Geldanlage

Hertha gibt geheimem Anleger bis zu 25 Prozent Zinsen

Viele Menschen haben viel Geld verloren in der Wirtschaftskrise. Doch es gibt Investments, die sich lohnen. Etwa für jene Personen, die Hertha BSC im Dezember 2007 vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben. Der Bundesligist hat Genussscheine über diese Summe aufgelegt. Und so kann ein Sieg in Karlsruhe 800.000 Euro bringen.

Seit Investoren im Dezember 2007 Hertha BSC vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt und Genussscheine über diese Summe gezeichnet haben, verfolgen sie das Abschneiden des Berliner Bundesligisten mit höchstem Interesse. Ihre Verzinsung ergibt sich daraus, wie erfolgreich Hertha eine Saison beendet.

Die ausgehandelte Zinsstaffel ist sehr lukrativ. Sollte Hertha nach der Partie in Karlsruhe Platz vier belegen, verzinsen sich die Genussscheine immerhin um neun Prozent. Bei vier Millionen Euro ergibt das 360.000 Euro. Gelingt Platz drei, gibt es zwölf Prozent Zinsen (480.000 Euro). Sollte Hertha die Qualifikation zur Champions League überstehen, steigen die Erträge auf 15 Prozent (600.000 Euro). Noch attraktiver ist Platz zwei, in diesem Fall sind 20 Prozent (800.000 Euro) fällig. Im Meisterschafts-Fall wären gar 25 Prozent fällig.

Das sind Zinssätze, wie sie im normalen Wirtschaftsleben kaum anzutreffen sind. Nun ist zwar bei Hertha das Geld knapp, doch die Fans müssen nicht fürchten, dass Investoren mit Summen bedient werden, die der Mannschaft künftig fehlen. So hat Hertha bei Zeichnung der Genussscheine folgendes vereinbart: Der Klub zahlt dieses Geld nur, wenn dafür sogenanntes „freies Eigenkapital“ vorhanden ist. Anders gesagt: Da Hertha diese Saison ohne nennenswerten Gewinn beenden wird, steht dem Investor eine Vergütung zwischen 360.000 und 800.000 Euro zu – die Auszahlung wird aber verschoben.

So lukrativ die Zinsstaffel anmutet, hat der Geldgeber jedoch auf viele Sicherheiten verzichtet. Die vier Millionen Euro stehen mindestens bis 2016 zur Verfügung. Zinsgewinne begleicht der Klub, wenn er die finanziellen Mittel dafür hat. Dieser Modus gilt auch für die Zurückzahlung. „Das zeigt, dass da jemand sehr viel Vertrauen in Herthas Zukunftsfähigkeit hat“, sagt Herthas Finanzchef Ingo Schiller.

Doch wer hat gezeichnet?

Bleibt die Frage: Wer hat die Genussscheine gezeichnet? Der Verein ist bei diesem Thema verschwiegen. Schiller: „Wir haben Vertraulichkeit vereinbart.“

Nach Unterlagen, die der Berliner Morgenpost vorliegen, hat Hertha BSC die Vereinbarung am 14. Dezember 2007 mit der „F.U.G.E. Beteiligungen GmbH & KG“ geschlossen. Zweck der Gesellschaft laut Handelsregister: „Verwaltung eigenen Vermögens, insbesondere der Beteiligung an anderen Unternehmen“. Als Geschäftsführer ist Dr. Lutz Mackebrandt ausgewiesen, ein angesehener Wirtschaftsexperte aus Berlin. Eines seiner Fachgebiete: Transaktionsbegleitung.

Gratulationen für das gelungene Investment bei Hertha BSC wollte Mackebrandt nicht entgegennehmen. Er sei zur Verschwiegenheit verpflichtet. „Der oder diejenigen Kommanditisten möchten nicht öffentlich werden.“ Als Kommanditist ist im Handelsregister ein Notar eingetragen (Name der Redaktion bekannt) . Man darf spekulieren, dass der Anwalt nur ein Mandat für den tatsächlichen Geldgeber ausübt.

Dass die gesamte Konstruktion vorrangig deshalb gewählt wurde, um Hertha BSC zu unterstützen, bestätigt Mackebrandt indirekt: Der Geldgeber lege Wert auf Zurückhaltung. Der Name F.U.G.E sei „mehr oder weniger ein Phantasiename“. Der Auftraggeber, so Mackebrandt, handele nach dem Motto „Tue Gutes und rede nicht darüber“. Man darf vermuten, dass der Zeichner der Genussscheine ein hochrangiger Hertha-Verantwortlicher ist oder aus dessen unmittelbaren Umfeld stammt.

Nun erwarten Hertha nicht nur Ausgaben, vom Ausgang dieser Saison hängen auch Einnahmen ab. Mit Hauptsponsor Deutsche Bahn ist vereinbart, dass der Klub neben 7,5 Millionen Euro Grundbetrag eine 500.000-Euro-Prämie erhält, egal ob die Europa League oder die Champions League erreicht wird.

Nike zahlt bis zu 2,5 Millionen

Differenzierter ist die Vereinbarung mit Ausrüster Nike. Für die Europa League gibt es einen Zuschlag von 1,25 Millionen Euro, für die Champions League doppelt so viel: 2,5 Millionen Euro. Damit nicht genug: Der Sockelbetrag, den der Sportartikel-Hersteller überweist, hängt vom Abschneiden der Vorsaison ab. Als Tabellen-Zehnter in 2007/08 mussten sich die Blau-Weißen in diesem Spieljahr mit 2,15 Millionen Euro begnügen. Für 2009/10 steigt die Basis in jedem Fall an: Für die Plätze drei bis fünf gibt es drei Millionen Euro. Wird Hertha morgen in Karlsruhe Vizemeister, erhöht sich die Summe auf 3,5 Millionen. Und der Zeichner der Genussscheine freut sich mit.