Fussball-Bundesliga

Hertha spielt um die eigene Perspektive

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Daniel Stolpe

Nur mit einem Sieg in Leverkusen können die Berliner Anschluss an die Top-Teams halten. Doch das dürfte nicht ganz leicht werden. Schließlich muss Hertha die torhungrigste Mannschaft der Bundesliga stoppen. Wie sich die Herthaner schlagen, können Sie im Live-Ticker von Morgenpost Online verfolgen.

Der entscheidende Tipp kommt direkt vom Gegner. Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler (48) referierte kürzlich darüber, was seine Mannschaft zurzeit so stark macht. Sie paare demnach "fußballerische Qualität mit der nötigen Einstellung - und wenn du das machst, klappen auch diese leicht komplizierten Spiele". Wenigstens leicht kompliziert wird es in Leverkusen heute auch für Hertha BSC. Nicht weniger als die torhungrigste Mannschaft der Fußball-Bundesliga soll gestoppt werden.

Gleiches gilt für den eigenen Abwärtstrend. Hertha spielt nicht nur gegen die nach Ansicht von Hertha-Manager Dieter Hoeneß "spielerisch momentan auf jeden Fall beste Mannschaft" der Bundesliga. Der Verein spielt auch um die eigene Perspektive. Nur ein Sieg erhält den Anschluss an die Top-Teams. Andernfalls droht Hertha BSC, dem Tabellenzehnten der vergangenen beiden Jahre, einmal mehr nur ein Platz im Zug nach Nirgendwo.

Wenig macht Mut, dass es anders kommt. Am ehesten noch die Tatsache, dass Hertha in dieser Saison in fremden Stadien schon zwei Siege feierte. Nur Gegner Leverkusen liegt in der Auswärts-Tabelle vor den Berlinern, die in Frankfurt (2:0) und Gladbach (1:0) ohne Gegentor blieben und nur bei den Bayern (1:4) untergingen. Gegen einen neuerlichen Coup spricht die personelle Lage. Gerade 16 Profis stiegen gestern Nachmittag in den Bus, darunter zwei Torhüter.

Sechs Spiele mehr in den Beinen

Durch ihre Auftritte im Uefa-Cup samt vorheriger Qualifikation haben die Berliner sechs Pflichtspiele mehr bestritten als Leverkusens "Junge Wilde". Dies dürfe "keine Ausrede sein, ist aber Fakt", sagt Hoeneß. Vor dem siebten Pflichtspiel binnen 21 Tagen sieht der Manager nun "ein richtiges Verletzungsproblem" - weswegen er an die appelliert, "die uns zur Verfügung stehen: Sie müssen über sich hinauswachsen." Bis dahin trägt die Berliner die Erinnerung, "in Leverkusen immer recht gut ausgesehen" (Hoeneß) zu haben - zuletzt gewann Hertha in der BayArena am 32. Spieltag der vergangenen Saison 2:1.

Ein Weg, wie es nun erneut klappen könnte: "Wir müssen kämpferisch und läuferisch eine sehr gute Leistung zeigen", fordert Trainer Lucien Favre, zugleich gemahnt er zu "Konzentration und Wille". Wer am Vorabend Borussia Dortmund im Uefa-Cup gegen Udinese Calcio hatte spielen sehen, bekam eine Vorstellung, worum es Favre geht. Den Einzug in die Gruppenphase hatte der BVB verpasst. Aber der Glaube an sich selbst und die Leidenschaft, mit der die Mannschaft sich bis ins Elfmeterschießen kämpfte, stünde auch Hertha gut. Oder wie es Dortmunds Trainer Jürgen Klopp formulierte: "Der Fußball hat mehrere Aufgaben. Eine davon ist, das Gesicht des Vereins zu zeigen."

Antiwerbung in eigener Sache

Wenn dem so ist, betrieben die Berliner zuletzt viel Antiwerbung. Im Pokal gegen angeschlagene Dortmunder (1:2 n.V.) ebenso wie beim 0:1 in der Liga gegen Energie Cottbus. Und auch das 0:0 im Uefa-Cup-Rückspiel gegen St. Patrick's Athletic erscheint nur mit viel Wohlwollen so, wie Hoeneß es dargestellt sehen möchte: Nämlich "nach Donnerstag in einem anderen Licht", nachdem sich zahlreiche arrivierte Klubs mit weit weniger prominenter Konkurrenz "arg schwer getan" hätten.

Zurück auf der nationalen Bühne geht es für Hertha, das so große Zukunftsvisionen hat, um kurzfristigen Erfolg. Die Saison stellt ihre Weichen - und Hoeneß glaubt an die Seinen: "Gegen Leverkusen können wir richtig was gewinnen, können wir uns profilieren, uns hochziehen."