Fußball-Bundesliga

Voronin und Pantelic verlassen Hertha BSC

"Leihstürmer" Andrey Voronin wird Hertha BSC nach eigenen Angaben verlassen und in der kommenden Saison wieder für den FC Liverpool stürmen, mit dem er noch einen Vertrag bis 2011 hat. Auch für Marko Pantelic endet die Zeit in Berlin - unfreiwillig.

Foto: AP

Als Diplomat taugt Andrey Voronin nur bedingt. Ob Freude, Hoffnung, Unverständnis oder Ärger: Welche Gefühlsregung auch immer gerade in dem Stürmer wohnt – der Ukrainer wird sie offen aussprechen. Das ist selten im Profifußball, aber keinesfalls unsympathisch. Für seine Rote Karte in Hannover zum Beispiel, die dem Angreifer von Hertha BSC drei Spiele Sperre eingebracht hat, entschuldigte er sich öffentlich und erzählte von dem Frust, der sich nach drei Niederlagen in Folge aufgestaut hatte.

Ebenso wenig ist Voronin ein begnadeter Pokerspieler. Einen langfristigen Verbleib bei Hertha BSC und in Berlin hatte der für ein Jahr vom englischen Rekordmeister FC Liverpool ausgeliehene Mann mit dem Zopf zur Herzensangelegenheit erklärt – doch genauso offen sagte er am Freitag nach dem Training: „Es sieht so aus, als ob ich nach Liverpool zurückkehre. Ich habe die Kartons schon bestellt. Ich ziehe Ende Mai aus der Berliner Wohnung – dann wäre der Mietvertrag ohnehin ausgelaufen.“

Kein konkretes Angebot aus Berlin

Damit erklärt Voronin von sich aus die Verhandlungen mit Hertha für beendet, ehe die je wirklich begonnen haben. Für die Anhänger der Blau-Weißen, bei denen er binnen Rekordzeit Kultstatus erlangt hat, mag das ein Schock sein – intern trifft die Entwicklung die Verantwortlichen keineswegs unvorbereitet. Manager Dieter Hoeneß hatte stets betont, dem wartenden Voronin erst dann ein konkretes Angebot vorlegen zu können, wenn auch dessen Finanzierung gewährleistet, sprich: Hertha für die Champions League qualifiziert ist.

Das aber war und ist nicht absehbar, daher orientiert der Profi sich nun vorerst zurück zu seinem alten Arbeitgeber. „Ja, es stimmt. Liverpool will den Spieler zurück. Und es bringt wohl auch nichts, noch länger auf ein konkretes Angebot von Hertha zu warten“, bestätigte am Freitag Berater Andrey Golovash der Morgenpost Online. „Wir haben Hertha alle Möglichkeiten gegeben, Andrey zu halten, und stets Wort gehalten und nicht mit anderen Vereinen gesprochen.“

Doch mehr als Absichtserklärungen war Hertha nicht in der Lage zu leisten, denn der Klub muss sparen. Der Personaletat reduziert sich um drei von bislang 31 auf künftig 28 Millionen Euro. Dazu ist ein Transferüberschuss von bis zu fünf Millionen Euro nötig. „So ist das eben in Zeiten der Finanzkrise, das verstehe ich“, sagt Voronin lapidar.

Es redet sich für ihn aber auch vergleichsweise leicht, Andrey Voronin (141 Bundesligaspiele, 48 Tore, davon elf für Hertha in der laufenden Saison) fällt beim Abschied aus Berlin sanft. In Liverpool hat er einen Vertrag bis 2011, der ihm vier Millionen Euro Brutto-Jahresgehalt garantiert. Und wollen ihn die Engländer doch nicht halten, spricht Berater Golovash von „einigen Angeboten“ für seinen Klienten, die er von nun an eingehend prüfen werde.

Der Serbe geht nicht freiwillig

Dann ist da noch die Geschichte von Marko Pantelic. Der Serbe, mit 44 Toren in 107 Bundesligaspielen Herthas torgefährlichster Angreifer der vergangenen Jahre, wird den Klub ebenso wie Voronin am Saisonende verlassen. Auch er geht nicht freiwillig, doch anders als sein Kollege weiß Pantelic noch nicht, wie seine Zukunft konkret aussieht. Ihm bleibt nur zu prophezeien, er müsse „keinem mehr etwas beweisen. Jeder Blinde kennt Marko Pantelic. Ich habe in vier Jahren so viel gegeben, das haben auch andere Vereine gesehen“.

Pantelics Dilemma ist aber sein Selbstverständnis: „Ich kann eigentlich nur zu einem Klub, der größer ist als Hertha und der immer um den Titel und in der Champions League spielt.“ Einen wie Liverpool etwa; doch bei den Arbeitgebern dieser Kategorie sind die Plätze knapp und einer wie Pantelic kaum ein Kandidat.

Da will es das Schicksal, dass der bei Hertha-Trainer Lucien Favre aufs Abstellgleis geratene Torjäger ausgerechnet dank Voronins Unbeherrschtheit in der Schlussminute des Spiels in Hannover (0:2) die Gelegenheit erhält, ein letztes Mal nachdrücklich auf sich aufmerksam zu machen.

Allerdings macht Trainer Favre da vor dem brisanten Spiel der Berliner am Sonntag gegen Werder Bremen (Olympiastadion, ab 17 Uhr im Morgenpost-Liveticker) nicht einfach so mit: Voronins Sperre ist nicht bedeutungsgleich mit Pantelics Rückkehr in die Anfangself.

„Ich weiß es noch nicht“, sagt Favre. Ja, Pantelic hat „gut trainiert“ – mit dieser Einschränkung des Trainers: „Wie alle anderen Spieler auch.“ Frühestens am Sonnabend, nach dem Abschlusstraining, will sich Favre in der Frage nach dem Voronin-Platzhalter im Angriff festlegen.