Bundesliga

Für Hertha geht es gegen Braunschweig um ein emotionales Ziel

Im Aufsteigerduell wollen die Berliner den ersten Heimsieg des Jahres. Für Eintracht Braunschweig geht es dagegen ums Überleben in der Liga. Ein Hertha-Interesse an einem „Löwen“-Profi wird dementiert.

Foto: Getty Images

Die Ananas kommt im deutschen Sprachgebrauch meistens schlecht weg. Süß ist sie ja, aber oben auch stoppelig und aufgeplustert im Erscheinungsbild. Deshalb muss sie immer herhalten, wenn die größtmögliche Bedeutungslosigkeit ausgedrückt werden soll. Dann wird die Ananas im Geiste vergoldet und als fiktiver Preis für einen Wettkampf ohne Relevanz ausgerufen.

In Braunschweig holten sie daher unter der Woche wieder einmal die arme Ananas hervor und richteten zugleich alle Hoffnung auf sie.

Eintracht Braunschweig hätte noch Chancen auf den Klassenerhalt, wurde geschrieben, weil der Tabellenletzte in den drei verbleibenden Saisonspielen auf „Ananas-Klubs“ treffe. Mannschaften also, für die es um nichts mehr geht.

Und weil es für die Niedersachsen ja noch um alles geht – sie liegen schließlich nur zwei Zähler hinter dem Relegationsplatz 16 – vermutete man einen Wettbewerbsvorteil.

Den Fans etwas schuldig

Jos Luhukay dagegen findet solche Gedankenspiele zu exotisch. Der niederländische Cheftrainer trifft heute mit Hertha im Olympiastadion auf Braunschweig (15.30 Uhr/im Liveblog auf morgenpost.de) und will von goldenen Südfrüchten nichts wissen.

„Es gibt für uns nichts zu verschenken“, sagte Luhukay. Sicher, der Klassenerhalt sei seit Ostersonntag geschafft. Das heiße aber nicht, dass die Partie gegen die „Löwen“ bedeutungslos sei. Im Aufsteiger-Duell geht es für Hertha noch um ein emotionales Ziel: „Unsere Fans, die uns fantastisch unterstützt haben, haben es verdient, eine Mannschaft zu sehen, die gewinnen will“, sagte Luhukay.

Den Berlinern ist im Jahr 2014 noch kein einziger Heimsieg gelungen. Und aus jener ärgerlichen Heimflaute spricht ja gleichermaßen das Schwächeln der Blau-Weißen in der Rückrunde insgesamt.

Mit nur zehn Punkten ist Hertha das schlechteste Team der zweiten Saisonhälfte. Luhukay hat das frustriert, auch wenn er sagt: „Es ist eine Normalität eingetreten. Es hat sich gezeigt, dass gerade hier in Berlin die Bäume nicht in den Himmel wachsen.“ Unzufrieden sei er keineswegs mit der Saison, was gleichwohl nur die halbe Wahrheit ist.

Viertschlechtestes Team zu Hause

Denn die Heimschwäche ärgert den 50-Jährigen besonders. Hatte er doch vor Saisonbeginn gefordert, sich über Erfolge im Olympiastadion zunächst die Gunst der eigenen Fans zu sichern und dann den Klassenerhalt.

Es kam anders: Hertha ist das viertschlechteste Heim-, dagegen aber das sechstbeste Auswärtsteam der Liga. Kein anderer Klub außer dem FC Bayern, dem es bekanntlich Wurst ist, wo er gewinnt, hat zu Hause weniger Punkte geholt als auf fremden Plätzen. Hertha will das untypische Punkteverhältnis von 18 (daheim) zu 20 (auswärts) nun gegen Braunschweig um drei Zähler korrigieren.

„Wir wollen diesen ersten Heimsieg in der Rückrunde. Deshalb ist das Spiel wichtig für uns. Und das werden meine Spieler auch ausstrahlen“, so Luhukay.

Ramos und Ronny sind fit

Es gehe darum, die Fans für ihren Zuspruch zu belohnen. Zudem geht es darum, die eigene, zuletzt etwas ramponierte Gefühlslage bezüglich einer Saison, die doch eigentlich erfolgreich verlaufen sei, mit einem Heimerfolg wieder herzurichten. Hertha wartet ja überhaupt schon seit neun Spielen auf einen Sieg.

Und weil mit dem wiedergenesenen Adrian Ramos der beste Stürmer in den Kader zurückkehrt und gegen Braunschweig spielen kann, ist Luhukay sehr guter Dinge, dass es diesmal gelingen wird. Zudem hat sich der unter der Woche malade Ronny fit gemeldet, wird aber wohl nur auf der Bank sitzen.

Während also Hertha unbedingt gewinnen will, muss Braunschweig zwingend siegen, um noch Historisches zu schaffen. Erst ein einziges Mal in der Geschichte der Liga stieg ein Team, das am 31. Spieltag Tabellenschlusslicht war, nicht ab – Rot-Weiß Oberhausen 1971.

Torsten Lieberknecht, Eintrachts bisweilen kauziger Trainer, greift für jenes Ziel auch gern zu ungewöhnlichen Maßnahmen: Gegen den FC Bayern am vergangenen Spieltag schmiss er mit Karim Bellarabi und Marcel Correia zwei Stammkräfte aus dem Kader, weil sie drei Minuten zu spät zum Frühstück erschienen waren. Nun erwartet Lieberknecht von den Missetätern, dass sie sich deshalb gegen Hertha besonders in der Pflicht sehen.

Bellarabi ist derzeit kein Thema

Vor der Partie in Berlin quartierte Lieberknecht sein Team seit Mittwoch im 80 Kilometer entfernten Neuruppin zum Kurztrainingslager ein, um die Konzentration ausschließlich auf das Überlebensspiel richten zu können.

Dass Bellarabi mit dem Kopf irgendwie schon bei Hertha sein könnte, muss Lieberknecht ohnehin nicht befürchten. Zwar wurde immer wieder berichtet, dass der von Leverkusen ausgeliehene und in Berlin geborene Flügelspieler ganz oben auf dem Wunschzettel von Michael Preetz stehen soll. Doch Herthas Manager sagte der Morgenpost: „Er ist derzeit kein Thema für uns.“

Überhaupt kein Thema für Preetz und Luhukay sind Braunschweigs bester Stürmer Domi Kumbela (neun Tore) und der beidfüßige Innenverteidiger Ermin Bicakcic, die beide ebenfalls mit Hertha in Verbindung gebracht wurden. Letzterer trägt seine Frisur manchmal gern ananasmäßig – an den Seiten kurz und oben schön stoppelig drapiert.