Fußball

Hertha-Trainer Luhukay genießt das Vertrauen der Vereinsführung

Ungeachtet der Niederlagen gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal und den SC Paderborn in der Bundesliga gibt es bei den Berlinern keinen Grund, den Holländer infrage zu stellen.

Foto: Lukas Schulze / dpa/Schulze

Die Stimmung war ernst. Trainer Jos Luhukay sagte: „Es ist wichtig, dass man kritisch ist und sich selbst hinterfragt. Das gilt für die Spieler und auch für den Trainer.“ Nach dem enttäuschenden Pokal-Aus gegen Drittligist Bielefeld (2:4 i.E.) und dem matten Auftritt bei Aufsteiger Paderborn (1:3) schrillen bei Hertha BSC die Alarmglocken. Der erste, der in solchen Situationen stets ins Visier gerät, ist der Trainer.

Zumal Luhukay in der Benteler Arena die klassische Diskussion selbst befeuerte. Er habe seine Mannschaft vorbereitet auf das, was sie erwarten werde. „Paderborn war mit viel mehr Leidenschaft in den Zweikämpfen. Ich habe bei uns Herz und Leidenschaft vermisst.“ Es ist das dritte Mal in dieser Saison, dass Luhukay die Einstellung des Gegners lobt. Und wie ein Bumerang schlägt dann die Frage zurück: Wenn er seine Mannschaft warnt, die aber dann exakt die geforderten Tugenden vermissen lässt – erreicht Luhukay dann seine Mannschaft noch? Die Kritiker unter den Hertha-Fans gehen einen Schritt weiter und erklären die Bundesliga-Partie am kommenden Freitag gegen Hannover gleich mal zum „Luhukay-Endspiel“.

Es gibt Gesprächsbedarf

Intern bei Hertha verziehen sie bei solchen Fragen das Gesicht. Luhukay werde nicht in Frage gestellt. Er genießt das Vertrauen der Vereinsführung um Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz. Aber natürlich wird intern gesprochen. Vor allem Preetz und Luhukay reden miteinander.

Luhukay ist in den vergangenen Wochen dem Team gegenüber sehr fordernd aufgetreten. Was er erwartet. In welche Richtung sich die Mannschaft entwickeln soll. Allein, es fehlen die Hebel, von denen Hertha als Reaktion auf das schwache erste Halbjahr 2014 gedacht hätte, sie wären im neuen Kader vorhanden: mehr Qualität, um auf Verletzungen, Sperren oder Formkrisen reagieren zu können. Doch mit Baumjohann, Cigerci, Langkamp fallen wichtige Spieler aus. In der vergangenen Woche waren zudem Julian Schieber, Ronny, John Heitinga, Per Skjelbred und Roy Beerens angeschlagen.

Wenig Spielraum zum Durchgreifen

Egal wie intensiv der Vorgesetzte den Spielern ins Gewissen redet. Die wissen: Der Trainer hat gar keinen Spielraum, um bisherige Stammkräfte mal auf die Tribüne zu setzen. Leute, die es wissen müssen, sagen: Luhukay erreicht die Mannschaft. Aber die kommenden Wochen werden wichtig. Hertha spielt gegen Hannover (heim), Köln (auswärts), FC Bayern (h), Gladbach (a), Dortmund (h), Frankfurt (a) und Hoffenheim (h).

Luhukay Vertrag läuft bis 2016. Aktuell ist Herthas Situation nicht so bedrohlich, wie sie teilweise gemacht wird. Es liegt neun Tage zurück, dass der Aufschwung mit dem 3:0 gegen HSV gefeiert wurde.

Der Trainer wird schauen, welche Stellschrauben er tatsächlich zur Verfügung hat. Luhukay hat zuletzt viel mit Druck gearbeitet. Bei so viel Anspannung braucht Hertha wohl etwas Entspannung. Etwas Spaß, etwas Lockerheit würden Hertha gut tun.