Hertha BSC

Mittelfeldspieler Lucio kämpft um seine Karriere

Nach fast zwei Jahren Verletzungspause muss Herthas Brasilianer beweisen, dass er der Bundesliga noch gewachsen ist. Der 30-Jährige kämpft. Doch ob Lucio in der neuen Saison über Kureinsätze hinaus kommen wird, ist trotz seines Willens und Fleißes unklar.

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Inneneinrichter hätten Lucio dringend von seiner Idee abgeraten. Der Mittelfeldspieler von Hertha BSC hat sich in seinem Zuhause in Charlottenburg ein Multifunktionsgerät zum Krafttraining aufgestellt. Nicht gerade der schmuckvollste Wohngegenstand, aber das ist dem Brasilianer egal. Ihm geht es allein um die Zweckmäßigkeit. "Ich arbeite zu Hause regelmäßig an dem Gerät, um Muskulatur aufzubauen", sagt er. Vor allem an den Oberschenkeln und Waden wolle und müsse er noch zulegen. Als er das sagt, blickt er auf seine dünnen Beine hinunter. Zunächst etwas kritisch, dann lächelt er. "Natürlich muss ich noch einiges machen, aber es geht voran."

Der 30-Jährige kämpft um seine Rückkehr in die Mannschaft. Jeden Tag. Vor 21 Monaten ging in seinem rechten Knie so gut wie alles kaputt, was kaputt gehen kann. Am 8. Spieltag der Saison 2007/2008 lieferte sich Lucio im Spiel bei Schalke 04 (0:1) einen Zweikampf mit Peter Lövenkrands. Beim unglücklichen Zusammenprall mit dem Gegenspieler wurden sein vorderes Kreuzband, die Patellasehne, der Meniskus und das Innenband beschädigt. Bereits am nächsten Tag operierten ihn die Ärzte in einer Klinik. "Man muss sich nicht darüber unterhalten, ob er ein oder zwei Monate früher oder später zurückkehrt, sondern ob er überhaupt wieder zu hundert Prozent Spielfähigkeit erlangt", sagte Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher damals. Vieles deutete auf ein vorzeitiges Karriereende hin.

Training auch im Urlaub

Doch Lucio gab nicht auf. Bis zu sieben Stunden täglich arbeitete er in den vergangenen Monaten mit Herthas Physiotherapeuten an seiner Genesung. Ganz so zeitintensiv sei die Reha inzwischen nicht mehr, "aber wir machen weiterhin viel." Auch in seinem Urlaub in Brasilien während der jüngst zu Ende gegangenen Sommerpause trainierte er. Dass es sich lohnt und Lucio auf einem guten Weg ist, bewies er bereits in der Endphase der vergangenen Saison. Im Spiel gegen den VfL Bochum (2:0) wechselte ihn Trainer Lucien Favre nach 589 Tagen Verletzungspause ein. Es war einer der emotionalsten Momente der Spielzeit. Insgesamt stand er in den letzten Partien der abgelaufenen Saison 32 Minuten auf dem Spielfeld. "Wie sich Lucio zurückkämpft, ist wirklich sehr beeindruckend. Uns freut das enorm", sagt Manager Michael Preetz.

Nach seiner Leidenszeit ist Lucio ein gefühlter Zugang. Ob er in der neuen Saison allerdings über Kureinsätze hinaus kommen wird, ist trotz seines Willens und Fleißes unklar. Fest einplanen wollen die Verantwortlichen ihn noch nicht. "Wir müssen abwarten. Er muss jetzt durch die Vorbereitung kommen, dann sehen wir weiter", so Preetz. In jedem Fall werde Lucio Möglichkeiten erhalten, sich zu zeigen.

In den kommenden Wochen geht es für den Südamerikaner um seine Zukunft. In Berlin steht er bis 2011 unter Vertrag. Hertha hat kaum Geld für Alternativen. Dennoch muss Lucio beweisen, dass er der Herausforderung Bundesliga immer noch gewachsen ist. In den vergangenen Monaten spürten Trainer und Mitspieler seine Angst. Angst, mit vollem Risiko in Zweikämpfe zu gehen, Angst, sich erneut zu verletzen. Nach seiner langen Pause so verständlich wie hinderlich. "Die Angst ist jetzt weg. Ich fühle mich perfekt", sagt Lucio. Sein Trainer bestätigt das. "Er macht sich gut und braucht keine Zeit mehr. In den Testspielen wird er zum Einsatz kommen."

Zehn Bundesligaspiele für Hertha

Seit er vor zwei Jahren für 1,75 Millionen Euro vom brasilianischen Klub Gremio Porto Alegre zu Hertha gewechselt ist, hat Lucio gerade einmal zehn Mal für Hertha in der Bundesliga gespielt. In seinen sieben Spielen vor der Verletzung bereitete er drei Tore vor und erzielte einen Treffer. "Er hat damals gut gespielt", erinnert sich Preetz. Lucio brennt darauf, diese Statistik auszubauen. "Ich gebe alles. Alles Weitere", sagt der Brasilianer, "entscheidet jetzt der Trainer."