Kommentar

Unfall vermieden – mehr nicht

Hertha hat in Irland nicht gewonnen. Sportlich nicht und auch nicht wirtschaftlich. Der Einzug in die Gruppenphase macht Hertha BSC nicht auf einen Schlag um mehrere Hunderttausend Euro reicher. Er erhält bestenfalls die Chance auf Erträge in den K.o.-Runden, wenn mögliche Duelle mit Champions-League-Absteigern lukrative Vermarktung versprechen.

Aber bis dahin ist es noch ein gutes Stück Weg. Noch in anderer Hinsicht ist Besserung nicht gewährleistet. Mit dem 0:0 gegen die allenfalls zweitklassigen Iren von St. Patrick's Athletic haben die Berliner keinesfalls die Zweifel beseitigt, die die Niederlagen gegen Borussia Dortmund im Pokal und in der Liga gegen Energie Cottbus haben entstehen lassen. Im Rückspiel der ersten Uefa-Cup-Runde wurde, um in der Sprache der Atomindustrie zu sprechen, der Größte Anzunehmende Unfall vermieden, mehr nicht.

Der Glaube an das „Schweizer Experiment“ bei Hertha hat zuletzt Schaden genommen. Wiedergutmachung kann die Mannschaft frühestens am Sonnabend mit einer sehr ordentlichen Leistung in Leverkusen betreiben. Dass sie spielerisch dazu in der Lage ist, hat die Mannschaft bewiesen; sie muss diese Leistung nur abrufen. Das Schlüsselwort heißt: Einstellung.

Ein wenig Positives lässt sich aus der Dienstreise auf die britische Insel aber doch mit zurück in den Alltag nehmen, ein wenig Imagekorrektur wurde betrieben: Als erster der sechs deutschen Vertreter erreichte Hertha BSC die Uefa-Cup-Gruppenphase. Ein kleiner Triumph also an einem tristen Fußballabend: Hertha BSC geht dieser Tage mal voran – selten genug kommt das vor.