Auswärtsspiele

Hertha als Vorbild für mehr Sicherheit in der Bahn

DFL und DFB wollen Projekte für mehr Sicherheit auf Auswärtsreisen vorstellen. Hertha und Deutsche Bahn erproben bereits seit dieser Saison ein neues Konzept für das Reisemanagement der Berliner Fans.

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Am Sonnabend werden Zugreisende zwischen Berlin und Bremen vermehrt auf Passagiere in blau-weißer Fan-Kluft treffen. Hertha spielt seine letzte Auswärtspartie beim SV Werder. Für die Bahn sind solche Fan-Reisen an jedem Spieltag eine Herausforderung, wenn jedes Mal gut 100.000 Fußballanhänger in den Zügen unterwegs sind. Das klappt häufig. Aber das Aufeinandertreffen rivalisierender Gruppen oder durch Alkohol enthemmter Anhänger sorgen auch für Ärger – und Millionen-Schäden. DFL und DFB starten zur nächsten Saison erste Projekte zur Verbesserung der Situation. Hertha und die Bahn haben bereits in dieser Saison ein neues Reise-Management in Angriff genommen.

Als die Berliner und die Deutsche Bahn im Mai 2013 Jahr den Sponsorenvertrag erneuerten, wurde erstmals eine Vereinbarung aufgenommen, die schnell als „Randale-Klausel“ bekannt wurde. Darin wurde beschlossen, dass die beiden Partner nicht nur als Werbepartner miteinander verbunden sind, sondern auch im Bereich Sicherheit zusammenarbeiten. Für die Bahn geht es nicht nur ums Geld. Zwar kostet allein die Beseitigung von Vandalismusschäden 1,5 Millionen Euro im Jahr, und die Folgekosten wie Verspätungen oder Ticketerstattungen liegen in einem hohen einstelligen Millionenbereich.

Doch sensibler und nicht in Euro abzubilden ist ein anderer Punkt. Viele Fahrgäste fühlen sich durch die teilweise laut und alkoholisiert auftretenden Fans gestört und bedroht. Dabei muss es gar nicht zu tatsächlichen Gefährdungen kommen. Fußballanhänger nehmen Sicherheit dagegen anders wahr. Sie fühlen sich durch Sicherheitspersonal eher gegängelt. Hier setzt das dreistufige Konzept von Hertha und der Bahn an. Es geht darum, den Fan-Verkehr vom normalen Reiseverkehr zu trennen. Idealtypisch dafür sind gesonderte Fan-Züge, mit denen die Bahn in der vergangenen Saison 60.000 Anhänger transportierte.

Genaue Spieltagsprognose wenige Tage vor Anpfiff

Im ersten Schritt machen Herthas Fan-Betreuer Donato Melillo und Dirk Horn, bei der Bahn für den Fan-Reiseverkehr zuständig, bei der Veröffentlichung des Spielplans eine Saisonprognose. Es gibt Ziele, wie Bremen, die Fans für Zugreisen gern benutzen, und es gibt Städte, die eher mit Bussen angefahren werden. Der zweite Schritt folgt bei der Terminierung der Begegnungen. Erst wenn feststeht, an welchem Wochentag ein Spiel stattfindet, kann genau in die Planung gegangen werden.

Fan-Züge für Partien am Freitagabend sind wegen des erhöhten Reiseverkehrs fast nie möglich. Oder es kommt wie am Sonnabend das Baumblütenfest in Werder dazwischen, das einen Teil des Fuhrparks der Bahn bindet. Im dritten Schritt, wenige Tage vor Anpfiff der Partie, gibt es eine genaue Spieltagsprognose. Für Sonnabend werden beispielsweise bis zu 1000 Hertha-Fans in den Zügen erwartet, die meist mit dem preiswerten Wochenend-Ticket fahren werden.

„Es ist derzeit kein Geschäftsmodell, Fußballfans zu transportieren. Das liegt unter anderem daran, dass es eine sehr preissensible Gruppe ist“, sagte Horn. Doch manchmal entspannen schon zwei zusätzliche Waggons in der Regionalbahn die Situation merklich. Wenn Horn vom Umgang mit den Fans spricht, fällt oft das Wort „Vertrauensvorschuss“. Die Organisation der Fan-Züge übernehmen die Vereine. Die Fans kümmern sich um den Ordnungsdienst im Zug, der auf die Einhaltung der Zugregeln achtet. Zum Saisonende wollen Hertha und die Bahn das Konzept bewerten. „Wir sind keine Traumtänzer“, sagte Horn und bittet, keine Wunderdinge zu erwarten. Eine Bewusstseinsschärfung auf Fan-Seite für das Verhalten bei Zugfahrten wäre ein Erfolg. Dafür sieht er positive Ansätze.