Start nach Maß

Pal Dardai bringt Hertha in Mainz das Glück zurück

Im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Pal Dardai gewinnt Hertha BSC auswärts gegen Mainz 05 mit 2:0 und verlässt die Abstiegszone. Aber ganz zufrieden war der Ungar mit seiner Mannschaft nicht.

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

Es sah nicht so aus, als hätte Pal Dardai etwas anderes erwartet. Als der Schlusspfiff ertönte und feststand, dass der Ungar sein erstes Spiel als Trainer von Hertha BSC mit 2:0 (2:0) bei Mainz 05 gewonnen hatte, stand er äußerlich ungerührt von seiner Bank auf und nahm seinen Co-Trainer Rainer Widmayer in den Arm. Einen Klaps auf den Hinterkopf bekam noch Valentin Stocker. Auch dem Schweizer hatte Dardai den Einstand nach Maß zu verdanken. Als das auch erledigt war, wies er sein Team an, noch auf dem Spielfeld einen Kreis zu bilden. Symbolträchtiges erzeugen, das kann Pal Dardai.

Aber offenbar kann Pal Dardai auch noch einiges mehr. Denn seine Mannschaft gewann Spiel eins nach der Entlassung von Vorgänger Jos Luhukay, weil es erstmals seit fünf Partien ohne Gegentor blieb, die zuletzt verschüttete Torgefahr wiederentdeckte, und weil Dardai nicht zuletzt auch das Glück mitgebracht hatte.

Hegeler trifft vom Punkt

Jens Hegeler traf per Elfmeter zur Führung (35. Minute). Roy Beerens zum 2:0 (42.). Hertha klettert durch den zweiten Auswärtssieg aus dem Tabellenkeller auf Rang 13 und hat nun zwei Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone.

So nüchtern wie direkt nach Abpfiff blieb Dardai auch später: „Ich bin kein Zauberer. Ich mache keine Wunder. Aber ich wollte Mentalität von den Jungs sehen“, sagte er. Dafür äußerten sich seine Spieler euphorischer: „Wir wussten, dass wir jetzt gefordert sind, eine Reaktion zu zeigen. Wir mussten heute Kerle sein auf dem Platz“, sagte der eingewechselte Peter Niemeyer.

Niemeyer vergaß aber auch seinen Ex-Trainer nicht: „Der Sieg gehört auch dem Team um Jos Luhukay. Sie haben immer alles gegeben und sich voll für den Verein eingesetzt.“ Nico Schulz dafür lobte den Neuen: „Pal war als Spieler ein Beißer, ein Kämpfer. Das transportiert er auch in der Kabine. Er ist ein positiver Typ“, sagte der Linksfuß.

Fünf Änderungen in der Startelf

Dardai hatte sich in den beiden Trainingstagen seit seiner Ernennung vor allem um die Verbesserung des Binnenklimas bemüht. Aber auch personell hatte der 38-Jährige andere Vorstellungen: Im Vergleich zum 0:1 gegen Leverkusen unter Luhukay warf Dardai die halbe Elf um: Fünf Spieler raus, fünf rein. Per Skjelbred konnte nach überstandener Scharlach-Erkrankung wieder mitwirken. Dazu standen Marvin Plattenhardt, John Brooks, Schulz und Stocker im Team. Es war die jüngste Hertha-Elf in dieser Saison.

Von der Spielidee her begann sie gar nicht so anders als noch unter Luhukay: In der Defensive kompakt stehen und über schnelles Umschaltspiel gefährlich werden. Das war der Plan. Und er ging auf. Erst verpasste Julian Schieber aus sieben Metern knapp das Tor (18.), dann rauschte ein Schuss von Peter Pekarik über die Latte (20.). Hatten die Berliner in den ersten beiden Partien der Rückrunde kaum einmal einen Ball Richtung Tor gebracht, schien diese Blockade nun irgendwie gelöst.

Mainzer Karius sorgt für ein Geschenk

Und wie das manchmal so ist, kehrte plötzlich auch das zuletzt vermisste Spielglück zurück: Was nämlich dem Mainzer Schlussmann Loris Karius durch den Kopf ging, als er sich im Strafraum fahrlässig viel Zeit mit dem Ball am Fuß ließ, war im Nachhinein wenig erklärbar. Stocker sprintete dazwischen und ließ sich von Karius von den Beine holen. Elfmeter und Platzverweis.

Hegeler, auch so ein Spieler, der zuletzt nicht allzu gut in der Bewertung wegkam und von Dardai für den gesperrten Sebastian Langkamp in die Abwehr beordert wurde, verwandelte zum 1:0 (35.). Das Glück blieb Hertha treu: Stocker kam nach einem Getümmel im Strafraum zum Schuss. Der Ball prallte vom Pfosten direkt vor die Füße von Beerens, und der Niederländer musste nur noch zum 2:0 einschieben (42.). Dass Beerens im Abseits stand, übersah Schiedsrichter Deniz Aytekin.

Platzverweis für Lustenberger

Nicht übersehen konnte der Unparteiische nach der Pause zwei Situationen, mit denen Hertha innerhalb von nur vier Minuten die feine Ausgangssituation verschlechterte: Kapitän Fabian Lustenberger sah erst die Gelbe Karte und nur Augenblicke später Gelb-Rot(58.). Es war der erste Platzverweis des Schweizers. Beide Teams waren nun personell wieder auf Augenhöhe geschrumpft. Dardai brachte mit Niemeyer und Hajime Hosogai ein neues Abräumer-Duo. Letzterer kam damit zu seinem 100. Bundesligaspiel.

Mainz bäumte sich nun noch einmal auf. Hertha zog sich zu sehr zurück und sorgte vorn kaum noch für Entlastung. Aber es ging gut, weil vor allem Brooks und Hegeler hinten sicher standen. Niko Bungert vergab die letzte Mainzer Gelegenheit aus fünf Metern (88.). Die Statistik zeigte am Ende ein Torschussverhältnis von 11:12 an – für Hertha doppelt so viele wie in den beiden ersten Partien des Jahres zusammen.

Dardai selbst war zwar mit dem Ergebnis, aber nicht vollkommen mit dem Auftreten seiner Elf zufrieden: „Wenn man führt und in Überzahl ist, muss man cleverer spielen“, sagte er. Nun hat er sieben ruhigere Tage, um daran zu arbeiten. Am Sonntag kommt der SC Freiburg. Pal Dardai wird das ungerührt angehen.