertrauensbeweis.

Motto: Hertha hat derzeit kein Geld für Stars, verspricht dem Trainer aber Zeit und eine Perspektive. Das Ziel hat Gegenbauer umrissen: „mit Hertha BSC auf einem gesicherten wirtschaftlichen Fundament in der Ligaspitze zu stehen.“ Aktuell scheint eher ein Platz im Mittelfeld realistisch als einer in der Champions League.

Das Thema Vertrauen ist bei Favre nicht zu unterschätzen. In keiner der Verhandlungsrunden in Stegersbach ging es um das Gehalt oder Prämien. Auch das immer wieder kolportierte Thema Machtzuwachs wurde nicht besprochen. „Die Aufgaben und Pflichten von Lucien Favre sind die gleichen wie bei allen Hertha-Trainern vor ihm“, sagt Neu-Manager Preetz.

Favre will weder wie seine Kollegen Felix Magath (Schalke) oder Armin Veh (Wolfsburg) in die Geschäftsführung aufsteigen. Noch geht es darum, dass er die Kompetenzen erhält, die einst Dieter Hoeneß hatte. Preetz: „Was sich ändert mit mir, ist die Form der Zusammenarbeit.“ Er beschreibt die Tagesarbeit mit Favre als „vertrauensvoll und gut“. Hoeneß und Favre fanden sich am Ende gegenseitig vor allem anstrengend, von Vertrauen konnte da keine Rede mehr sein.

Beim Stichwort Finanzen schenkte Gegenbauer Favre reinen Wein ein. Er könne heute nicht seriös sagen, wie viel Geld Hertha in den kommenden zwei, drei Transferperioden investieren kann. Er setze auf Favres Blick beim Zusammenstellen eines guten Teams auch ohne exorbitante Ablösesummen.

Dass der Verein den Trainer halten will, ist eine Seite der Medaille. Blieb die Frage: Was will Favre? Er ist 51 Jahre. Er hat den Sprung von der Schweiz in die Bundesliga geschafft und sich mit Hertha einen Namen gemacht. Favre weiß: Die Währung im Fußball, in der zwischen guten und sehr guten Trainer unterschieden wird, sind Titel. In der Schweiz hat er zweimal den nationalen Pokal gewonnen (2000 mit Servette Genf, 2006 mit FC Zürich), zweimal die Meisterschaft (2006, 2007 mit Zürich). Warum soll er bei einem Klub verlängern, der in den nächsten zwei, drei Jahren in der Liga wohl nicht ganz oben mitspielen kann?

Andrerseits ahnt Favre, dass er sich um seine Reputation nie wieder Sorgen machen muss, sollte es ihm gelingen, was die Experten im Lande Hertha partout nicht zutrauen: Nach der Deutschen Meisterschaft von 1931 endlich wieder einen Titel zu gewinnen.

Gegenbauer: Sind auf gutem Weg

Favre wirkte am Montag bei dem Thema verlegen: „Kein Kommentar.“ Die offizielle Sprachregelung gab Präsident Gegenbauer vor: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Im Trainingslager werde aber nichts weiter passieren. Wie die Morgenpost erfuhr, sind die Dinge de facto zu Ende verhandelt. Was noch aussteht, ist die Zustimmung des Präsidiums. Die gilt als sehr wahrscheinlich. So dass Michael Preetz rechtzeitig vor dem Saisonstart am 7. August verkünden wird: Hertha verlängert mit Favre bis 2013.