Fußball

Hertha verzichtet auf Scott Chipperfield

Der Deal ist geplatzt. Der Australier Scott Chipperfield wechselt nicht zum Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Hat sich Manager Dieter Hoeneß gegen Trainer Lucien Favre durchgesetzt? Oder war schlicht die Verletzung des Mittelfeldspielers der Grund?

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Am Donnerstag um 15.47 Uhr veröffentlichte Hertha BSC die Pressemitteilung. Demnach hat der Fußball-Bundesligist Abstand genommen von der geplanten Verpflichtung von Scott Chipperfield (33). Nach einer MRT-Untersuchung am Vormittag war klar, dass die Fußverletzung des Australiers vom FC Basel bis auf weiteres keine Einsätze zulässt. "Wir hätten Scott gern geholt, aber so hat das keinen Sinn gemacht", sagte Michael Preetz, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung.

Damit gerät Hertha BSC weiter unter Druck. Während die Konkurrenz vom VfL Wolfsburg, FC Schalke, Werder Bremen, Bayer Leverkusen, dem VfB Stuttgart oder Borussia Dortmund im Winter ihre Kader fleißig aufgerüstet hat, stehen die Berliner nach wie vor mit leeren Händen da. Ohnehin hat der Hauptstadt-Klub mit 850.000 Euro eine überschaubare Summe für Verstärkungen zur Verfügung. Bis zum Ende der Transferfrist am 2. Februar um Mitternacht bleiben nur noch zehn Tage Zeit.

Das Aus für Chipperfield kam nach einer Untersuchung. Aufnahmen von seinem linken Fuß legten nahe, dass der Mittelfeldspieler bis Ende Februar hätte ausfallen können. Er hatte vor einer Woche bei einem Testspiel für den FC Basel einen Schlag auf den Fuß erhalten. Daraufhin hatte sich die Operationsnarbe einer älteren Verletzung entzündet. Da Hertha den Australier zunächst ohnehin nur bis Saisonende verpflichten wollte, wog der mögliche Ausfall für vier oder fünf Spiele schwer. Auf Anraten von Vereinsarzt Dr. Ulrich Schleicher entschied die Sportliche Leitung, also Manager Dieter Hoeneß, Trainer Lucien Favre und Preetz, einhellig, Chipperfield abzusagen.

Der nahm die Mitteilung gefasst auf, war aber hörbar enttäuscht: "Das ist das zweite Mal, dass ein Transfer in eine der Topligen Europas für mich geplatzt ist." 2006 war Chipperfield auf dem Sprung zu Charlton Athletic in die Premier League. Damals scheiterte der Wechsel an einer zu hohen Ablöseforderung des FC Basel. Chipperfield sagte: "Ich verstehe die Entscheidung. Hertha sucht einen Spieler, der sofort weiterhelfen kann." Er wird nun zum Schweizer Meister zurückkehren.

Auch bei Hertha BSC herrschte Enttäuschung. Vor allem das Trainer-Team um Favre und Harald Gämperle hatte sich von Chipperfield einen Zuwachs an Qualität versprochen. Stattdessen hat der Liga-Dritte eine Situation wie schon häufiger in den vorangegangenen Wechselperioden - es wird auf den letzten Drücker eine Verstärkung gesucht. Im vergangenen Sommer war Andrey Voronin (vom FC Liverpool) am letzten Tag der Transferfrist ausgeliehen worden, vor einem Jahr Rudolf Skacel (FC Southampton). Geplatzt waren jeweils im letzten Moment Verpflichtungen von Loukas Vyntra (Panathinaikos Athen/31. August 2007) und Conca (Fluminense/31. August 2008).

Ohnehin absolviert Hertha eine Vorbereitung unter erschwerten Bedingungen. Bis jetzt konnte kaum ein Spieler das komplette Übungsprogramm absolvieren. Während die meisten Konkurrenten ihre Zugänge bereits in die Mannschaft einbauen, suchen die Berliner wieder einmal nach einem Neuen, diesmal für die linke Seite im Mittelfeld.

Konkrete Alternativen wollte Preetz nicht kommentieren. Nur soviel: "Wir legen jetzt wieder verstärkt los." Manager Hoeneß sagte, Hertha habe "vier, fünf Ersatzkandidaten" im Visier. Spekuliert wird über den ehemaligen Leverkusener Marko Babic (28/jetzt Betis Sevilla). Er sagte im "Kicker", er habe Kontakt in die Bundesliga und würde gern nach Deutschland zurückkehren. Doch nach Informationen von Morgenpost Online hat Babic bei Hertha eher schlechte Chancen. Der Kroate hat zuletzt in der Primera División kaum gespielt - in dieser Saison wurde Babic zweimal eingesetzt.