Andre Lima

"Ich will meinen Vertrag bei Hertha erfüllen"

Andre Lima war, so hart das klingt, ein Fehleinkauf für Hertha BSC. Für 3,5 Millionen Euro wechselte der 24 Jahre alte Brasilianer vor zwei Jahren von Botafogo nach Berlin, absolvierte aber nur 16 Spiele für Hertha. Bislang ist er an den FC Sao Paulo ausgeliehen. Hertha will den Stürmer verkaufen, findet aber keine Interessenten. Wie sich das anfühlt, erklärt Lima im Interview mit Morgenpost Online.

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/Wander_Roberto/Vipcomm/ITS_Press

Morgenpost Online: Herr Lima, wie bewerten Sie Ihre Zeit beim FC Sao Paulo?

Andre Lima: Sehr positiv. Ich war Teil der Mannschaft, die brasilianischer Meister geworden ist und habe meinen Namen in der Geschichte des Klubs verewigt.

Morgenpost Online: Viele Spiele haben Sie in den vergangenen zwölf Monaten aber nicht absolviert.

Andre Lima: Mein Vertrag endet in Kürze. Bis dahin hoffe ich, noch zu einigen Einsätzen zu kommen. Gerade zu Anfang hatte ich eine gute Phase. Nach einem Monat, in dem ich noch nicht spielberechtigt war, hatte ich vier richtig gute Spiele hintereinander und schoss gleich im ersten davon zwei Tore. Dann habe ich leider meinen Platz in der Stammelf verloren und saß die meiste Zeit auf der Bank.

Morgenpost Online: Warum?

Andre Lima: Wie sagt man: Im Fußball gibt es gewisse Dinge, die sind, wie sie sind, und wir können sie nur akzeptieren. Während der Saisonpause hatte ich verschiedene Wechseloptionen, aber entschied mich dazu, in Sao Paulo zu bleiben. Während der Vorbereitung arbeitete ich so hart ich kann, aber kam trotzdem nicht mehr regelmäßig zum Einsatz.

Morgenpost Online: Ihre Rückkehr nach Berlin steht bevor. Glauben Sie, dass es bei Hertha für Sie besser laufen würde?

Andre Lima: Ich weiß, dass der Klub angefragt hat, ob Sao Paulo mich behalten möchte. Sie wollen mich verkaufen, und Präsident Juvenal Juvencio hat signalisiert, dass er mich gern behalten möchte. Trotzdem ist es meine erste Priorität, in den letzten Tagen so gut es geht für Sao Paulo zu spielen. Danach komme ich nach Berlin zurück.

Morgenpost Online: Mit welcher Absicht?

Andre Lima: Weil ich es wirklich will. Ich habe größten Respekt vor Hertha. Ich wollte den Klub vor einem Jahr noch nicht einmal verlassen, aber habe es getan. Jetzt ist es mein Wunsch, wieder das Hertha-Trikot zu tragen und neue Geschichte zu schreiben.

Morgenpost Online: Warum sind Sie dann überhaupt nach Brasilien zurückgegangen?

Andre Lima: Niemand kannte die wahren Hintergründe, als ich ging. Manche Zeitungen verbreiteten das Gerücht, ich wolle nie mehr für Hertha spielen – alles Unsinn.

Morgenpost Online: Was war dann der Grund?

Andre Lima: Meine neu geborene Tochter Agatha hatte erhebliche Probleme mit der Atmung. Zehn Tage nach ihrer Geburt kam sie auf die Intensivstation und blieb dort für einen Monat. Die Ärzte sagten: Wenn Sie wollen, dass die Kleine überlebt, wird sie ein Jahr in Brasilien bleiben müssen, damit sich ihr Immunsystem entwickeln kann. Noch einmal: Das war nicht was ich wollte, aber ich habe nicht eine Sekunde gezögert, um meine Heimkehr zu kämpfen. Ich war einfach außerstande, in Deutschland zu trainieren und Fußball zu spielen, während in Brasilien das Leben meiner Tochter auf dem Spiel stand.

Morgenpost Online: Kürzlich hieß es, Hertha wolle Sie als Spielmasse in einem Transfer von Lucas Barrios einsetzen, der für den chilenischen Klub Colo Colo spielt.

Andre Lima: Von solchen Dingen weiß ich nichts. Mit mir hat darüber niemand gesprochen. Ich spiele für Sao Paulo und habe noch zwei Jahre Vertrag in Berlin – und das letzte Wort in allem, was mit mir geschieht, habe sowieso ich.

Morgenpost Online: Und Sie wollen für Hertha spielen?

Andre Lima: So ist es. Ich will meinen Vertrag erfüllen. Ich will Hertha das zurückgeben, was sie in mich investiert haben – und ich sehe gute Chancen dafür. Ich weiß, dass der Klub Marko Pantelic und Andrey Voronin abgegeben hat und jetzt praktisch ohne Alternativen im Angriff ist. Da könnte ich helfen. Ich werde hart dafür arbeiten und meinen Platz im Team finden.

Morgenpost Online: Gab es in der Zeit in Brasilien Kontakt zu anderen Vereinen?

Andre Lima: Leute von Hannover 96 waren zu Besuch und wir haben miteinander gesprochen. Sie sagten nicht konkret, dass sie mich wollen, aber was weiß man schon im Fußball.

Morgenpost Online: Ohnehin ist nur Berlin Ihr Ziel. Es heißt, Sie suchen bereits nach einer neuen Wohnung?

Andre Lima: Es stimmt, eine Vertrauensperson kümmert sich um die Sachen, die ich vor einem Jahr zurückgelassen habe, unter anderem ein Auto. Wie ich höre, hat diese Person ein paar hübsche Fleckchen ausfindig gemacht, die ich mir ansehen soll. Ich will definitiv zurück nach Berlin. Meine kleine Tochter ist nun über ein Jahr alt und wieder ganz gesund, die ältere ist vier. Meine Frau spricht inzwischen fließend Englisch, das ist von Vorteil. Mein Ziel ist es, noch zwei, drei, fünf oder wie viele Jahre auch immer für Berlin zu spielen. Ich weiß, dass ich das Potenzial habe, dem Klub zu helfen.