Kommentar

Neue Fußball-Euphorie in der Hauptstadt

In diesem noch vorfrühlingshaften März 2009 ist auch in der Hauptstadt auf einmal möglich, was andernorts vollkommen selbstverständlich wäre: Das Bekenntnis zum Fußball, das Bekenntnis zu Hertha BSC.

Fußball ist immer dann besonders schön, wenn er begeistert. Wenn er die Massen euphorisiert. Wenig anderes lässt die Menschen so aus sich herausgehen wie Fußball. Nur in Berlin war der Weg bis zur Euphorie oft besonders schwer – bis jetzt. Auf einmal ist ganz Berlin stolz auf Hertha BSC.

Auf besondere Weise war dieses Mal vieles anders als sonst. Die Stationen eines nicht alltäglichen Sonnabends im Schnelldurchlauf: 10.30 Uhr, Anrufe erreichen die Sportredaktion der Morgenpost: Gibt es noch Karten? Macht es überhaupt Sinn, zum Olympiastadion zu fahren? Und das gegen Bayer, nicht gegen Bayern! 13.30 Uhr: Drei Männer in blau-weißen Kutten stehen auf der Grünfläche am Ernst-Reuter-Platz und schwenken eine überdimensionale Hertha-Fahne. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben. In diesem noch vorfrühlingshaften März 2009 ist auch in der Hauptstadt auf einmal möglich, was andernorts vollkommen selbstverständlich wäre: Das Bekenntnis zum Fußball, das Bekenntnis zu Hertha BSC. Stolz tragen die Fans die Farben des Vereins auch im Alltag – und sie singen von der Meisterschaft.

Es waren noch 20 Minuten bis zum Anpfiff, da intonierte die Ostkurve lautstark den Hit der Saison: „Hey, das geht ab. Wir holen die Meisterschaft.“ Und alle hüpfen, alle tanzen. „46 Punkte aus 23 Spielen – Wir sind stolz wie Bolle“, bekannten die Fans außerdem auf einem Transparent. Gegen Leverkusen kamen nun drei weitere Punkte dazu – und nach Schlusspfiff auch ein weiteres Spruchband: „Der Wahnsinn geht weiter!“