Finanzverträge

Hertha BSC ist in einer schwierigen Lage

Herthas neuer Geschäftsführer Michael Preetz will aus Hertha BSC einen Spitzenclub machen. Doch dafür ist Geld nötig. Der Verein aber muss sparen. Morgenpost Online gibt einen Überblick über Herthas Verbindlichkeiten.

Auch die beliebtesten Sprichwörter treffen nicht immer zu. "Der König ist tot, lang lebe der König" – so einfach wird das nicht mit der Zukunft von Hertha BSC. Dieter Hoeneß hat den Verein nach über zwölf Jahren verlassen. Im hektischen Profigeschäft ist das eine gefühlte Ewigkeit. Der neue König, um im Bild des Sprichwortes zu bleiben, heißt Michael Preetz. Die Verehrung, die Hoffnungen werden vom alten auf den neuen Regenten übertragen – so wird es dieser Tage vielfach dargestellt. Doch die Lage im Königreich Hertha ist komplizierter. Egal, wer beim Fußball-Bundesligisten die Geschicke lenkt: Die Lage ist schwierig.

Auch wenn die Öffentlichkeit nach der überraschend starken Saison für 2009/10 auf die Champions League hofft und ein wenig vom Titel träumt – die Nachfolger von Manager Hoeneß werden erstaunt sein, wie wenig Spielraum sie haben. Und wie erschreckend groß die Sachzwänge sind.

Der Sportfive-Vertrag

Der Klassiker unter Herthas Partnern. Im Januar 2008 wurde die 15. Ergänzungsvereinbarung mit dem Rechtevermarkter aus Hamburg abgeschlossen. Der Vorteil für Hertha: Damals wurde ein Signingfee von 25 Millionen Euro vereinbart, auszuzahlen in drei Raten – 2008, 2011 und 2013. Doch der Klub benötigte die Mittel sofort und verkaufte die Tranchen von 2011 und 2013 an die Commerzbank. So konnte Hertha 2008 direkt investieren: 15 Millionen nutzte der Verein, um seine Verbindlichkeiten abzubauen. Zehn Millionen wurden in die Mannschaft gesteckt und bildeten den Grundstock für den Erfolg der vergangenen Saison. Unter anderem wurden die Profis Raffael, Gojko Kacar, Amine Chermiti und Maximilian Nicu verpflichtet.

Der Nachteil: Hertha ist bis 2018 an Sportfive gebunden. Mit Ausnahme von Ausrüster Nike und zwei weiteren Partnern, die ihre Verträge direkt mit dem Bundesligisten abgeschlossen haben, überlässt Hertha Sportfive die exklusive Vermarktung. Die Hamburger verdienen nicht nur bei Sponsoren, die gewonnen werden, sie profitieren vor allem an den TV-Geldern. Von 2009 bis 2014 erhält Sportfive abnehmend von 16 bis sechs Prozent an den Einnahmen aus den Bundesliga-Geldern.

Startet Hertha zwischen 2014 und 2018 in der Champions League, fließen gar 20 Prozent des TV-Geldes an die Agentur. Qualifizieren sich die Berliner zwischen 2014 und 2018 nicht für die Königsklasse, verlängert sich der Vertrag sogar bis 2019.

Wie Hertha kooperieren noch sechs weitere deutsche Erstligisten mit Sportfive, alle übrigen Teams haben entweder einen anderen Partner, in jedem Fall aber gleichfalls langfristige Verpflichtungen übernommen. Der FC Schalke 04 etwa muss bis 2026 insgesamt 85 Millionen Euro für eine Schechter-Anleihe zurückzahlen. Es geht aber auch anders: Neben dem FC Bayern vermarktet sich zu weiten Teilen auch Borussia Mönchengladbach in Eigenregie – und spart sich die Provisionen.

Die Volksbank-Anleihe

Im Dezember 2004 hat Hertha BSC bei der Volksbank eine sogenannte Inhaber-Teilschuldverschreibung herausgebracht. Der Verein hat sich auf diesem Weg sechs Millionen Euro geliehen. Diese Summe ist zuzüglich Zinsen von rund fünf Prozent im Dezember 2010 zurückzuzahlen und im Liquiditätsplan der Saison 2010/11 vorgesehen, bestätigte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller Morgenpost Online. Diese 6,3 Millionen Euro werden nicht in die Entwicklung der Mannschaft investiert werden können. Möglich ist nach erfolgter Rückzahlung aber die prompte Neuauflage einer Inhaber-Teilschuldverschreibung, denn, sagt Schiller: "Dieses Modell war ein Erfolg."

Die Genussscheine

Wie Morgenpost Online berichtete, hat Hertha BSC im Dezember 2007 Genussscheine ausgegeben und im Gegenzug vier Millionen Euro von der "F.U.G.E. Beteiligungen GmbH & Co KG" aus Berlin erhalten. Hertha hat stattliche Zinsen eingeräumt: 214.000 Euro wurden für Platz zehn in 2007/08 fällig, für Rang vier in diesem Jahr gar 360.000 Euro. Auch wenn Hertha nur zahlen muss, wenn freies Eigenkapital vorhanden ist, addieren sich diese Summen. Zudem können die vier Millionen von F.U.G.E. ab 2016 zurückgefordert werden.

Insgesamt hat das Präsidium die Ausgabe von Genussscheinen im Wert von zehn Millionen Euro genehmigt, sechs Millionen stünden demnach noch zur Verfügung; Geld, das Hertha gut tun würde. "Aber wir lesen jeden Tag in den Zeitungen, wie die Zeiten sind", sagt Präsident Werner Gegenbauer: "Es ist vernünftig, ohne eine zusätzliche Platzierung zu planen."

Die Banken-Verträge

Der Banken-Vertrag vom März 2006 war der wichtigste Schlüssel, für das Überleben des damals mit 54 Millionen Euro verschuldeten Bundesligisten. Die Verbindlichkeiten sind mittlerweile gesenkt auf rund 33,5 Millionen Euro. Hertha hat mit drei Kreditinstituten (Deutsche Bank, Deutsche Kreditbank, Landesbank Berlin) langfristige Verträge über eine Kreditlinie von 24 Millionen Euro vereinbart. Die Laufzeit der Verträge variiert zwischen 2010 und 2013. Als Sicherheit an die Banken verpfändete der Verein 25,1 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co KG, Ansprüche an den Verträgen mit Rechtevermarkter Sportfive, Ausrüster Nike sowie aus TV-Einnahmen.

Finanzchef Schiller betont stets, Hertha könne mit dem bestehenden Schuldenstand gut leben: "Die Höhe der Verbindlichkeiten sagt nichts aus über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Vereines." Doch das ist nur der eine Teil der Wahrheit. Die vorgenannten Episoden belegen, wie langfristig sich Hertha an seine Partner gebunden hat, und warum es wenig realistisch ist, dass sich im kommenden Jahrzehnt eine echte Topmannschaft aufbauen und finanzieren lassen wird. Selbst nach Spielzeiten wie der vergangenen, in denen Hertha sportlich wie wirtschaftlich sämtliche Planzahlen übererfüllt, muss weiter gespart werden – ein verdammt schweres Erbe.

Mitarbeit: sto

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