Bundesliga

Hertha BSC sucht den Weg aus dem Zickzack-Kurs

Seit Wochen pendeln die Berliner zwischen Sieg und Niederlage. Um sich für das peinliche Pokal-Aus gegen Bielefeld zu rehabilitieren, muss Luhukays Team in Paderborn die Auswärtsschwäche überwinden.

Foto: Oliver Krato / dpa

Ostwestfalen also schon wieder. Ostwestfalen. Das klingt schon nach Provinz, und das ist es ja auch. Aber eigentlich ist es dort gar nicht so schlecht zwischen Mindener Land und Paderborner Hochfläche, wo die Städte Herford, Gütersloh oder Höxter heißen. Das fand jedenfalls Jos Luhukay, als er 2005 beim SC Paderborn zum ersten Mal Cheftrainer im Profifußball sein durfte. „Eine sehr schöne Zeit“, erinnert sich der 51-Jährige nun neun Jahre später. Luhukays Assistent damals und heute, Markus Gellhaus, wird auch nicht viel Schlechtes über Ostwestfalen erzählen. Er wurde ja dort geboren.

Allein Ostwestfalen hat zwei Probleme: Erstens umschließt es ein Städtchen namens Bielefeld und dort widerfuhr Luhukay kürzlich Böses, als er mit seiner aktuellen Mannschaft von Hertha BSC am Dienstag vom Drittligaklub Arminia Bielefeld aus dem DFB-Pokal gekegelt wurde und sich so wieder einmal in jenem Wettbewerb zum Gespött der Leute machte. Zweitens: Ostwestfalen ist nicht Berlin. Und jeder Ort, der nicht Berlin ist, entpuppte sich zuletzt als einer, an dem Luhukay und Hertha nicht sonderlich glücklich wurden. Aber der Reihe nach.

Nur fünf Tage nach dem sehr peinlichen Ausscheiden gegen die Arminia müssen die Berliner am Sonntag wieder nach Ostwestfalen. Knapp 50 Kilometer südlich von Bielefeld geht es in der Bundesliga gegen den Aufsteiger SC Paderborn (17.30 Uhr/im Liveticker bei immerhertha.de). Wiedergutmachung wolle sein Team dort betreiben, hatte Luhukay kurz nach dem Pokal-Aus gesagt.

Keine Wiedergutmachung

Aber das ist ja das Problem mit diesem für die Blau-Weißen so frustrierenden Wettbewerb: Wenn man raus ist, ist man raus. Wiedergutmachen lässt sich da nichts. Allein die nun ziemlich verdunkelte Stimmung bei den Hauptstädtern ließe sich vielleicht wieder ein bisschen aufhellen – vorausgesetzt ein Sieg gelingt, aber das ist nicht unbedingt wahrscheinlich.

Paderborn, das Team mit dem kleinsten Etat der Liga, hat sich nach dem überraschenden Aufstieg nämlich ziemlich schnell unter den Großen zurechtgefunden. Zwölf Punkte nach neun Spielen und Tabellenplatz acht. Besiegt wurde die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter bisher nur vom FC Bayern, Mönchengladbach und zuletzt Hoffenheim – dem Ersten, Zweiten und Vierten der Tabelle. „Paderborn läuft derzeit über vor Selbstbewusstsein“, sagt Luhukay.

Für sein Team werde es deshalb keine leichte Aufgabe, „weil Paderborn gezeigt hat, dass sie nicht nur viel Leidenschaft an den Tag legen, sondern auch eine richtig gute Spielphilosophie verfolgen“. Niemand werde diese Mannschaft mehr unterschätzen. Paderborn erlebe gerade, was sein Team im vergangenen Jahr als Aufsteiger erlebte, als man überraschend furios in die Saison startete. „Dort herrscht große Euphorie. Sie haben es verdient, auf Platz acht zu stehen, weil kontinuierlich gute Arbeit gemacht wird“, sagt Luhukay.

Hertha ist das schlechteste Auswärtsteam der Liga

Der Niederländer hat das mit der Wiedergutmachung am Freitag bei der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Spiel nicht noch einmal wiederholt, aber es ist zu vermuten, dass er von seiner Mannschaft so etwas wie eine grimmige Trotzreaktion auf das Pokal-Aus erwartet. „Das gehört zu den Unerklärlichkeiten im Fußball: Am Sonnabend gegen den HSV waren wir gefühlt im Himmel, am Dienstag gegen Bielefeld in der Hölle. Dazwischen gibt es nichts“, sagt Luhukay. Nun müsse jeder einzelne Spieler Verantwortung übernehmen, um wieder zurück in den Himmel zu kommen.

Doch jener Zickzackkurs zwischen Oben und Unten ist kein Phänomen nur dieser Woche. Seit sechs Spielen wechseln sich Sieg und Niederlage in schöner Regelmäßigkeit bei Hertha ab – 1:0 gegen Wolfsburg, 0:1 in Augsburg, 3:2 gegen Stuttgart, 0:2 auf Schalke, 3:0 gegen den HSV, Ausscheiden im Elfmeterschießen in Bielefeld.

Der Grund dafür ist eine mittlerweile bedenklich ausgewachsene Schwäche auf fremden Plätzen. Daheim wird gewonnen, auswärts verloren. Seit acht Monaten konnte Hertha saisonübergreifend kein Auswärtsspiel mehr gewinnen – zehn Partien lang. In dieser Saison erspielte sich Luhukays Mannschaft vor fremdem Publikum nur ein einziges Remis – und das mit ziemlich viel Dusel beim späten 2:2-Ausgleichstreffer gegen Freiburg. Keine Mannschaft ist auswärts schlechter als Hertha.

Darauf angesprochen, klingt Luhukay ziemlich angefressen. Eine echte Erklärung dafür hat er nicht. In der Bundesliga gehe es so eng zu, dass Details darüber entscheiden würden, ob man auf der Sieger- oder der Verliererstraßen lande, sagt er. „Zuletzt waren wir jedenfalls zu oft auf der falschen Seite. Auswärts sind wir verbesserungsfähig, um das mal leise auszudrücken.“

Per Skjelbred steht vor der Rückkehr

Neben jenem Wissen um die eigene Auswärtsschwäche plagen Luhukay zudem derzeit auch ein paar Verletzungssorgen: Roy Beerens, Ronny und Julian Schieber kamen angeschlagen aus Bielefeld zurück. Ob sie einsatzbereit sein werden, entscheidet sich erst im Abschlusstraining heute.

Verzichten muss Luhukay definitiv erneut auf Nico Schulz und Änis Ben-Hatira (beide Muskelverletzung). Verteidiger John Heitinga (Wade) bleibt fraglich. Am schmerzlichsten in Bielefeld aber wurde Mittelfeldspieler Per Skjelbred vermisst. Der Norweger fehlte wegen Leistenproblemen und mit ihm die Dynamik im Berliner Spiel. Sein Vertreter Jens Hegeler blieb erschreckend blass, sodass Luhukay nun froh ist, dass Skjelbred gegen Paderborn wieder einsatzfähig sein wird.

„Wir müssen dort einfach so spielen wie in Berlin“, findet der Hertha-Trainer eine simple Marschroute für die Partie in Paderborn. Dann wäre Ostwestfalen auch eigentlich ganz schön.