Bundesliga

Warum Hertha bloß nicht Dritter werden will

Champions League oder Europa League. Hertha BSC benötigt am Ende der Bundesliga-Saison ein klares Ergebnis - bloß nicht Platz 3 und Qualifikationsspiele für die Königsklasse. Damit wäre eine Finanz- und Kaderplanung nämlich vorerst unmöglich.

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Dank Tor-Garant Andrej Voronin hat Bundesliga-Spitzenreiter Hertha BSC seine Super-Heimserie ausgebaut und ist der ersten deutschen Fußball-Meisterschaft seit 1931 einen Schritt näher gekommen. Mit dem 1:0 über Bayer Leverkusen feierten die Berliner am Samstag im heimischen Olympiastadion ihren zehnten Heimsieg.

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Es war nur eine kurze Frage auf der letzten Präsidiumssitzung von Hertha BSC: Was würde es bedeuten, wenn die Berliner die Saison als Dritter beenden? Ingo Schiller, der für Finanzen zuständige Geschäftsführer, antwortete: „Dann würden wir in einem Hin- und Rückspiel um die Qualifikation für die Champions League spielen. Das hätte zur Folge, dass wir den Etat für die kommende Saison erst sehr spät anpassen könnten.“

Um genau zu sein: Alle Mannschaften wissen spätestens am 23. Mai, dem letzten Bundesliga-Spieltag, wohin die Reise geht. In die Champions League oder die Europa League, den bisherigen Uefa-Cup, oder gar nichts ins internationale Geschäft. Nur der Verein, der als Dritter einläuft, hat ein Vierteljahr Ungewissheit. Dieser Klub spielt erst am 18./19. und am 25./26. August um die Qualifikation für die Königsklasse. Somit ergibt sich eine kuriose Konstellation: Hertha ist zehn Runden vor Saisonende Überraschungs-Spitzenreiter. Mit Blick auf die vergangenen beiden Spielzeiten, die der Klub als Zehnter beendet hat, wäre Rang drei nach wie vor eine exzellente Leistung. Gleichwohl birgt diese Platzierung Unwägbarkeiten zwischen null und 15 Millionen Euro.

Das kommt so: Der Meister und der Vizemeister qualifizieren sich direkt für die Champions League. Das bedeutet Mehreinnahmen von mindestens 15 Millionen Euro. Dazu würde Hertha jeweils eine Million Euro Prämie von Trikotsponsor Deutsche Bahn und Ausrüster Nike kassieren. Mit diesem Geld könnte etwa Andrey Voronin gehalten werden, der derzeit bis Juni vom FC Liverpool ausgeliehen ist.

Nun hat Hertha zwar vier Zähler Vorsprung. Aber dahinter lauert ein dichtes Verfolgerfeld mit dem FC Bayern, demVfL Wolfsburg, dem HSV (alle 45) und Hoffenheim (43). Wer Vierter oder Fünfter wird, startet in der Europa League. Dieser Wettbewerb bietet den Klubs künftig mehr Spiele. Ob es aber auch mehr Einnahmen gibt, ist nicht sicher. So ist eine K.o.-Runde zu überstehen. Dann gibt es zwölf Vierer-Gruppen, die jeweils mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden. „Es kann sein, dass das ein Zuschussgeschäft wird“, sagt Finanzchef Schiller. „Bekommt man aber etwa den AC Mailand oder Galatasaray Istanbul zugelost, kann sich das auch lohnen.“

Für Herthas Planung heißt das: Vorab würde aus der Europa League mit einer Einnahme von null Euro kalkuliert. Es läuft nicht immer so gut wie in dieser Uefa-Cup-Saison: Da hat Hertha aus zehn internationalen Spielen ein Plus von 3,5 Millionen Euro erwirtschaftet.

Luxusprobleme, die nicht verdrängt werden

Die Verantwortlichen wissen längst um die Konstellation. Hertha hat als Tabellenführer die beste Ausgangsposition. Dennoch will der Verein sein Ziel nicht an die große Glocke hängen. Soll der Druck doch auf dem FC Bayern, auf Wolfsburg oder dem HSV lasten. Aber natürlich will Hertha Meister oder Vizemeister werden. Unbedingt soll Rang drei vermieden werden. Nicht nur, dass der Liga-Dritte erst sehr spät weiß, ob der Sprung in die Champions League gelingt. Sollte die Qualifikation am 26. August geschafft sein, bleiben nur fünf Tage für Verstärkungen. Die Transferliste im Sommer schließt am 31. August.

Manager Dieter Hoeneß sagt: „Probleme würde uns das schon bereiten. Allerdings sind das Luxusprobleme. Gedanklich gehen wir Alternativszenarien durch. Wir schieben das aber weit weg. Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, Dinge zu planen, die wir nicht planen können.“

Eines wird in Berlin nicht passieren: Sollte Hertha Dritter werden, wird vorab kein Geld ausgegeben, in der Hoffnung, schon in die Königsklasse zu kommen. Präsident Werner Gegenbauer sagt: „Wir verändern den Etat nur, wenn wir für die Champions League qualifiziert sind.“