Bundesliga

Hertha-Trainer Luhukay gibt Schieber eine Stammplatz-Garantie

Hertha-Coach Luhukay bekennt sich trotz der Verpflichtung von Salmon Kalou zu Schieber: „Wir haben Julian nicht von der Dortmunder Bank geholt, um ihn Berlin auf die Bank zu setzen.“

Foto: Juergen Schwarz / Bongarts/Getty Images

14 Tage Länderspiel-Pause – das ist mitten in der Saison ein Zeitfenster, um die Neuen in der Mannschaft von Hertha BSC zu integrieren. So die Theorie. Speziell gemeint sind Salomon Kalou und Per Skjelbred, die der Berliner Bundesligist als Zugänge acht und neun in diesem Sommer zu Wochenbeginn auch formal unter Vertrag nahm. Der Stürmer-Star vom OSC Lille, den die Berliner zum Schnäppchen-Preis von 1,8 Millionen Euro auslösten, stand am Montag, dem letzten Tag der Wechselperiode, ebenso auf der Transferliste der Deutschen Fußball-Liga wie Skjelbred.

Die Praxis hingegen besagt: Kalou ist mit der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste in der Qualifikation zur Afrika-Meisterschaft im Einsatz. Es geht am Sonnabend gegen Sierra Leone, am Mittwoch, dem 10. September, gegen Kamerun. Skjelbred spielt am Dienstag mit Norwegen gegen England und gegen Italien (9.). Insofern bleibt vor dem nächsten Bundesliga-Spiel von Hertha gegen den FSV Mainz (13.) vor allem für Kalou kaum Zeit, um die neuen Kollegen kennenzulernen.

30 Treffer in zwei Saisons

Einer freut sich besonders auf Kalou, der vielleicht Grund hätte, sich Sorgen zu machen: Julian Schieber. „Ich hoffe, dass wir von Salomon Kalou profitieren, dass er uns mit seinen Toren helfen kann“, sagte Schieber. Der Neu-Herthaner ist besser in die Saison gekommen, als von vielen erwartet. Schieber führt überraschend die aktuelle Torjägerliste der Bundesliga mit drei Treffern an (vor Karim Bellarabi/Bayer Leverkusen und Elias Kachunga/SC Paderborn, jeweils zwei Tore).

Doch was passiert nun, nachdem Hertha den international erfahrenen Kalou für drei Jahre unter Vertrag genommen hat? Kalou hat beim OSC Lille in den vergangenen beiden Saisons jeweils den zentralen Stoßstürmer gespielt – und dabei 30 Tore erzielt.

„Julian braucht Vertrauen“

Kein Problem signalisiert Hertha-Trainer Jos Luhukay. „Ich habe Julian vergangene Woche beiseite genommen und mit ihm über Kalou gesprochen.“ Schieber hatte zuvor zwei undankbare Jahre bei Borussia Dortmund verbracht, in denen er so gut wie nie an Robert Lewandowski vorbeigekommen war. Luhukay sagte der Berliner Morgenpost: „Wir haben Julian nicht von der Bank von Dortmund geholt, um ihn auf die Hertha-Bank zu setzen. Er bleibt im Team.“

Garantien dieser Art sind selten beim Trainer. Aber es ist Luhukay wichtig. Ein Spieler, der zwei Jahre vor allem zuschauen musste, kann zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison noch keinen Rhythmus haben. „Julian braucht Vertrauen, das bekommt er bei Hertha.“ Zumal der Übungsleiter weiß, dass die Erwartungen an Stürmer höher sind als an andere Spieler: „Sie werden in der Öffentlichkeit immer an Toren gemessen.“

Schieber in Berlin jetzt schon erfolgreicher als beim BVB

Schieber hat zum Start ins Spieljahr bei Hertha zumindest persönlich ein Momentum. Im DFB-Pokal gegen Viktoria Köln hat er einmal getroffen (4:2), zweimal zum Bundesliga-Start gegen Werder Bremen (2:2), einmal in der rasanten Begegnung bei Bayer Leverkusen (2:4). Drei Spiele, vier Tore – mit dieser Ausbeute hat Schieber jetzt schon mehr Einsatzminuten und mehr Tore bei Hertha aufzuweisen als in den zwei gesamten Jahren bei Borussia Dortmund. Dort war er auf lediglich drei Tore gekommen.

Auch Manager Michael Preetz ist überzeugt, dass Schieber sich weiter entwickeln wird. „Julian wird besser werden, er wird vom Zusammenspiel mit Kalou profitieren.“

Salomon Kalou variabel einsetzbar

Den 67fachen Nationalspieler von der Elfenbeinküste sieht Trainer Luhukay auf allen Positionen. „Salomon kann auf der 9 spielen, als hängende Spitze und auf den Außenbahnen rechts sowie links, was er bei Chelsea oft gemacht hat.“

Hertha hat sich in der vergangenen Rückserie schwer getan, Tore zu erzielen (13 Treffer in 17 Partien). Deshalb hofft Luhukay, „dass wir mit Julian und Salomon zwei Spieler haben, die Tore schießen können, das macht uns unberechenbarer.“

Der Champions-League-Sieger als Führungsspieler

Bei der Zusammenstellung der Sturmabteilung hatte Manager Preetz darauf geachtet, unterschiedliche Typen zu haben. Den wuchtigen Schieber, der zudem über ein ordentliches Passspiel und einen Blick für den Mitspieler verfügt. Anders als der robuste Schieber kommt Kalou über seine Geschwindigkeit und die Dynamik, dazu verfügt er über ein gutes Kopfballspiel. Als Backup steht weiter Sandro Wagner zur Verfügung, dessen Selbstbewusstsein allerdings eine bessere Torquote beflügeln würde (vergangene Saison 20 Einsätze, zwei Treffer).

Kalou verfügt mit seinen 29 Jahren, davon sechs beim FC Chelsea, über reichlich Erfahrung. Bei 68 Europacup-Einsätzen, die meisten davon in der Champions League und bei zwei WM-Teilnahmen (2010 und 2014) hat Kalou eine Menge erlebt. Er soll intern einer der Führungsspieler bei Hertha sein, an dem sich jüngere Spieler in schwierigen Phasen orientieren können.

Planungssicherheit im Sturm

Schieber kommt über seine Unbekümmertheit. Er will mit mittlerweile 25 Jahren in Berlin seinen endgültigen Durchbruch in der Bundesliga schaffen. Wenn die Pläne in Erfüllung gehen und Kalou und Schieber eine gute Rolle spielen, hofft Manager Preetz auf mittelfristige Planungssicherheit. Der Vertrag mit Kalou läuft bis 2017, der mit Schieber gar bis 2018.

Hertha liegt nach zwei Runden mit nur einem Punkt auf Platz 15. Es ist derzeit schwer einzuschätzen, wie stark der blau-weiße Jahrgang 2014 ist. Die Erwartungen steigen jedoch. Kalou und Skjelbred sind die Neuen acht und neun. Hertha hat in der Ära von Präsident Gegenbauer/Manager Preetz, also seit 2009, nicht so viel Geld in die Hand genommen wie in der nun beendeten Transferperiode. Die Einnahmen für Adrian Ramos (9,7 Mio. Euro vom BVB) und Pierre-Michel Lasogga (8,5) wurde direkt wieder in den Kader investiert.

Sechs Millionen für Hertha

Mit Monatsbeginn flossen Hertha sechs Millionen Euro zu, für die der Klub Genussscheine an den in Hongkong lebenden Unternehmer Horst Julius Pudwill ausgegeben hat. Die Summe verbessert die Eigenkapital-Seite des Hauptstadt-Klubs. Das Saisonziel lautet, Hertha in der Liga zu etablieren. Aber auch der Wunsch‚ eine bessere Platzierung als in der Vorsaison, die Hertha als Tabellen-Elfter beendete, darf als erstrebenswert angesehen werden.

Die Frage, ob der Trainer nach einer so hochkarätigen Verpflichtung wie der von Kalou, 2012 Champions-League-Sieger, unter Druck setzte, beantwortet Luhukay mit einem Lächeln. „Ich freue mich ungemein für Hertha, dass es gelungen ist, so einen Spieler zu verpflichten. Dann freue ich mich für die Fans, dass wir so einen Spieler hier haben. Persönlich finde ich es eine unglaublich reizvolle Aufgabe, mit jemandem wie Kalou zu arbeiten.“