Trainingsauftakt

Bei Hertha BSC bleibt alles anders

Der Berliner Bundesligist startet mit altem Personal aber neuen Vorsätzen ins Jahr 2015. Trainer Jos Luhukay will die Defensive stärken und maximal einen neuen Spieler holen. Eine Beobachtung.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Es gab größere Aufräumarbeiten bei Hertha BSC zwischen den Jahren. So manch Altes musste weg. Deshalb sieht das jetzt ziemlich nach Kahlschlag aus auf dem Schenckendorffplatz, dem Trainingsgelände der Berliner. Ein paar von den Pappeln sind nur noch Stümpfe. Andere stehen um einige Äste schlanker herum. Wie ein neuer, raspelkurzer Haarschnitt wirkt das – wie ein Neuanfang.

Einen neuen Haarschnitt hatte Jos Luhukay nicht, als er um 14.15 Uhr mit seiner Mannschaft zum ersten Training des Jahres aus der Kabine schritt. Dafür aber wirkte der Cheftrainer nach den zwei Wochen Ferien ausgeruhter und irgendwie zuversichtlicher als zuletzt. Zuletzt war ja auch alles ziemlich niederschmetternd bei seinem Team: Zum Jahresabschluss gab es ein 0:5 gegen Hoffenheim zu Hause, das sich anfühlte wie ein Kinnhaken, und man überwintert nun mit nur einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone.

„Ich hätte gedacht, dass ich damit mehr zu kämpfen haben würde“, sagte Luhukay jedoch, nachdem er sein Team 75 Minuten lang hatte trainieren lassen. „Aber ich lebe nicht mehr in der Vergangenheit. Alles, was war, kann ich nicht mehr ändern. Das, was kommt, will ich beeinflussen. Wir haben alles analysiert und wissen, wo wir ansetzen müssen“, sagte der 51-Jährige. Wenn seine Spieler dies umsetzen, werde man auch eine erfolgreichere Rückrunde spielen, glaubt Luhukay.

Ben-Hatira verpasst den Afrika-Cup

Am Montag standen 21 Hertha-Profis auf dem Schenckendorffplatz – 19 Feldspieler und zwei Torhüter. Bevor es losging, fuhr Spielgestalter Tolga Cigerci mit seinem weißen Audi vom Hof. Der Deutsch-Türke ist immer noch nicht von seiner seltsam langwierigen Zehenverletzung genesen. Ebenso fehlten Außenstürmer Änis Ben-Hatira (er ist verletzt und verpasst deshalb den Afrika_Cup mit Tunesien) und sein Pendant auf der rechten Seite Roy Beerens. Der Niederländer arbeitet nach seiner Fußverletzung im Rehazentrum DaVinci an seiner Rückkehr. „Wir hoffen, dass Roy im Trainingslager wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann“, sagte Luhukay.

Das Winterquartier wird wie in den drei Jahren zuvor ab 18. Januar an der türkischen Riviera in Belek aufgeschlagen. Luhukay hat insgesamt 27 Tage Zeit, sein Team auf den Rückrundenstart in Bremen am 1. Februar vorzubereiten.

Hegeler und Ronny unter Druck

Zunächst stehe Konditionstraining auf dem Programm. „Danach steht das Defensivverhalten im Vordergrund“, sagte er. Nur Werder kassierte in der Hinserie mehr Gegentore. Zudem aber will Luhukay das Offensivspiel verbessern. Nur Bremen hatte eine schlechtere Fehlpassquote, kein Team hatte weniger Spielanteile. Deshalb ließ Luhukay schon beim ersten Training Kombinationen üben.

Einen neuen Spielergestalter gibt es aber noch nicht. Bisher muss das alte Personal genügen. Luhukay sagte: „Wir haben personell noch einige Fragezeichen. In den nächsten Wochen werden wir ganz genau beobachten. Alles ist noch offen. Vielleicht machen wir nichts, vielleicht verstärken wir uns noch.“

Das war auch pädagogisch gemeint: Einige Akteure müssen zeigen, dass sie Herthas Probleme lösen können – besonders Jens Hegeler und Ronny im Mittelfeld, aber auch die nun wiedergenesenen Verteidiger Fabian Lustenberger und Sebastian Langkamp. Bei Letzteren geht es jedoch eher um die Fitness als um die Qualität. Ein neuer Innenverteidiger ist nicht geplant.

Bedauern über Mukhtars bevorstehenden Abgang

An der Ausgangslage habe sich nichts verändert im Vergleich zum Saisonstart, sagte Luhukay: „Wir wollen die Klasse halten. Ich habe der Mannschaft gesagt: ‚Es ändert sich nichts. Aber was kommen muss, ist, dass wir eine bessere Rückrunde spielen“, so Luhukay.

Hany Mukhtar hörte jene Worte zwar auch, aber den 19-Jährigen dürfte das bald nicht mehr betreffen. Er steht vor einem Wechsel zu Benfica Lissabon. Nach dem Auftakttraining sagte er, er könne nichts über seine Zukunft sagen. Dafür aber sprach Luhukay: „Ich finde es sehr schade, denn seit September 2013 haben wir intensive Gespräche mit Hanys Beratern geführt. Wir haben anderthalb Jahre versucht, dass er seine Karriere bei uns fortführt. Wir müssen uns keinen Vorwurf machen. Dass Hany sich offenbar anders entschieden hat, müssen wir leider akzeptieren.“

Für manche Fans fühlt sich der Abgang des Eigengewächses dennoch an wie abgeholzte Pappeln im Garten.