Fussball

Spielerberater Neubauer will ins Hertha-Präsidium

Hertha will sich noch mehr Fußball-Kompetenz ins Präsidium holen. Doch der Einstieg von Jörg Neubauer ist nicht ganz problemlos.

Spielerberater Jörg Neubauer ist schon lange Hertha-Mitglied

Spielerberater Jörg Neubauer ist schon lange Hertha-Mitglied

Foto: Reto Klar

Berlin.  Zu wenig Fußball-Kompetenz in den wichtigen Gremien – so lautet ein Standardvorwurf gegen Klubs im Profifußball. Hertha BSC steht vor einem entgegengesetzten Problem: Kann es sein, dass ein Bewerber für die Wahlen zum Präsidium nicht zugelassen werden kann, weil er zu sehr mit dem Fußball-Geschäft verbandelt ist? Konkret geht es um Jörg Neubauer. Der wurde fristgerecht vorgeschlagen zu den Präsidiumswahlen von Hertha. Die finden auf der nächsten Mitgliederversammlung am 23. Mai statt.

14 Aspiranten haben Anträge eingereicht

Insgesamt sind beim Aufsichtsrat von Hertha, dem Bernd Schiphorst vorsitzt, 14 Anträge eingegangen. Dazu gehören alle Mitglieder des amtierenden Präsidiums unter Vorsitz von Präsident Werner Gegenbauer sowie sechs weitere Vorschläge. Zwei Vorschläge wurden aus formalen Gründen abgelehnt. Einer der verbleibenden zwölf Aspiranten ist Neubauer, der schon Mitglied bei Hertha ist. Ob er zugelassen wird, ist unklar.

Der gelernte Jurist ist seit fast einem Vierteljahrhundert in der Spielerberatungsszene tätig. Er hat für viele Stars Verträge ausgehandelt. Ob Sebastian Deisler, Kevin und Jerome Boateng, Ashkan Dejagah, Patrick Ebert – viele Herthaner waren bei ihm unter Vertrag. Aktuell werden auf der Seite von Neubauer bei Transfermarkt.de Sami Khedira (Juventus), Leon Goretzka (Schalke), Kevin Trapp (Paris St. Germain) oder Rene Adler (HSV) als Klienten gelistet.

Steht der Berater in einem Interessenskonflikt?

Fußball-Sachverstand und Branchenkenntnis sind bei Neubauer also vorhanden. Aber es gibt einen Interessenskonflikt: Kann ein Berater nicht erhebliche Vorteile aus einer Präsidiumstätigkeit ziehen, wenn er Bescheid weiß um Gehälter, Pläne und finanzielle Perspektiven eines Klubs? Laut DFB-Reglement, Paragraf 2. Absatz 4 ist es Vereinen untersagt, Spielervermittler zu beauftragen, die „Offizielle“ sind, „insbesondere, wenn es sich um Vorstands- oder Ausschussmitglieder“ handelt. Ähnliche Inhalte sind im DFL-Statut Paragraf 4, Absatz 4 formuliert.

Neubauer, der am Karfreitag nicht zu erreichen war, wird sich am 20. April noch mal vor dem Aufsichtsrat von Hertha erklären. Er wird sehr gute Argumente benötigen.