Hertha-Kapitän

Arne Friedrich kämpft um sein WM-Ticket

Arne Friedrich hat seinen Anteil daran, dass sein Verein Hertha BSC in den Keller der Bundesligatabelle gerutscht ist. Aber an seinem Selbstbewusstsein kratzt dies nicht. Vielmehr versucht der Kapitän alles, um sich dem Bundestrainer für die WM zu empfehlen – auf und neben dem Feld.

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Arne Friedrich ist der Kapitän von Hertha BSC, in guten Zeiten sogar Gesicht eines an Konturen recht schwachen Klubs. Aber er ist zugleich der prominenteste von gleich mehreren Spielern des Berliner Bundesligisten, die in dieser Saison reihenweise rätselhaft schwache Leistungen ablieferten und so ihren Anteil am Absturz des Vorjahres-Vierten hinunter auf den letzten Tabellenplatz hatten.

Wer also ist dieser Arne Friedrich, wofür steht er in schweren Zeiten wie diesen? Zuletzt in Wolfsburg spielte der 30-Jährige bei Herthas rauschhaftem 5:1 gegen den Deutschen Meister vor den Augen seines Förderers Dieter Hoeneß groß auf. So groß, wie ein ambitionierter Klub wie Wolfsburg sich das von einem Innenverteidiger vorstellt. So groß auch, wie sie sich das bei Hertha öfter von ihrem Anführer wünschen würden.

„Insbesondere in der zweiten Halbzeit hat er das ausgespielt, was ihn einmal in die Nationalmannschaft gebracht hat“, lobt Geschäftsführer Michael Preetz den Angestellten Friedrich für dessen „offensive Akzente und mutige Vorstöße in die gegnerische Hälfte.“ Unausgesprochen bleibt, dass sie genau das lange vermisst haben.

Auch Bundestrainer Joachim Löw mag Abwehrspieler, die eine gute Spieleröffnung beherrschen. Und so fühlt sich Friedrich ziemlich sicher: „Ich gehe davon aus, dass ich bei der WM dabei bin.“ Dieser unverrückbare Glaube resultiert aus der Anwesenheit des Routiniers bei den jüngsten Prämienverhandlungen für die anstehenden Titelkämpfe. Außerdem müsse „nach tollen Jahren“ jetzt ja „mal eine schwierige Saison“ verzeihbar sein. „Löw weiß, dass ich das Fußballspielen nicht verlernt habe“, sagte Friedrich.

Stetige Kritik am Hertha-Kader

Es sind dies zentrale Sätze eines am Tag des Wolfsburg-Spiels bundesweit erschienenen Interviews. Selbstkritik, zu der Friedrich mit Blick auf das desaströse Tabellenbild im Saisonverlauf in internen Gesprächen wiederholt geraten wurde, wird da geübt – aber maßvoll. Eher schon steht eine Rechtfertigung zu lesen, weswegen der Name Friedrich auf der Liste der 23 deutschen WM-Fahrer zu stehen hat – obschon der potenzielle Status „Kapitän eines Absteigers“ eine recht zweifelhafte Empfehlung wäre.

Bei Hertha staunen sie längst nicht mehr über so viel Selbstbewusstsein. Nun sind die allermeisten Berufsfußballer in erster Linie Handlungsreisende in eigener Sache. Aber nicht aus Zufall rufen sie Friedrich im Klub hinter vorgehaltener Hand „die Ich-AG“. Allzu offensichtlich erscheint es mitunter, als agiere da einer vor allem zur Wahrung eigener Interessen.

Mal will Friedrich Abwehrchef sein, mal beklagt er das Fehlen eines ausreichend groß gewachsenen Nebenmannes. In ähnlicher Manier bemängelte Friedrich über zwei Drittel der Saison hinweg – genau genommen bis vor dem Urknall-Spiel von Wolfsburg – nach innen wie außen gleichermaßen die mangelhafte Qualität des Hertha-Kaders, gipfelnd in einer Aussage von vor eineinhalb Wochen, dass man sich „anständig aus der Saison verabschieden“ müsse. Ein 5:1 später bezeichnete er es als „Schande, dass wir mit dieser Mannschaft Letzter sind“.