Lokal-Derby

Mit neuer Strategie will Hertha in Cottbus gewinnen

Hertha BSC steht momentan an der Tabellenspitze, zittert aber vor dem Spiel am Samstag gegen Energie Cottbus. Sieben von elf Partien haben die Berliner gegen die Lausitzer verloren, dieses Mal soll es anders werden. Wie das gelingen soll, darüber sprach Morgenpost Online mit Mittelfeldspieler Pal Dardai.

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Jeder Bundesligist hat seinen Angstgegner. Der FC Bayern fuhr jahrelang nicht gern nach Kaiserslautern, Mönchengladbach hat 23 Mal in Folge nicht gegen Bayer Leverkusen gewonnen. Hertha BSC tut sich ausgerechnet gegen Derbyrivale Energie Cottbus besonders schwer. Pal Dardai (32) war fast immer dabei, erklären kann auch er die Berliner Bilanz des Grauens gegen die Lausitzer nicht. Am Samstag unternimmt Hertha einen neuen Anlauf - als Tabellenführer. Nicht allein deshalb ist Dardai optimistisch.

Morgenpost Online: Herr Dardai, die Ankündigung war, sich mit intensiven Trainingseinheiten auf das zu erwartende Kampfspiel gegen Energie Cottbus einzustellen. Ist das gelungen?

Pal Dardai: Wir haben in dieser Woche sehr viel auf engem Raum trainiert, an Zweikämpfen hat es nicht gefehlt. Ja, ich denke, wir sind gut vorbereitet.

Morgenpost Online: Josip Simunic und auch Sie haben Cottbus zum wichtigsten der restlichen zwölf Spiele erklärt.

Dardai: Wenn wir in Cottbus gewinnen, wette ich, dass gegen Leverkusen das Olympiastadion richtig voll ist. Nach Jahren wird in Berlin wieder über Hertha gesprochen, der Respekt ist wieder da, die Liebe zum Klub scheint zurückzukommen. Wenn 50. 000, vielleicht 60.000 Zuschauer im Stadion sind, haben wir einen Riesenvorteil und wirklich die Chance, bis zum Schluss unter den Top 3 zu bleiben.

Morgenpost Online: Hertha reist als Tabellenführer nach Cottbus. Was bedeutet das für dieses ohnehin brisante Duell?

Dardai: Fußball ist Kopfsache. Wir wissen, was wir können. Aber das müssen wir auch von Beginn an bestätigen, und die Cottbuser werden das verhindern wollen. Als Werder Bremen vor zwei Wochen dort war, wurde Diego gleich nach ein paar Minuten abrasiert.

Morgenpost Online: Sie haben in neun von bislang elf Derbys mitgespielt. Können Sie erklären, warum Hertha ausgerechnet gegen Energie eine derart verheerende Bilanz hat?

Dardai: Ich habe mir diese Frage schon oft gestellt. Ehrlich: Nein, ich kann es nicht. Wir haben aber fest vor, diese Bilanz zu verbessern. Das wird eine Herausforderung für uns - auch für unseren Trainer.

Morgenpost Online: Sie sprechen Lucien Favre an. Der diesjährige Kader ist weder übermäßig teuer, noch herausragend prominent besetzt - aber erfolgreich. Warum?

Dardai: Der Dank dafür gebührt allein dem Trainer. Bei uns hält kein Spieler lange den Ball, es geht ruckzuck nach vorne. Dafür braucht man keine großen Stars, aber man muss das üben, üben, üben. Das ist manchmal langweilig. Wenn du aber im Spiel siehst, dass es klappt, macht es riesig Spaß. Alles, was wir im Spiel machen, ist einstudiert. Ich, Pal Dardai, würde doch gegen Mönchengladbach nicht in den Strafraum rennen, wenn ich nicht wüsste, dass Patrick Ebert mir den Ball genau so in den Lauf legt. Ich bin froh, dass der Trainer im ersten Jahr an uns nicht verzweifelt ist.

Morgenpost Online: Hat sich Hertha an Favre oder Favre an Hertha gewöhnt?

Dardai: Beides ist der Fall, würde ich sagen. Im ersten Jahr hat er alles analysiert und nichts versprochen. Jetzt entwickelt er die Mannschaft nach seinem Geschmack. Und wir alle fühlen, dass es zwar noch dauert, aber dass hier tatsächlich eine perfekte Mannschaft entsteht. Eine, die Meister wird oder Pokalsieger. Es wäre schön, in meinem Alter noch einmal Champions League zu spielen.

Morgenpost Online: Sie waren dabei, als Hertha sich 1999 fast sensationell für die Königsklasse qualifizierte . . .

Dardai: . . . und ich erkenne viele Parallelen. Der Kiraly von damals heißt heute Jaroslav Drobny - beide sind ganz starke Torhüter. Auch die Abwehr steht heute so bombensicher wie damals. Und vorne machten Preetz und Marcelinho die Tore. Wenn du zwei solche Top-Stürmer hast - wie jetzt Andrey Voronin und Marko Pantelic -, bist du kaum von oben zu verdrängen.

Morgenpost Online: Die Frage ist: Damals kam der Erfolg zu schnell, Hertha konnte sich nicht an der Spitze etablieren. Diesmal kommt der Erfolg wieder sehr plötzlich.

Dardai: Finden Sie? Wie ich sagte: Wir üben seit fast zwei Jahren immer wieder dieselben Dinge. Der Prozess geschah natürlicher, langsamer. Und: Bei uns spinnt niemand. Ich denke, wie mir geht es vielen: Nach dem Spiel freuen wir uns schon auf den Dienstag, wenn wir wieder trainieren. Und dann auf den Freitag, wenn es auf das nächste Spiel hingeht. Glauben Sie mir: Es war nicht immer so.