Hertha BSC

Joe Simunic ist von Trainer Favre enttäuscht

Herthas Innenverteidiger Joe Simunic erfuhr aus Zeitungen, dass Trainer Lucien Favre an den künftigen Leistungen des Spielers zweifelt. Das kam für den Kroaten überraschend. Damit scheint sein Weggang aus Berlin besiegelt.

Foto: ddp / DDP

Die Urlaubsstimmung ist verflogen. Josip Simunic verbringt die Sommerpause in seiner Heimat Kroatien, um sich von der vergangenen Saison zu erholen und Kraft für die neue zu sammeln. Dort durchblättert der Innenverteidiger von Hertha BSC auch deutsche Zeitungen und Zeitschriften. Eigentlich ein netter Zeitvertreib, doch bei der jüngsten Lektüre wurde er wütend. Er las, dass Lucien Favre Zweifel an ihm hat. Herthas Trainer sei unsicher, ob Simunic auch in der Zukunft so starke Leistungen bringen kann wie in den vergangenen Monaten. Der 31-Jährige war geschockt. Für ihn kam diese Einschätzung überraschend.

Der Nationalspieler reagierte und besprach sich mit seinem Berater Gordon Stipic. Nach einigen Tagen entschieden sie gemeinsam, dass Simunic Berlin verlassen möchte. „Wir haben die Situation analysiert, in sportlicher und vor allem auch in menschlicher Hinsicht. Die Einschätzung von Favre hat uns in unserer Einschätzung bekräftigt. Das ist keine Basis für eine gute Zusammenarbeit. Joe muss weg“, sagte Stipic Morgenpost Online.

In den kommenden Tagen will er darüber mit Herthas neuem Manager Michael Preetz sprechen. In dem Gespräch wird es vor allem um die Ablösesumme gehen. Bis zum 30. Juni kann Simunic den Verein für die in seinem bis 2011 gültigen Vertrag festgeschriebene Summe von sieben Millionen Euro verlassen. Stipic dürfte nun versuchen, diese zu drücken. „In dieser Hinsicht besteht Gesprächsbedarf“, sagte der Berater.

Hertha will sich mit weniger als sieben Millionen allerdings nicht begnügen. „Die Ablösesumme ist klar“, sagte Preetz. Ohnehin wollen er und Favre Simunic halten. „Josip ist für Favre ein wichtiger Spieler. Er hat sich immer wieder lobend über ihn geäußert.“ Der Trainer plane mit Simunic.

Simunic wäre er der dritte Abgang mit großem Namen

Ganz so einfach ist das Thema für die Verantwortlichen allerdings nicht. Hertha benötigt dringend Geld, muss einen Transferüberschuss von fünf Millionen Euro erzielen und hat neben Simunic kaum Spieler, die gewinnbringend zu verkaufen sind. Andererseits müssten die Verantwortlichen im Falle eines Abgangs des Leistungsträgers zeitnah für Ersatz sorgen. Nach den Stürmern Marko Pantelic und Andrey Voronin wäre er der dritte Abgang mit großem Namen. Mit den geringen finanziellen Mitteln einen solch erfahrenen Profi zu verpflichten, ist eine Herausforderung.

Zwischen Simunic und Favre wieder ein gutes Verhältnis herzustellen, wäre allerdings nicht weniger schwer. Der Verteidiger ist sehr enttäuscht darüber, dass der Trainer Zweifel an ihm hat. Simunic ist sensibel. Favres Bedenken wertet er als Respektlosigkeit, die seine Ehre verletzt. Der stolze Routinier braucht das Vertrauen des Trainers, um sein Potenzial auszuschöpfen. Er ist sich unsicher, ob dieses Vertrauen noch vorhanden ist.

Dabei hatten sich der Fußball-Lehrer und der Abwehrspieler zuletzt gut verstanden. Unter Favre entwickelte sich Simunic zu einem der konstantesten Herthaner – trotz anfänglicher Skepsis des Schweizers. Zu Beginn seiner Amtszeit vor zwei Jahren hatte er Simunic abgeben wollen. Auf DVD hatte sich der Fußball-Lehrer Hertha-Spiele angesehen und war nach der Analyse zu dem Entschluss gekommen, dass Simunic sich zu viele Aussetzer leistet.

Doch Favre gelang es, mit Simunic erfolgreich an dessen Schwächen zu arbeiten. Somit ist es auch des Trainers Verdienst, dass zahlreiche Experten Simunic als einen der besten Innenverteidiger der Bundesliga loben. „Seit Favre da ist, verstehen viele von uns Fußball ein bisschen mehr“, lobte der Kroate im Frühjahr. Er sei der erste Trainer gewesen, der an ihm gezweifelt hat. „Aber seine Kritik hat mich motiviert.“ Jetzt offenbar nicht mehr. Bislang hatte der Verteidiger ausdrücklich auf einen Wechsel nach England gehofft. Die Premier League reize ihn ungemein. Inzwischen kann sich Simunic aber auch einen Wechsel innerhalb der Bundesliga vorstellen. Neben einem englischen und zwei spanischen haben zwei deutsche Klubs Interesse.