Uefa-Cup

Hertha trifft mit Slowenien auf "Klub der Teufel"

In der zweiten Qualifikationsrunde des Uefa-Cups trifft Hertha BSC heute auf den slowenischen Pokalsieger NK Interblock Ljubljana. Trainer Bigon kündigte bereits ein "Fußball-Spektakel" an. Auch Hertha-Coach Lucien Favre hält Ljubljana für einen nicht ungefährlichen Gegner im Spiel um den Einzug in die Hauptrunde.

Die großen Spektakel im Leben des Alberto Bigon liegen ein paar Jahre zurück, aber es gab sie. 1990 wurde er als Trainer italienischer Meister mit dem SSC Neapel. Der Name Bigon ist nicht allzu sehr in Erinnerung geblieben. In jenen Tagen wurde Fußball beim SSC als Einzelsport wahrgenommen - der vom argentinischen Superstar Maradona.

Bigon blieb angesichts der Götterverehrung im Süden Italiens nicht mehr als eine Statistenrollen.

Seit drei Tagen steht Bigon, inzwischen 60 Jahre alt, nun bei NK Interblock Ljubljana unter Vertrag - seines Zeichen Tabellenletzter der slowenischen Liga. Und glaubt er der Homepage seines neuen Arbeitgebers, ist für den zuletzt eher mäßig erfolgreichen Übungsleiter ein weiteres "Fußballspektakel zu erwarten". Woher der kleine Verein vor dem zweiten Qualifikationsrunde für den Uefa-Cup gegen Hertha BSC diesen Optimismus nimmt, bleibt freilich offen (20.45 Uhr, live im DSF). Während sich die Berliner in der Runde zuvor klar gegen die Moldawier von Nistru Otaci durchsetzten (8:1, 0:0), zitterte sich Ljubljana bei seinem ersten Uefa-Cup-Auftritt überhaupt gegen den FC Zeta (Montenegro) mit 1:0 und 1:1 weiter.

Interblock besser als Otaci

Gespielt wird heute in Celje, da das Stadion in Ljubljana mit nur 5000 Plätzen nicht für internationale Spiele zugelassen ist. Für den vergleichsweise prominenten Bundesligisten ist die Ausgangslage jedenfalls klar. "Interblock ist besser als Otaci", sagt Hertha-Trainer Lucien Favre, "aber wir sind in diesem Spiel großer Favorit und müssen eine Runde weiterkommen."

Da lässt der Schweizer auch die beachtliche Verletztenliste nicht als Ausrede gelten. In Berlin blieben Arne Friedrich (Becken- und Rippenprellung) und Sofian Chahed (Finger-OP). Ohnehin verletzt sind Pal Dardai, Christian Fiedler und Lucio. Gojko Kacar ist mit Serbien beim Olympischen Fußball-Turnier.

Da mit Friedrich und Chahed zwei rechte Außenverteidiger fehlen, überlegt Favre heute mit einer Dreier-Abwehrkette statt der üblichen vier Verteidiger zu agieren. Im dann dichten Mittelfeld soll Marc Stein auf der linken Seite für Betrieb nach vorne sorgen. Auch Maximilian Nicu, der verletzungsbedingt fast die komplette Vorbereitung verpasste, hofft auf weitere Einsatzzeiten.

Auch auf die Lösung zweier anderer Personalfragen darf man gespannt sein. So kommt Josip Simunic nach der EM und dem anschließenden Urlaub nur schwer in Tritt. Der Kroate fehlte bei beiden Partien gegen Otaci ebenso wie am vergangenen Wochenende im DFB-Pokal bei Eintracht Trier (3:1). Wenn Simunic am Sonntag zum Bundesliga-Start bei Eintracht Frankfurt antreten soll, wird es heute höchste Zeit, dass er endlich Spielpraxis sammelt. Sonst steht Simunic, seit vielen Jahren Stammspieler bei Hertha BSC, vor der ungewohnten Erfahrung, die ersten Saisonspiele von der Bank aus zu verfolgen.

Anders liegen die Dinge bei Amine Chermiti. Der in der Vorwoche verpflichtete Stürmer aus Tunesien muss spielen, um die neuen Kollegen kennenzulernen. In der Liga in Frankfurt darf man den Hertha-Sturm Marko Pantelic/Raffael als gesetzt betrachten. Insofern bietet die Uefa-Cup-Begegnung in Slowenien heute Favre die Chance, Chermiti einmal von Beginn an zu testen.

Gastgeber konnten zuvor nicht beeindrucken

Der Trainer wollte sich jedoch vorab nicht in die Karten schauen lassen. "Wir haben uns sehr gut vorbereitet mit langen Trainingseinheiten von über zwei Stunden Länge. Ein paar Spieler sind noch nicht auf 100 Prozent ihres Leistungsvermögens, so wie Joe Simunic. Aber auch er kommt langsam. Ob Joe oder Chermiti spielen, werde ich erst unmittelbar vor dem Spiel entscheiden."

Zumal die Gastgeber im bisherigen Saisonverlauf nicht beeindrucken konnten. Zwar wird Ljubljana wegen seiner roten Trikots "Klub des Teufels" genannt. Der Klub hat mit Interblock eine finanzstarke Firma, die Casino-Geräte herstellt, im Rücken. Der Etat von vier Millionen Euro macht Ljubljana zum Liga-Krösus im Lande. Doch aktuell rangiert der slowenische Pokalsieger mit zwei Punkten aus vier Saisonpartien auf dem letzten Platz der heimischen Zehner-Liga. Die Klubleitung hatte schon zu diesem frühen Zeitpunkt genug und ersetzte Trainer Dragan Skocic durch Bigon.

Insofern besteht die größte Herausforderung für die Gäste darin, nicht überheblich zu werden. "Wir haben Respekt vor jedem Gegner. Vergleicht man jedoch die Kader, muss man sagen, dass wir klar weiterkommen wollen", sagte Manager Dieter Hoeneß, "es wird aber kein Selbstläufer. Wenn wir denken, das läuft schon, dann wird es gefährlich."

Wie Hertha gegen Interblock bestehen will, erklärt der vielseitig einsetzbare Stein: "Natürlich sind wir Favorit. Aber wir dürfen die Slowenen nicht unterschätzen und müssen von der ersten Minute an Druck machen." Das Rückspiel wird am 28. August im Jahnsport-Park angepfiffen.