"Das Präsidium muss zurücktreten"

Heinz Troschitz (61), kritisches Vereinsmitglied und Vorsitzender des Spandauer Mietervereins, fordert den Rücktritt des Präsidiums und des Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Schiphorst.

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Morgenpost-Sportchef Stefan Frommer und Ex-Fußballprofi Marko Rehmer diskutieren im "Querpass"-Talk mit dem Vereinsmitglied Heinz Troschitz die Misere bei Hertha BSC Berlin. Und warum Troschitz Manager Michael Preetz und Trainer Friedhelm Funkel für unqualifiziert hält, den Verein aus dem Tief zu führen.

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Herr Troschitz, Sie gelten als der Hertha-Rebell, der am liebsten alle stürzen möchte. Den Präsidenten, den Manager, den Trainer. Warum alle?

Heinz Troschitz: Es geht um den Verursacher der aktuellen Situation. Und das ist ohne Zweifel die Vereinsführung, in erster Linie der Präsident. Ich bin kein Rebell und schon gar kein Oppositionsführer. Mein Klub soll in der ersten Liga bleiben, darum geht es mir. Das ist inzwischen leider unrealistisch. Deswegen brauchen wir eine gute Mannschaft an der Spitze, die sofort den Wiederaufstieg leisten kann. So wie im Moment geht es nicht.

Sie sagten kürzlich, die Führung habe jämmerlich versagt.

Heinz Troschitz: Die vergangenen zwölf Jahre waren eine recht erfolglose Zeit für Hertha. Manche bestreiten das, weil wir in der Champions League und Vizemeister waren. Aber Fakt ist doch: Wir waren seit 80 Jahren nicht mehr Deutscher Meister. Und wir sind die Hauptstadt, da erwarte ich mehr. Im DFB-Pokal sind wir oft gegen Drittligisten ausgeschieden. Die finanzielle Situation ist seit zehn Jahren alles andere als berauschend. Deswegen muss eine Neuerung her. Es gibt kompetente Menschen aus Politik und Wirtschaft, die den Klub nach vorn bringen können. Alles andere ist kontraproduktiv.

Mich hat gewundert, dass Sie schon im November so hart gegen die Führung geschossen haben.

Heinz Troschitz: Wir wollten wachrütteln. Ich habe schon am ersten Spieltag beim 1:0 gegen Hannover erkannt, dass die Mannschaft nicht die nötige Substanz hat. Die Abgänge von Simunic, Pantelic und Voronin wurden nicht kompensiert.

Aber sie musste der Klub verkaufen.

Heinz Troschitz: Die Zuschauer waren vergangene Saison aber doch immer da. Wenn dann nicht genug Geld vorhanden ist, ist etwas bei den Finanzen nicht in Ordnung. Das prangere ich im Wesentlichen an: Hertha ist seit Jahrzehnten nicht schuldenfrei. Der Finanzchef muss Schulden abbauen und Vermögen aufbauen. Dieter Hoeneß wurde als Manager bei uns gut bezahlt. Er hat als vielfacher Millionär die Stadt verlassen. Die aktuelle Situation resultiert auch aus seiner Hinterlassenschaft. In einem Vieraugengespräch habe ich unserem Präsidenten Werner Gegenbauer meine Hilfe angeboten. Er hat sie verweigert. Und nichts von unseren Vorschlägen umgesetzt. Stattdessen hat er sich im Präsidium verschanzt und versucht, das Ganze auszusitzen.

Sie betonen oft, dass Michael Preetz ein netter Kerl, aber kein guter Manager ist. Woran machen Sie das fest?

Heinz Troschitz: Er ist ein Sympathieträger, ich habe nichts gegen ihn. Aber für die Last des Managerpostens sind seine Schultern nicht ausreichend. Er tut mir furchtbar leid. Aber er hätte an verschiedenen Stellen durchgreifen müssen.

Was hätte er machen können? Drei wichtige Spieler konnte er nicht halten. Und für neue war kaum Geld da.

Heinz Troschitz: Das sehe ich völlig anders. Man hätte zusätzliche Sponsoren kriegen müssen. Und Simunic auf Gedeih und Verderb halten müssen. Der Präsident hätte hier die Notbremse ziehen müssen. Und wenn wir auf der Straße hätten sammeln müssen. Dasselbe gilt für Voronin. Hätten wir die beiden gehalten, wäre es nicht zu der Misere gekommen.

Wie geht es jetzt weiter? Gegenbauer ist bis 2012 gewählt, Preetz hat einen Vertrag bis 2012. Wollen Sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung?

Heinz Troschitz: Für die sind Unterschriften von zehn Prozent der Mitglieder nötig. Die kriegen wir so schnell nicht zusammen. Es gibt nur einen Weg: Das Präsidium muss zurücktreten. Und weil Bernd Schiphorst seine Aufsichtspflichten nicht wahrgenommen hat, wird es Zeit, dass auch er seinen Hut nimmt.