Hertha BSC

Torwart Christian Fiedler - 34 und vor dem Karriereende

Niemand spielt so lange für den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC wie Torwart Christian Fiedler. Heute feiert der 34-jährige seinen Geburtstag. Und muss sich wegen seiner Meniskus-Verletzung mit einem doch abrupten Karriereende auseinandersetzen. Dadurch gerät sogar sein größter Traum in Gefahr.

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Kuchen, Kerzen – und Krücken. Nicht allein der Gehhilfen wegen ist Christian Fiedlers Geburtstag kein gewöhnlicher. Aber sie sind ein nicht unerheblicher Teil des Problems, weswegen der Torhüter von Hertha BSC am Freitag keineswegs in allerbester Gemütslage 34 Jahre alt wird. An sich sollte Fiedler längst wieder auf dem Trainingsplatz stehen; ginge es nach ihm, gehörte er sogar wieder zum Kader des Berliner Bundesligisten. Nur verliefen die Dinge zuletzt so gut wie überhaupt nicht mehr nach den Vorstellungen des dienstältesten Herthaners, seit 1990 im Klub.

Das Dilemma begann in der siebten Minute des Testspiels gegen Newcastle United am 1. August 2008. Ein lauer Sommerabend auf der Deutschen liebsten Urlaubsinsel Mallorca geriet für Fiedler zum schwarzen Freitag. In seinem rechten Knie rissen Kreuzband und Meniskus. Sofort gab sich der Verletzte kämpferisch: "Ich komme wieder", sagte der Torhüter damals in der ihm eigenen Entschlossenheit – wer den Ehrgeiz des Berliners kannte, zweifelte nicht daran: Fiedler wird wiederkommen, wenn nötig, in Rekordzeit.

Die Realität ist eine andere. Siebeneinhalb Monate nach dem Unfall wächst die Gewissheit, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Fiedler ist nicht nur noch immer nicht zurückgekehrt, nein, er wird wohl nie mehr dorthin zurückkehren, wo er einmal war: Schon gar nicht ins Tor des Bundesligisten und wohl auch nicht in dessen Profikader. Ende vergangener Woche musste sich Fiedler erneut einer Operation am Meniskus unterziehen – "zwei bis drei Wochen", sagt Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher, wirft dieser Eingriff den Rekonvaleszenten im Aufbautraining zurück.

Wenngleich Schleicher betont, er sei "zuversichtlich, dass die volle Leistungsfähigkeit wiedererlangt wird", so tickt die Uhr doch gegen Fiedler. Neun Spiele sind es noch bis Saisonende, oder: noch acht Wochen. Fiedler hat den Traum, sein letztes Spiel im Olympiastadion zu bestreiten – wann immer das sein würde. "Durch die erneute OP", sagt Manager Dieter Hoeneß, "wird's knapp."

Dass die Karriere mit Mitte 30 dem Ende entgegengeht, ist ein biologisch unaufhaltsamer Prozess. Fiedler hat den Zahn der Zeit stets ignoriert. Dass er nicht mehr an Jaroslav Drobny (29) als Nummer eins im Tor von Hertha BSC vorbeikommen würde, hat er nie so recht akzeptieren wollen. Auch die ihm von seinem Arbeitgeber im vergangenen Sommer in Aussicht gestellte Perspektive einer Anschlussanstellung als Torwarttrainer war für Fiedler zunächst keine. Ja, er sah damals die sich bietende Berufschance – allein der Zeitpunkt kam dem ehrgeizigen Ballfänger zu früh.

Inzwischen ist das anders. Die schwerste Verletzung seiner Karriere hat Fiedlers gesamtes Denken verändert. Die für nach dem Winterurlaub angestrebte Rückkehr ins Teamtraining hat sich aufgrund der Spätfolgen der Verletzung bis heute nicht realisieren lassen.

Vom Kollegen zum Vorgesetzten

Offiziell will Fiedler noch nicht bestätigen, was er intern geäußert hat: Am Saisonende ist für ihn Schluss mit der aktiven Karriere. Mit der Konsequenz, dass er von der kommenden Saison an nicht länger Rivale von Drobny und den Talenten Christopher Gäng (20) und Sascha Burchert (19) ist, sondern deren Vorgesetzter. Er beerbt Enver Maric (60), der seit 1998 als Torwarttrainer für Hertha arbeitete und in den Ruhestand überwechselt. Schon letztes Jahr hatte der Bosnier diese Zukunftsplanung, ließ sich von Hertha aber zu einer weiteren nun letzten Saison im Amt überreden. Denn: Fiedler selbst sollte über den Zeitpunkt seines Jobwechsels entscheiden.

Die Annahme, dass es nun so weit ist, nährt diese weitere Aussage von Hoeneß: "Wichtiger als alles andere ist, dass Fiedel wieder voll belastbar ist – für was auch immer."