Hertha-Gegner

Raffael – Ronnys großer Bruder steckt im Leistungstief

Der Ex-Herthaner befindet sich ebenso wie sein Klub Mönchengladbach in einer kleinen Krise. Gegen die Berliner und seinen Bruder Ronny will Raffael sie nun überwinden. Eine Wette soll dabei helfen.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Wenn in dieser Woche an jedem Abend die Telefone im Hause de Araújo klingeln, dann wird spioniert. Eines steht in Meerbusch bei Mönchengladbach und gehört Raffael Caetano de Araújo, der Einfachheit halber Raffael genannt. Das andere steht in Berlin bei Raffaels ein Jahr jüngerem Bruder Ronny Heberson Furtado de Araújo, kurz Ronny. Die beiden Brasilianer reden dann über die anstehende Begegnung ihrer Klubs am Sonnabend: Raffaels Borussia aus Mönchengladbach empfängt Ronnys Hertha BSC.

„Es gibt nur dieses eine Thema im Moment“, sagt Raffael der Morgenpost. „Ich frage Ronny, wie Hertha drauf ist und wer in der Startelf stehen wird. Und er fragt mich dasselbe über Borussia.“

Wenn Ronny bei dieser Bespitzelung ehrlich war, dann dürfte er erzählt haben, dass es wieder einmal nicht ganz sicher ist, ob er selbst überhaupt spielen wird. Zuletzt war der 28-Jährige nämlich ziemlich weit entfernt von der Startelf der Berliner. Nur durch den Ausfall von Valentin Stocker steigen seine Chancen. Wenn Raffael seinerseits ebenso nicht geflunkert hat, dann weiß Ronny jetzt, dass auch die Form seines großen Geschwisterkinds derzeit nicht die beste ist.

Bei Ronny überrascht das nicht: Unstetigkeit kennt man von ihm. Das erste Bruderduell im Oktober vor einem Jahr fiel ins Wasser, weil Herthas Trainer Jos Luhukay seinen de Araújo auf der Bank beließ. Beim zweiten Aufeinandertreffen im März durfte Ronny dann gegen Raffael zwar ran, erwies sich aber als wenig brauchbar und verlor 0:3.

Sieben Ligaspiele torlos

Von Raffael dagegen kennt man solche Unstetigkeit nicht. Schon in seiner Zeit bei Hertha zwischen 2008 und 2012 war der Schleicher zwischen Angriff und Mittelfeld stets einer der Leistungsträger. Und auch bei Gladbach, wohin Raffael nach einem Ausflug in die Ukraine und nach Gelsenkirchen 2013 gewechselt war, gilt er als feste Größe. In seiner ersten Saison erzielte Raffael dort 14 Treffer und bereitete acht Tore vor. Zusammen mit Sturmkollege Max Kruse war er an 46 aller 59 geschossenen Borussia-Treffer beteiligt und führte den Klub auf Platz sechs.

In dieser Spielzeit aber läuft es nicht. In 13 Partien gelangen dem hängenden Angreifer (in der Fußballterminologie Neuneinhalber genannt) nur zwei Tore und eine Vorlage. Das war noch zu verkraften, solange Borussias Rekordserie von 18 Spielen ohne Niederlage hielt. Doch zuletzt verlor das Team von Trainer Lucien Favre drei Spiele in Folge.

Und weil dabei nur ein einziger Treffer gelang und kaum Chancen herausgespielt werden konnten, ist dieses Zwischentief der Borussia nun auch zu Raffaels geworden. „Wir müssen vor allem in der Mitte mehr Durchschlagkraft haben“, sagt Favre, und die Angriffsmitte ist nun einmal Raffaels Beritt. Nur fünf Teams haben weniger Saisontore erzielt als Mönchengladbach (16).

Reise ins Gestern

Raffael selbst findet, er habe sich nicht viel vorzuwerfen: „Wenn man genau hinguckt, dann habe ich in jedem Spiel gut gespielt. Das Problem ist nur, dass ich nicht mehr so treffe wie zuvor. Die Chancen habe ich, aber ich nutze sie aktuell nicht“, sagt er. Seit sieben Spielen hat er in der Liga nicht mehr getroffen, „aber solche Phasen gibt es nun einmal bei einem Profi. Ich kriege das wieder hin“, sagt Raffael.

Gegen Hertha am Sonnabend ist es nicht nur deshalb eine Reise zurück ins Gestern für ihn, weil es gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geht („Für mich wird das immer ein bisschen komisch sein, gegen Hertha zu spielen“). Es soll darüber hinaus auch der Anfang einer Rückkehr zur alten Stärke werden. „Für mich und Borussia ist die Partie sehr wichtig. Wir müssen gewinnen, um wieder in die Spur zu finden“, sagt Raffael. Auch wenn es ein Erfolgserlebnis zu erzwingen gilt, von einer Krise will Raffael nicht sprechen: Mönchengladbach steht mit Tabellenplatz fünf immer noch recht komfortabel da.

Wette für Bedürftige

Dass die persönliche Lage seines Bruder Ronny bei Hertha derzeit viel weniger komfortabel ist und dieser selbst ein Erfolgserlebnis gebrauchen könnte, hat Raffael ebenfalls bemerkt: „Für ihn läuft es bei Hertha derzeit nicht gut. Er spielt nicht und ist unzufrieden. Das muss er nun mit harter Arbeit ändern, und er hat mir versprochen, dass er das tun wird“, sagt er.

Als Ansporn hilft da vielleicht auch eine kleine Wette: Um die Sache mit dem Bruderduell noch ein bisschen anzuheizen, haben sich Raffael und Ronny darauf geeinigt, dass der Verlierer der Partie 100 Lebensmittelpakete für Bedürftige in ihrer brasilianischen Heimatstadt Fortaleza spenden wird. Bei einem Unentschieden werden die Kosten geteilt. Schon beim 0:3 im März machten sie es so. Damals traf Raffael, und Ronny musste zahlen. Da half auch Spionage nicht.