Bundesliga

Dardai bleibt Trainer - wenn Hertha die Klasse hält

Manager Michael Preetz hat eine Geheimklausel mit dem ungarischen Verband vereinbart. Im Fall des Klassenerhaltes plant Hertha die Zukunft mit Pal Dardai als Cheftrainer.

Foto: Streubel / Bongarts/Getty Images

Alle Konzentration gilt Griechenland. So geht Pal Dardai die Aufgabe als ungarischer Nationaltrainer an. Am kommenden Sonntag trifft Ungarn in der EM-Qualifikation auf Griechenland. Am 13. Juni wartet ein Auswärtsspiel in Finnland auf Ungarn – so wie es aussieht, wird das sein letzter Auftritt mit der Nationalmannschaft sein.

Jedenfalls dann, wenn Dardai seinen Hauptjob als Trainer von Hertha BSC erfolgreich zu Ende bringt. Im Fall des Klassenerhaltes plant der Hauptstadt-Klub nach Informationen der Morgenpost die Zukunft mit Pal Dardai als Cheftrainer von Hertha BSC.

Ein Szenario, für das der Arbeitgeber im Vorfeld vorgesorgt hat. Als Hertha-Manager Michael Preetz Ende November, Anfang Dezember vergangenen Jahres mit den Verantwortlichen des ungarischen Fußball-Verbandes Magyar Labdarugo Szövetseg (MLS) sprach, handelte er eine Geheimklausel aus.

Geheimklausel mit Ungarn

Falls Dardai zum 1. Juli 2015 Cheftrainer von Hertha BSC ist, besitzen die Berliner die Option, Dardai aus seinem Vertrag als Nationaltrainer herauslösen zu können. Dem MLS schien das ein überschaubares Risiko zu sein: Schließlich hieß zu Winterbeginn der Cheftrainer Jos Luhukay, Dardai trainierte die U15 der Berliner. Also teilten Hertha und der ungarische Verband am 9. Dezember 2014 mit, dass Dardai bis Ende der Qualifikation im November 2015 die Nationalmannschaft coachen wird.

Mittlerweile haben sich die Dinge verändert. Luhukay wurde beurlaubt, Anfang Februar übernahm der bisherige U15-Trainer die Profis von Hertha als Tabellen-Vorletzter. Nach sieben Spielen unter Dardai hat Hertha elf Punkte geholt und sich als Tabellen-13. ein Polster von vier Punkten auf die Abstiegsränge erarbeitet. Bei acht ausstehenden Begegnungen ist noch nichts entschieden, aber die Tendenz nach zuletzt vier Partien ohne Niederlage zeigt nach oben.

Ist Dardai der Richtige für die neuen Herausforderungen?

Hertha wird, unter der Voraussetzung, dass die Bundesliga gehalten wird, von der Option Gebrauch machen, Dardai aus der Nationaltrainer-Anstellung zu lösen. Weil sich die Führungsebene intern einig ist, Dardai ab 1. Juli die Leitung als Hertha-Cheftrainer zu übertragen. Offiziell äußert sich dazu derzeit kein Vereinsverantwortlicher. Die Angelegenheit wurde der Morgenpost aber unabhängig voneinander von zwei mit der Angelegenheit betrauten Personen bestätigt.

Hier gilt es einen Moment inne zuhalten. In der Annahme, dass Hertha diese Rumpelsaison zu einem positiven Ende bringt, stehen wichtige Entscheidungen an. Die Mannschaft muss für 2015/16 taktisch weiterentwickelt werden. Bisher greift Dardai zurück auf das Luhukay-Rezept der erfolgreichen ersten Halbserie von 2013/14: Hinten kompakt stehen, robust auftreten, die Räume eng machen, als Mannschaft funktionieren. Und mit überfallartigen Kontern vorne Chancen kreieren.

Auch Herthas Klubführung steht auf dem Prüfstand

Für 2015/16 braucht Hertha Spieler, die Ballbesitz-Fußball können. Vor allem im zentralen Mittelfeld müssen Verstärkungen her. Die Frage, für welche Art von modernem Fußball er steht, ob er ein Händchen für Entwicklung und Zusammenstellung einer Mannschaft hat – über Dardai lässt sich da nichts sagen. Kein Vorwurf, in seiner jungen Trainer-Karriere haben sich dem 39-Jährigen diese Fragen nicht gestellt.

Es ist jedoch wichtig für Hertha BSC, dass die Antworten passen. Auch in der kommenden Saison wird es für die Blau-Weißen darum gehen, sich in der Liga zu etablieren. Hertha befindet sich auf der Suche nach einem besser dotierten Hauptsponsor-Vertrag (der Kontrakt mit der Bahn, die zuletzt vier Millionen Euro überwiesen hat, endet zum 30. Juni). Für einen lukrativen Abschluss wird Hertha dem künftigen Brustsponsor mehr bieten müssen als das Ziel ‚wir wollen den Abstieg vermeiden‘. Zudem sollten die Hertha-Verantwortlichen es zur neuen Saison schaffen, die verbesserten finanziellen Rahmenbedingen, die durch den Einstieg von Finanzinvestor KKR entstanden sind, in sportlich bessere Resultate umzusetzen (das Privat-Equity-Unternehmen hat im Januar 2014 insgesamt 61 Millionen Euro investiert).

Preetz will Abstand zu Topklubs verkürzen

Manager Preetz sagt zu dem Thema: „Wir haben verschiedene Hebel identifiziert, wie der Abstand zu den Topklubs zu verkürzen ist.“ Genauer will er erst werden, wenn der Klassenerhalt fix ist. Preetz weiß, dass Antworten erwartet werden. Allein das Prinzip ‚Hoffnung auf den neuen Cheftrainer‘ wird nicht reichen.

Für welche Art von Fußball soll Hertha stehen? Wie kann der Nachwuchs besser einbezogen werden? Welche Strukturen müssen weiterentwickelt, welche geändert werden? Wie sieht die Hertha-Agenda 2020 aus?

Gute Perspektiven für Brooks und Schulz

Die Entscheidung für den 39 Jahre alten Pal Dardai als künftigen Bundesliga-Cheftrainer hat auch Auswirkungen auf den aktuellen Kader. So dürfen sich Marvin Plattenhardt und Valentin Stocker, zwei Profis die erst in den vergangenen Wochen richtig in Schwung gekommen sind, als Gewinner fühlen. Sebastian Langkamp darf sich bestätigt fühlen, über Wochen öffentlich zu schweigen und allein Leistung sprechen zu lassen. Nachdem Dardai ihn anfänglich aus dem Kader aussortiert hatte, hat der Innenverteidiger in sämtlichen Spielen, die er im Einsatz war, überzeugt, zuletzt mit seinem Siegtor gegen den HSV.

Auch für John Brooks und Nico Schulz ist das eine gute Nachricht. Dardai weiß, dass seine Vorgesetzten ein besonderes Augenmerk auf Zöglinge aus dem eigenen Nachwuchs erwarten.

Ronny, Heitinga und Hosogai geraten ins Grübeln

Mit gemischten Gefühlen werden jene Profis die Entwicklung betrachten, die seit Wochen keine (oder nur eine nachgeordnete) Rolle unter Dardai spielen. Ungeachtet der jeweiligen Vertrags-Laufzeiten sollten etwa John Heitinga, Hajime Hosogai, Ronny, Jens Hegeler oder Johannes van den Bergh über ihre Zukunft nachdenken.