Bundesliga

Hertha BSC rutscht in den Abstiegskampf

Die Tore von Schieber und Kalou reichen nicht gegen Gladbach, die Berliner müssen mit dem Auswärts-2:3 bereits die achte Niederlage hinnehmen.

Foto: Sascha Steinbach / Bongarts/Getty Images

Ronnys Miene hatte sich ziemlich verfinstert, als er vom Rasen in die Katakomben des Borussia Parks trat. Das lag zum einen daran, dass Herthas brasilianischer Mittelfeldspieler soeben eine Wette verloren hatte. Mit seinem ein Jahr älteren Bruder Raffael auf Seiten des Gegners Borussia Mönchengladbach hatte er sich vor dem Spiel darauf geeinigt, dass derjenige, der mit seinem Klub unterliegt, Geld spendet. Vor allem aber lag das daran, dass neben der verlorenen Wette – das liegt in der Natur der Sache – eben auch die Partie verloren ging.

Mit 2:3 (1:1) durch die Tore von Tony Jantschke (9. Minute), Raffael höchst selbst (53.) sowie Thorgan Hazard mussten sich Ronny und Hertha am Niederrhein geschlagen geben. Für die Berliner hatten Julian Schieber (45.) und Salomon Kalou (90.+1) getroffen.

Lust, sich zum Spiel oder sonst etwas zu äußern, hatte Ronny folglich nicht. Finstere Miene auf und weg. Immerhin hatte es ein Abschiedsküsschen von Raffael gegeben, als der in der 65. Minute ausgewechselt wurde. Dafür sprach Torschütze Schieber deutliche Worte: „Wir waren in der ersten Halbzeit viel zu passiv und nicht im Spiel“, fand der Stürmer. „Am Ende kann man sagen, dass wir uns zu wenige Torchancen rausgespielt haben und hinten ein paar Mal ungeordnet waren.“

„Das Spiel aufgrund von Details verloren“

Ähnlich sah es sein Vorgesetzter: „Wir haben dieses Spiel aufgrund von Details verloren“ sagte Herthas Trainer Jos Luhukay und meinte das schwache Abwehrverhalten bei allen drei Gegentreffern. Hertha rutscht damit in der Tabelle immer tiefer Richtung Abstiegsränge. Auf Platz 14 stehend trennt die Berliner derzeit nur noch ein einziger Zähler auf Relegationsrang 16. Und bis Weihnachten wartet mit Dortmund, Frankfurt und Hoffenheim noch ein schweres Restprogramm.

Vor dem Spiel hatte Luhukay mal wieder mit Personalentscheidungen für überraschte Gesichter gesorgt: Dass Schieber erneut für Kalou beginnen würde, war abzusehen. Aber dass Johannes van den Bergh derjenige sein sollte, der für den verletzten Valentin Stocker ins Team rückt, war nicht zu erwarten. Der in der Borussia-Jugend ausgebildete 28-Jährige, der seit zehn Partien nicht mehr zum Einsatz kam, gab den Linksverteidiger. Nico Schulz begann im zentralen Mittelfeld neben Per Skjelbred. Wenn man so wollte, setzte Luhukay also auf eine Mannschaft ohne Stars (neben Kalou nahmen auch John Heitinga und zunächst ebenso Ronny auf der Bank Platz) und mit laufstarken Arbeiter-Typen in einem 4-1-4-1-System, das sich aber bei gegnerischem Ballbesitz zu einem defensiveren 4-3-2-1 transformierte.

Matchplan durch Unachtsamkeit über den Haufen geworfen

Aber was nützt ein vornehmlicher Fokus auf die defensive Stabilität und schnelles Umschaltspiel, wenn der Matchplan schon früh durch Unachtsamkeit über den Haufen geworfen wird? Ein Standard – mal wieder –, diesmal ein Freistoß scharf getreten von Hazard, reichte, um die Berliner Hintermannschaft zu düpieren: Jantschke schüttelte Schulz ab und köpfte freistehend per Flugkopfball zum 0:1 ein (10.). Dass dieser ein exzellenter Kopfballspieler ist, hätte man wissen können: Es war sein vierter Saisontreffer nach ruhenden Bällen mit dem Schädel.

Luhukay reagierte schon nach 29 Minuten und nahm Schulz vom Feld. Für ihn kam Ronny. „Ich wollte mehr offensive Impulse haben“, erklärte Luhukay. Aber zunächst war davon nicht viel zu sehen. Änis Ben-Hatira probierte es wenigstens einmal in Richtung Gladbacher Tor (35.) – der erste echte Torschuss der Herthaner im Spiel. Als aber schon ein paar der 50.190 Zuschauer im Borussia-Park zum Pausenbier die Ränge verließen, glich Hertha überraschend aus: Ben-Hatira flanke von rechts, Schieber stand frei und köpfte zum 1:1 ein (45.). Es war das vierte Saisontor des Schwaben, das bis dahin letzte lag mehr als drei Monate zurück.

Das Team hat offenbar nicht gut zugehört

Mit dem Ausgleich im Kopf kam Hertha nun etwas mutiger aus der Kabine und: ließ sich prompt auskontern. Die Berliner waren aufgerückt, Ben-Hatira passte über seine rechte Seite nicht auf, von dort flog ein Zuspiel in den Strafraum, den Raffael zum 1:2 einschob (53.).

Vor dem schnellen Gladbacher Umschaltspiel hatte Luhukay sei Team gewarnt. Es hatte offenbar nicht gut genug zugehört. „Dieses zweite Tor kam einfach zu schnell. Danach konnte Gladbach ihr geliebtes Konterspiel aufziehen“, sagte Luhukay.

Denn nun musste sein Team risikoreicher agieren, und das behagte den Gladbachern besonders: Erst rettete Torwart Thomas Kraft zweimal stark (77./78.), dann aber entblößte sich die Hertha-Defensive völlig, sodass Hazard einen schnellen Gegenangriff zum 1:3 abschloss (83.). Dass der eingewechselte Kalou in der Nachspielzeit noch einen Elfmeter verwandelte (90.+1.) – Jantschke hatte ihn gefoult – blieb nur noch Randnotiz und, wenn man so will, ein letzter Tiefschlag für Ronny. Nicht einmal dieses Erfolgserlebnis wurde dem ehemals etatmäßigen Strafstoßschützen gewährt.