Bundesliga

Hertha bricht in neue Dimensionen auf und ist zum Erfolg verdammt

Mehr Zuschauer, mehr TV-Einnahmen, ein besser dotierter Hauptsponsor-Vertrag: Hertha hat sich viel vorgenommen in diesem Bundesliga-Jahr. Und nimmt erstmals den Markt in Asien ins Visier.

Laut nach draußen sagt es niemand. Aber Hertha BSC will in dieser Bundesliga-Saison in neue Dimensionen vorstoßen. Die Gründe liegen auf der Hand: Borussia Dortmund gab am Donnerstag eine Kapitalerhöhung um 114,4 Millionen Euro bekannt, der Sportausrüster Puma und der Versicherer Signal Iduna erwerben Aktienpakete. Auch Werder Bremen, morgen Herthas erster Gegner im Olympiastadion (15.30 Uhr), fahndet nach Investoren. Der VfB Stuttgart arbeitet am Einstieg von Mercedes, die Bayern haben die Allianz-Versicherung für 110 Millionen Euro als Aktionär geholt. Vorreiter dieser Bewegung in der prosperierenden Liga des Weltmeisters war Hertha mit dem Einstieg des Finanzinvestors KKR im Januar.

61 Millionen Euro bekamen die Berliner. Im Gegenzug hält KKR unter anderem 9,7 Prozent der Hertha-Anteile, versehen mit der Option, diesen Anteil auf 33 Prozent aufstocken zu können. Die Hoffnung, die die KKR treibt und die anderen Unternehmen: Dass ihre jeweiligen Klubanteile an Wert gewinnen. Die Bundesliga gilt im internationalen Vergleich zur Premier League und Primera Division als unterbewertet. Und im Bundesligamarkt gilt Hertha als Klub, der sein Potenzial bei Weitem noch nicht ausgeschöpft hat.

Der aktuelle Etat ist mit 80 Millionen Euro geplant. Die Herausforderung nun: Hertha muss seine Einnahmesituation verbessern. Das soll in drei Bereichen passieren: Da ist das TV-Geld. Wegen der Abstiege 2010 und 2012 liegt der Hauptstadt-Klub auf einem schlechten 16. Platz in der Liga. Die Unterschiede sind gravierend. Hertha wird aus der nationalen TV-Vermarktung 21,18 Millionen Euro erhalten. Hannover 96 liegt satte elf Millionen besser (32,42 Mio.). „Wir wollen uns schnellstmöglich in der TV-Rangliste verbessern“, sagt Ingo Schiller, Herthas Geschäftsführer Finanzen.

Auslastung im Olympiastadion liegt bei nur 69,9 Prozent

Dann geht es um einen neuen Hauptsponsor-Vertrag. Der Kontrakt mit der Deutschen Bahn läuft bis Juni 2015. Ab Herbst wird sich Hertha darum bemühen, diesen eminent wichtigen Vertrag teuer zu verkaufen. Bei Hertha war man froh, dass die Bahn dem Verein auch in den Abstiegsjahren die Treue gehalten hat. Das hatte jedoch seinen Preis. Einer, der es wissen muss, sagt der Morgenpost: „Wir haben einen gut dotierten Vertrag für einen Aufsteiger.“ Dem Vernehmen nach erlöst Hertha derzeit knapp vier Millionen. Die Bahn ist der logische erste Ansprechpartner. Bahn-Chef Dr. Rüdiger Grube hat bereits signalisiert: Er könne sich eine Verlängerung vorstellen. Das Interesse des Klubs liegt darin, die bisherige Summe mit dem kommenden Vertrag ab 2015 deutlich nach oben zu schrauben. Ein guter Saison-Start wäre ein starkes Argument für Herthas Perspektiven.

Der dritte Wachstumsbereich ist der Ticketverkauf. Sowohl die Marke an verkauften Dauerkarten des Vorjahres (20.063) soll übertroffen werden. Ebenso wie der Gesamt-Zuschauerschnitt. Im Spieljahr 2013/14 passierten pro Partie 51.889 Zuschauer die Tore des Olympiastadions. Eine stattliche Zahl. Da die WM-Arena aber über 74.244 Plätze verfügt, liegt Herthas Stadionauslastung bei nur 69,9 Prozent. Von 17 Heimspielen waren zwei ausverkauft – da ist noch reichlich Luft nach oben.

Sechs Millionen aus Asien

Der Part, Aufbruchstimmung zu erzeugen, kommt Cheftrainer Jos Luhukay und seiner Mannschaft zu. Oder wie Schiller sagt: „Jeder dieser Bereiche ist mit guten sportlichen Leistungen positiv zu beeinflussen.“

Ende dieses Monats bessert sich noch mal Herthas finanzielle Grundausstattung. Horst Julius Pudwill, ein vor 40 Jahren nach Hongkong ausgewanderter Industrieller, wird Genussscheine im Wert von sechs Millionen Euro zeichnen. Eine Summe, die die Eigenkapital-Seite des Klubs stärkt. Dennoch murren die Skeptiker. 61 Millionen hat Hertha im Januar bekommen, und jetzt wird schon wieder Geld aufgenommen. Intern dagegen lauten die Überlegungen: Mehr Geld erhöht die Wahrscheinlichkeit auf mehr Tore. Mehr Tore erhöhen die Chance auf Erfolg. Mehr Erfolg macht Hertha attraktiver für Sponsoren. Und, die Konkurrenz investiert heftig – siehe Dortmund, Stuttgart .

Wer in Asien interessiert sich für Hertha?

Was ist, wenn keine Mittel da sind, erklärt ein desillusionierter Robin Dutt, Trainer von Werder Bremen, vor dem Hertha-Spiel: „Wir hatten gestern kein Geld, wir haben heute kein Geld, und wir werden morgen kein Geld haben.“

Bei Hertha hat der Genussschein-Deal ohnehin den Charakter eines Versuchsballons. Pudwill ist Chairman von Techtronic Industries, einem Unternehmen mit 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Er ist interessiert, weil ein Finanzinvestor wie KKR an die Zukunft des Klubs glaubt. Hertha erhofft sich über Pudwill und dessen Netzwerk Kontakte nach Asien. Nur, wer in Asien interessiert sich für Hertha, einen Verein, der seit fünf Jahren nicht mehr international spielt? Schiller: „Wir haben den Vorteil des Standortes.“ Die deutsche Hauptstadt ist populär, Hertha verspricht Potenzial. Gleichwohl sagt Schiller zum Thema Asien: „Das ist ein Marathon und kein Sprint.“

Die Kalkulation braucht Erfolg

Damit all die Hoffnungen aufgehen von mehr Kunden, Sponsoren und Klubanteilen, die an Wert gewinnen, muss die sportliche Entwicklung stimmen. Und ein Szenario ist bei diesen millionenschweren Kalkulationen nicht vorgesehen: ein Abstieg in die Zweite Liga.