Bundesliga

Bei Hertha beginnt der Kampf um die Plätze für die Rückrunde

Bei Herthas Jahresauftakt kehren drei Langzeitverletzte zurück. Trainer Pal Dardai hat die Qual der Wahl – vor allem im Tor.

Einer wird gewinnen: Rune Jarstein (l.) und  Thomas Kraft konkurrieren um den Platz im Hertha-Tor. Kraft war die Nummer eins, aber Jarstein vertrat ihn sehr gut

Einer wird gewinnen: Rune Jarstein (l.) und Thomas Kraft konkurrieren um den Platz im Hertha-Tor. Kraft war die Nummer eins, aber Jarstein vertrat ihn sehr gut

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Besser hätte man den Aufmarsch der Hertha-Profis nicht inszenieren können. Als erster wagte sich am Sonntagnachmittag die Nummer eins in die Kälte: Thomas Kraft. Der Torwart schritt schon fünf Minuten vor Trainingsbeginn auf den Schenckendorffplatz, eine Geste, die sich leicht mit symbolträchtiger Wirkung unterfüttern ließ – schließlich sieht sich Kraft (27) seit dieser Saison einem gefährlichen Herausforderer gegenüber.

Gute Strafraumbeherrschung spricht für Jarstein

Nach der schweren Schulterverletzung des Stammkeepers fand sich in Rune Jarstein ab September ein derart souveräner Vertreter, dass von einer klaren Torwart-Hierarchie keine Rede mehr sein kann. Nun aber ist der ehrgeizige Kraft wieder fit und ging beim Jahresauftakt prompt voran. Die Botschaft: Hier bin ich, und ich bin bereit.

Jarstein folgte nur kurz nach seinem Kontrahenten, direkt neben Cheftrainer Pal Dardai. Der hatte den Norweger im Sommer noch aussortieren wollen, vertraute stattdessen aber dem Urteil seines Torwarttrainers Zsolt Petry. Inzwischen hat er Jarsteins Qualitäten schätzen gelernt. Mit seiner starken Strafraumbeherrschung hat der Keeper seinen Anteil daran, dass Hertha mit nur acht Gegentoren die zweitbeste Defensive der Liga stellt.

Dardai muss den Wettbewerb moderieren

Fangen, Werfen, Annahme per Brust, Weiterverarbeitung per Fuß – die Komplexübungen absolvierten Kraft und Jarstein am Sonntag Seite an Seite. Später, als Dardai auf zwei Kleinfeldern spielen ließ, begnügte sich Kraft allerdings mit Individualtraining. „Thomas kann das selber entscheiden“, sagte Dardai, „aber er ist fit.“ Konkurrenzkampf eröffnet? „Ja, so ist es.“

Die erste Trainingseinheit im neuen Jahr, sie gab Dardai damit gleich einen Vorgeschmack auf eine neue Herausforderung. Er wird den internen Wettbewerb moderieren müssen. Das Duell unter den Torhütern ist dabei wohl das härteste, aber längst nicht das einzige.

Auch Pekarik will seinen Stammplatz zurück

Mit Peter Pekarik, wie Kraft seit September wegen eine Schulterverletzung außer Gefecht, kehrte Herthas angestammter Rechtsverteidiger ins Teamtraining zurück. Bis zu seiner Verletzung galt der slowakische Nationalspieler (29) bei Hertha als unersetzbar, trug den Spitznamen „Mister Zuverlässig“.

Weil Mitchell Weiser (21) in Pekariks Abwesenheit aber mit einer deutlich offensiveren Interpretation des rechten Verteidigers glänzte, wird sich Dardai auch auf dieser Position etwas einfallen lassen müssen. Weiser kann zwar offensiver spielen, hat an seiner neuen Rolle aber großen Gefallen gefunden. Gute Rechtsverteidiger sind in Deutschland schließlich rar, und Weiser wittert eine Chance auf einen Platz in der Nationalelf.

Stark hat seine Leistenprobleme überwunden

So wie Kraft und Pekarik, greift auch Niklas Stark (20) 2016 wieder neu an. Der Sommerzugang hatte seit Anfang Oktober mit Leistenproblemen zu kämpfen, ist nun aber wieder voll belastbar. Er gilt als einer der spannendsten Perspektivspieler des Landes und bietet Dardai Alternativen im Abwehrzentrum und im defensiven Mittelfeld.

„Sicher wird es den einen oder anderen Konkurrenzkampf mehr geben“, sagt Innenverteidiger Sebastian Langkamp, „aber das gehört zum Fußball dazu. Jeder hat eine gesunde Motivation, ins Team zu kommen, aber das wird das Mannschaftsklima nicht stören.“ Letzteres wäre wichtig. Wenn sie bei Hertha über Erfolgsgeheimnisse sprechen, fällt schließlich oft das Wort Zusammenhalt.

Trainer und Manager schwärmen von Bayern-Talent Kurt

Für Angreifer Sami Allagui (Knorpelschaden im Knie) kommt die Wintervorbereitung noch zu früh, Stürmer Julian Schieber tastet sich hingegen langsam ans Mannschaftstraining heran. Noch mehr Varianten für Dardai, doch der liebäugelte am Sonntag sogar noch mit einem potenziellen Zugang: Flügelspieler Sinan Kurt (19), der bei Bayern München in die U23 abgeschoben wurde. „Er ist ein großes, deutsches Talent“, sagt Dardai, „schnell und mit einer sehr guten Schusstechnik. Wenn wir die Chance haben, so einen guten Techniker zu holen, dann machen wir das.“

Michael Preetz gibt sich zuversichtlich. „Einen Spieler dieser Kategorie bringt man normalerweise nicht nach Berlin, aber die Umstände könnten uns jetzt zusammenbringen“, sagt der Manager, dämpft jedoch zugleich die Erwartungen. Ein so junger Spieler brauche Zeit und würde wohl eher ab dem Sommer eine Rolle spielen. Dass sich Talente mitunter schneller entwickeln, als man ihnen zutraut, hat allerdings schon Mitchell Weiser gezeigt.

Für Ronny hat sich die Perspektive verschlechtert

Ob mit oder ohne Kurt: Für einige Hertha-Profis hat sich die Perspektive angesichts der neuen Personaldichte weiter verschlechtert. So auch für Ronny. Der Brasilianer trabte am Sonntag als letzter auf den Platz.