Steffel-Vorschläge

Wie realistisch der Hertha-Rettungsplan ist

Frank Steffel, CDU-Bundestagsabgeordneter und Aufsichtsratschef der Füchse Berlin, hat für Hertha BSC einen Rettungsplan mit zehn Punkten erstellt. Er will dem Klub in naher Zukunft 21,6 Millionen Euro in die leeren Kassen spülen. Wie der Präsident des Bundesligisten darauf reagiert und was Fans sagen.

Termine mit Politikern hat der bestens vernetzte Unternehmer Werner Gegenbauer (59) häufiger. Dann plaudert man außerhalb des Protokolls auch schon mal über Hertha BSC als das fußballerische Aushängeschild der Hauptstadt, dem Gegenbauer im Ehrenamt als Präsident vorsteht. Der eigentliche Anlass für Treffen mit Volksvertretern ist der Bundesligist eher selten.

Kommenden Dienstag aber, drei Tage nach dem wegweisenden Rückrundenauftakt der Berliner bei Hannover 96, trifft sich Gegenbauer aus keinem anderen Grund mit Frank Steffel (43). Der Unternehmer und CDU-Bundestagsabgeordnete ist Urheber eines kühnen Rettungsplanes frei nach dem Motto „Rette Hertha, wer kann“. Er will dem Klub in naher Zukunft 21,6 Millionen Euro in die leeren Kassen spülen, das frische Geld soll auch dazu genutzt werden, in der am 31. Januar endenden Transferphase noch den einen oder anderen Profi zu verpflichten, der Herthas Chancen auf den Klassenerhalt erhöht.

Gemeinsam über Hilfe beraten

Bei der Zusammenkunft will Gegenbauer Steffel „erklären, was wir in der Winterpause gemacht haben“, sagte er Morgenpost Online. Etwa, dass Hertha bereits große Anstrengungen unternommen hat, um jene vier Millionen Euro zu generieren, die in die erfolgte Verstärkung der Mannschaft geflossen sind – die mit mehr als 30 Millionen Euro verschuldete GmbH also nicht „weitere 3,5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln“ zur Verfügung stellen kann, wie Steffel es verlangt. „Wir werden trotzdem gemeinsam überlegen, wie und wo er uns vielleicht helfen kann“, sagt Gegenbauer.

Steffel ist auch Präsident der Reinickendorfer Füchse und Aufsichtsratschef des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, „als Hertha-Fan“ aber bereitet ihm der mögliche Abstieg „große Sorge“. So hat er es im Brief an Gegenbauer formuliert, der von Mitte Dezember stammt und seitdem wenig Interesse erregt hat – auch nicht bei Vertrauten im Senat und bei diversen Sportverbänden, denen das Schreiben in Kopie übermittelt worden war – ehe am Dienstag die „BZ“ Steffels Forderungen öffentlich machte.

Mitglieder, Spieler, Sponsoren, Zuschauer, Senat und Berliner – sie alle müssten in einer konzertierten Aktion an Herthas Rettung mitwirken. Ob die zustande kommt, ist fraglich. Viele sehen die Erfolgsaussichten nicht größer als bei Steffels ambitioniertem Projekt 2001, als er als CDU-Spitzenkandidat antrat, Regierender Bürgermeister werden wollte und der Union mit 23,8 Prozent der Stimmen ein historisch schlechtes Ergebnis bescherte.

Viel ist bei Hertha nicht passiert

Und das, obwohl Steffel sich eine grundlegenden Schwäche Herthas zunutze macht. Auf die Herausforderung, mit zehn Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz in die zweite Saisonhälfte zu starten, reagierte der Klub mit der Verpflichtung von drei neuen Spielern und konzentrierter Arbeit im Trainingslager auf Mallorca. Mehr geschah nicht. Die Personalplanungen haben Gegenbauer und auch Geschäftsführer Michael Preetz für abgeschlossen erklärt. Ein Signal, das ganz Berlin mitreißt, gab es nicht – die ideale Spielwiese für Politiker.

Steffels „Ideensammlung“ ist ein Versuch, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Praktikabel ist sie nicht. Genauso wenig dient es seiner Glaubwürdigkeit, wenn Steffel am Mittwoch in der „BZ“ nachlegt: „Mensch, warum arbeitet der Preetz nicht für den Rest der Saison für einen Euro? Das wäre ein Zeichen! Jetzt müssen alle mitmachen und Opfer bringen.“

Steffel ist kein Hertha-Mitglied

Er selbst auch? Steffel zählt nicht zu den 18.100 Hertha-Mitgliedern, von denen Erwachsene 60 Euro Jahresbeitrag zahlen, und die er darüber hinaus zu einer Einmalzahlung von 100 Euro anhalten will. Besonders dieser Teilaspekt in Steffels Zehn-Punkte-Plan empört die Basis. Sören Kablitz-Kühn, Vorsitzender des Hertha-Fanclubs Moabit, sagt: „Dieser Gedanke ist extrem schlecht. Selbst wenn er oder sie wollte, ist in Zeiten wie diesen längst nicht jedes Mitglied finanziell in der Lage, aus dem Stand 100 Euro zu geben.“ Genauso sei der angeregte zehnprozentige Gehaltsverzicht von Trainer und Spielern „nicht förderlich“, sagt Kablitz-Kühn: „Schließlich braucht Hertha gerade ihre 100-prozentige Arbeitsleistung.“ Schon besser findet der langjährige Hertha-Anhänger, den etwa vom FC St. Pauli entliehenen „Retter“-Gedanken zu kopieren: „Wenn es nicht zu sehr abgekupfert, sondern ausreichend eigenständig ist, würde ich ein solches T-Shirt oder auch einen Schal sofort erwerben.“

Weitere Punkte des Steffel-Plans sind schlicht unrealistisch. Die Einrichtung eines Spenden-Telefons solle eine Million Anrufe oder Kurzmitteilungen zum Preis von je fünf Euro generieren – also allein fünf Millionen Euro. Als Hertha nach dem Tsunami in Südostasien vor fünf Jahren eine solche Hotline schaltete, der Zweck also wirklich lebensrettend war, kamen gerade mal 123 Euro zusammen.

Steuerzahler sollen nicht büßen müssen

Ähnlich verhält es sich mit den 30.000 Rückrunden-Dauerkarten, die Steffel zum Preis von je 100 Euro zu veräußern plant. Bislang hat Hertha etwa 18.500 Jahrestickets verkauft; ein Wert, der nach der erfolgreichen Saison 2008/09 schon leicht über den Verkäufen früherer Spielzeiten liegt.

Gar für Heiterkeit sorgte Steffels Programm bei der Olympiastadion GmbH, die zu 100 Prozent dem Berliner Senat gehört. Sie solle Hertha die Spielstätte für die Rückrunde kostenfrei zur Verfügung stellen und damit zwei Millionen Euro einsparen helfen. Dazu sagte Peter von Löbbecke, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft:: „Alles, was ich tue, habe ich gegenüber einem Aufsichtsrat zu verantworten. Ich bin nicht befugt, irgendwelche Schenkungen vorzunehmen. Zumal die Fehler des Hertha-Managements nicht zu Lasten des Steuerzahlers mit öffentlichen Geldern repariert werden dürfen.“

So ist das Beste am Konzept wohl sein Grundgedanke: Berliner, steht auf, wenn ihr Herthaner seid!