Hertha BSC

Wichniareks Antwort auf Pfiffe sind Tore

Mit gellenden Pfiffen hatten ihn Fans bei seiner Rückkehr zu Hertha BSC bedacht. Doch dann steuerte Artur Wichniarek beim 5:3 des Fußball-Bundesligisten beim 1. FC Union zwei Tore sowie eine Vorlage bei. Doch es braucht mehr, um die Vorbehalte zu widerlegen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die kleinen Signale sprechen für sich. Beim Fußball-Tennis kickte Artur Wichniarek (32) am Donnerstag in der Gruppe mit den Führungsspielern von Hertha BSC: mit Kapitän Arne Friedrich (30) und Routinier Pal Dardai (33). Große Signale hatte Wichniarek am Abend zuvor gesendet. Beim 5:3 des Fußball-Bundesligisten bei Zweitligist 1. FC Union steuerte der Stürmer zwei Tore sowie eine Vorlage bei. Die Genugtuung über den gelungenen Auftritt in der Alten Försterei war Wichniarek auch am Tag danach anzumerken. „Das ist gut gelaufen.“

Der Rückkehrer – Wichniarek erlebte zwischen 2002 und 2005 dreieinhalb erfolglose Jahre in Berlin – hatte durchaus das gellende Pfeifkonzert der Hertha-Fans registriert. „Naja, enttäuschend würde ich das nicht nennen, aber das war in jedem Fall Motivation für mich.“ Der Pole und die neuen Kollegen sind noch dabei, sich kennen zu lernen. So stellte sich im Nachhinein heraus, dass beide Seiten einiges nicht voneinander wissen.

Wichniarek hatte fünf Monate keinen Elfmeter mehr geschossen

Wichniarek war neu, warum Cicero staunte, als ihm bei einer Elfmetersituation erneut der Ball aus der Hand genommen wurde. Das gleiche hatte der Brasilianer im September 2008 erlebt, als ihm im Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg Marko Pantelic den Ball aus den Händen stahl – und den Elfmeter prompt neben das Tor setzte. Cicero war auch gegen Union als Elfmeterschütze bestimmt. Als sich früh im Spiel diese Situation ergab, rief zunächst Dardai: „Artur, schieß du.“

Was die Herthaner nicht wussten. Wichniarek hat seit fünf Monaten keinen Elfmeter mehr geschossen, nachdem er am 15. Februar an HSV-Torwart Frank Rost gescheitert war (Endstand 0:2). Deshalb, so Herthas Neuer, habe er erst mal abgewinkt. Als aber Kapitän Friedrich das Spielgerät Wichniarek in die Hand drückte, „hatte ich auf einmal Druck“. Als der Ball schließlich hinter Union-Torwart Jan Glinker zum 1:0 im Netz einschlug, „war ich schon erleichtert“. Wichniarek weiß um die Skepsis, die seine Rückkehr nach Berlin umgibt. Deshalb lobte er die Solidarität der Kollegen. „Großes Kompliment, die Kollegen wollen es mir einfach machen.“

Wie Herthas Sturm künftig aussehen könnte

Überhaupt lässt sich am Sturm ablesen, wie der Hertha-Weg für 2009/10 aussehen kann. Mit Marko Pantelic und Andrej Voronin sind zwei namhafte Angreifer gegangen. Um die Nachfolge wetteifern mit Wichniarek, Raffael (24), Valeri Domovchiyski (22) und Amine Chermiti (21) vier Kandidaten. Beim 5:3 waren alle erfolgreich: Wichniarek doppelt, die anderen je einmal. „Es ist sehr positiv, dass alle Stürmer getroffen haben, gerade nach den Abgängen von Pantelic und Voronin“, sagt Kapitän Friedrich. Trainer Lucien Favre beschäftigt sich mit der Vergangenheit nicht mehr, die Signale seiner Offensive nimmt er jedoch mit Wohlwollen zur Kenntnis. „Der Kampf um die Plätze läuft.“

Die interne Stimmung beschreibt Chermiti. „Mir geht es so wie den anderen: Ich will zeigen, dass ich bereit bin.“ Der tunesische Nationalspieler hatte freiwillig seinen Urlaub verkürzt. Wie beurteilt er die Aktion von Friedrich, Wichniarek den Elfmeter zu schenken? Chermiti: „Das hilft Artur, sich schneller in die Mannschaft zu integrieren. Das finde ich gut.“ Hertha hat nicht die finanziellen Mittel wie manch anderer Konkurrent. Deshalb wird für diese Mannschaft der Zusammenhalt wichtig. Wie es um den Teamgeist bestellt ist, erzählt Chermiti. Zuerst seien die anderen Stürmer Teamkollegen, erst in zweiter Linie Konkurrenten im Kampf um die Stammplätze. Bundesliga, DFB-Pokal, Europa League – Hertha wird auf drei Hochzeiten tanzen und jeden Stürmer im Kader brauchen.

Die Zweifler unter den Hertha-Fans will Wichniarek mit Arbeit und Leistung überzeugen. Das weiß auch Präsident Werner Gegenbauer. „Artur wird Vorbehalte zu überwinden haben. Aber er hat unbestreitbare Qualitäten, die in Berlin beim ersten Mal nicht zum Tragen kamen. Wenn er diese Schmach seiner Karriere ausbügeln will und der Trainer ihm die Chance dazu gibt, ist das die ideale Konstellation für Hertha.“

Und Cicero? Der soll sich keine Sorgen um seinen Stellenwert machen, sagt Wichniarek. In der Pause der Union-Partie war der Pole zum Brasilianer gegangen und hatte ihm versichert: „Keine Bange, in der Bundesliga bist du unser Elfmeterschütze.“