Neuer Stürmer

Wie sich Wichniarek bei Hertha eingewöhnt hat

Artur Wichniarek spielte bereits von 2003 bis 2005 für Hertha. In 44 Bundesligaspielen erzielte er aber nur vier Tore und wechselte zurück zu Arminia Bielefeld. Jetzt ist der Pole wieder Stürmer in Berlin. Morgenpost Online sprach mit ihm im Trainingslager über Tore, Kritiker und seinen Platz in der Hertha-Hierarchie.

Foto: dpa / dpa/DPA

Morgenpost Online: Herr Wichniarek, in den ersten drei Tests haben Sie drei Tore erzielt.

Artur Wichniarek: Natürlich freue ich mich. Der erste Druck ist weg. Entscheidend sind aber Tore in der Bundesliga. Nicht in Testspielen.

Morgenpost Online: Kapitän Arne Friedrich glaubt, dass Sie in der Hierarchie der Mannschaft bald weit oben stehen werden.

Wichniarek: Das ist schön. Ich kenne Arne noch aus Bielefeld. Gern werde ich Verantwortung übernehmen. Bei Arminia habe ich bewiesen, dass ich eine Mannschaft nach vorn pushen kann. Als erfahrener Spieler helfe ich den Jungen gern. Hier im Trainingslager haben wir schon einige Gespräche geführt.

Morgenpost Online: Wie sind Sie aufgenommen worden?

Wichniarek: Sehr gut. Ich bekomme positive Signale von den Fans. Bei unserem ersten Test in Prenzlau meinten allerdings ein paar von ihnen, ich soll zurück nach Bielefeld gehen. Das kann ich nach meiner Vorgeschichte ein bisschen verstehen. Ich setze aber alles dran, damit die Leute das bald nicht mehr sagen.

Morgenpost Online: Kam der Wechsel nach Berlin für Sie so überraschend wie für die Fans?

Wichniarek: Vor einem halben Jahr hätte ich mich nicht mal getraut, mir Gedanken über diesen Wechsel zu machen. Letztlich hat es sich einfach so ergeben. Ich hätte nie gedacht, dass ich die Chance bekomme, mich hier zu zeigen. Und eine Rechnung, die ich offen habe, zu begleichen.

Morgenpost Online: Welche Rechnung meinen Sie?

Wichniarek: Ich habe mich in jedem Verein bis jetzt durchgesetzt. Nur nicht bei Hertha. Mir liegt es sehr am Herzen, es diesmal besser zu machen.

Morgenpost Online: Ein Teil der Fans ist skeptisch, Mitspieler hingegen loben Sie und bezeichnen Sie als Stürmer Nummer eins. Wie groß ist der Druck?

Wichniarek: Ich kann mit Druck umgehen. In Bielefeld war auch alles auf mich fokussiert. Ich möchte aber betonen, dass ich nie schlecht über Hertha oder die Fans gesprochen habe. Ich hatte nur ein spezielles Problem. Wir alle wissen, welches (Wichniarek beschuldigte den ehemaligen Manager Dieter Hoeneß einst in einem Interview, er habe seine Karriere zerstört/Anm.d.Red.). Aber das ist zum Glück Vergangenheit.

Morgenpost Online: Sie werden mit den abgewanderten Marko Pantelic und Andrey Voronin verglichen werden.

Pantelic hat über Jahre gute Leistungen gebracht und Tore geschossen. Voronin hatte eine super Saison. Das war aber vergangene Saison. Jetzt beginnt eine neue.

Morgenpost Online: Was ist Ihr Ziel mit Hertha?

Wichniarek: Ich will Teil eines funktionierenden Teams sein. Die vergangene Saison hat gezeigt, was durch konstante Leistungen möglich ist. Hertha konnte Meister werden.

Morgenpost Online: Müssen Sie mit 32 Jahren mehr trainieren als jüngere Kollegen?

Wichniarek: Ich muss sehr auf meinen Körper achten. Ich habe Diät gemacht, mein Blut untersuchen lassen und einen Allergie-Test gemacht. Die Bundesliga ist hart. Du musst topfit sein. 90 Minuten Training am Tag reichen für ältere Spieler nicht.

Morgenpost Online: War Trainer Lucien Favre ein Grund für Ihren Wechsel?

Wichniarek: Definitiv. Lucien Favre hat viel Positives reingebracht und eine hungrige Mannschaft geformt. Seine Arbeit lässt erkennen, dass der Trainer etwas erreichen will.

Morgenpost Online: Sie sollen selbst 250.000 Euro zur Ablöse beigesteuert haben, um sich aus Bielefeld freizukaufen.

Wichniarek: Darüber möchte ich nicht sprechen. Nur soviel: Ich und mein Berater haben alles dafür getan, dass der Wechsel klappt. Trotz Angeboten aus Griechenland und der Türkei wollte ich auch wegen meiner Familie in Deutschland bleiben.

Morgenpost Online: In Ihrer Spielertasche haben Sie immer Fotos von Ihrer Familie dabei.

Wichniarek: Ja, ein Foto meiner Mutter. Sie ist im vergangenen Jahr gestorben. Seit ihrem Tod freue ich mich nach Toren eher still. Ich laufe nicht mehr wie ein Verrückter über den Platz.

Morgenpost Online: Gefällt Ihnen ihr Spitzname „König Artur“?

Wichniarek: Das ist schön. Ich denke aber, dass der Name in Bielefeld geblieben ist. Ich habe noch viel Arbeit, bis die Fans mich hier so nennen.

Morgenpost Online: Haben Sie engen Kontakt zu Ihrem Landsmann Lukasz Piszczek?

Wichniarek: Wir haben uns kennengelernt, als ich noch für Hertha gespielt habe und er bei uns ein Probetraining absolviert hat. Als er in Berlin unterschrieb, hat er gesagt, er wolle eine Karriere wie Artur Wichniarek starten. Meinen Respekt hat er seitdem sicher. Er ist als Stürmer gekommen, jetzt ist er rechter Verteidiger. Als junger Spieler kann man sich seine Position suchen. Mit 32 ist das schwer.

Morgenpost Online: Sie haben aber nicht vor, bei Hertha zum Verteidiger umzuschulen, oder?

Wichniarek: Nein. Ich bin und bleibe Stürmer.

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